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Hochschulen Gebühren schrecken vom Studium ab

20.10.2008 ·  Studiengebühren schrecken deutlich mehr junge Menschen vom Studium ab als bisher angenommen. Dies zeigt eine Studie im Auftrag des Bundesbildungsministeriums - das die Ergebnisse nicht veröffentlicht hat.

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Studiengebühren schrecken deutlich mehr junge Menschen vom Studium ab als bisher angenommen. Dies zeigt eine aktuelle Studie im Auftrag von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU). Die Untersuchung wird seit Wochen in ihrem Ministerium unter Verschluss gehalten. Sie liegt der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin vor.

Demnach haben allein vom Abiturienten-Jahrgang 2006 bis zu 18.000 junge Menschen wegen der neuen Gebühren kein Studium aufgenommen. 2006 hatten erst zwei Bundesländer - Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen - Gebühren verlangt. Danach erfolgte ihre Einführung in fünf weiteren unionsgeführten Ländern - in Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, im Saarland sowie in Hessen, wo sie jedoch nach der jüngsten Landtagswahl wieder abgeschafft wurden.

Schavan: Zahl „nicht beträchtlich“

Ministerin Schavan hält die Zahl der jungen Menschen, die wegen Studiengebühren auf eine Hochschulausbildung verzichten „nicht für beträchtlich“. Die Ministerin bestätigte, dass in ihrem Hause zwei Studien vorlägen, und zwar eine Abiturientenbefragung des Jahrganges 2006 sowie eine Studienanfängerbefragung 2007. Sie würden derzeit ausgewertet und in etwa vier Wochen veröffentlicht, sagte sie am Montag in Berlin.

Aus den Studien wisse sie, dass für 91 Prozent der jungen Menschen Gebühren bei der Studienentscheidung keine entscheidende Rolle spielten, sagte Schavan. 2006 hatten 415.000 junge Menschen die Schule mit einer Studienberechtigung verlassen, 2007 waren dies 432.500. Eine Ministeriums-Sprecherin sagte, „die negative Tendenz“ der ersten Studie werde „aus der Gesamtschau nicht bestätigt“.

Der Präsident des Deutschen Studentenwerkes (DSW), Rolf Dobischat, sagte im WDR: „Studiengebühren gehören abgeschafft.“ Jeder vierte Studienverzichtler habe Angst vor Studiengebühren und Verschuldung.

Gebührendebatte verunsichert Abiturienten

Die Vorsitzende des Bundestags-Bildungsausschusses, Ulla Burchardt (SPD), forderte die unverzügliche Veröffentlichung der Studie. Die Ergebnisse dürften vor dem Bildungsgipfel von Bund und Ländern „nicht vertuscht werden“. Der Bildungssprecher der FPD-Bundestagsfraktion, Patrick Meinhardt, erklärte: „Es kann nicht sein, dass das Bildungsministerium eine Studie zu den Auswirkungen von Studiengebühren unter Verschluss hält, nur weil darin Erkenntnisse sind, die nicht ins Bild passen.“

Nach der Studie verzichten insbesondere Frauen und junge Menschen aus bildungsfernen Elternhäusern wegen der Gebühren häufiger auf das Studium. Dagegen lassen sich Kinder aus Akademikerfamilien „deutlich seltener in ihrer Hochschulwahl beeinflussen“, stellt das Hochschul-Informations-System (HIS) in der Studie fest. Die Gebührendebatte habe unter Abiturienten und jungen Menschen mit Fachhochschulreife zu „erheblicher Verunsicherung“ beigetragen - auch in Ländern, die noch keine Gebühren verlangen.

Weniger Ostdeutsche drängen in den Westen

Weiter heißt es in der Studie, eine Abwanderung von Studien-Interessierten von „Gebührenländern“ in „Nicht-Gebührenländer“ sei „in großem Umfang nicht zu verzeichnen“. Gleichwohl wollten im Vergleich zu früheren Jahren weniger Abiturienten aus dem Osten im Westen studieren, wo Gebühren verlangt werden.

Der bildungspolitische Obmann der CDU/CSU-Fraktion, Michael Kretschmer (CDU), sagte, die Hochschulen seien wegen ihrer schlechten Ausstattung auf die Gebühren als private Zuwendungen der Studierenden angewiesen. Gleichwohl dürften „diejenigen, die ernsthaft und engagiert studieren wollen, nicht abgeschreckt werden“. Deshalb müssten die Rahmenbedingungen verbessert werden. Dazu gehörten Studienkredite, Stipendien und Bafög. Die Bildungssprecherin der Linken, Nele Hirsch, sagte, auch die Bundesbildungsministerin müsse nun begreifen, dass Studiengebühren unsozial seien.

Die Studie stützt sich auf der Befragung von 5240 repräsentativ ausgewählten Studienberechtigten des Jahrgangs 2006 sowie auf die regelmäßige Abiturienten-Untersuchungen des HIS. Das Institut mit Sitz in Hannover arbeitet im Auftrag von Bund und Ländern sowie der Hochschulrektorenkonferenz.

Im Vergleich zu 2003 gab es im vergangenem Jahr wegen der starken Abiturienten-Jahrgänge bundesweit zwar 17 Prozent mehr junge Menschen mit Hochschulreife, gleichzeitig aber 5 Prozent weniger Studienanfänger. 2003 war mit 377.500 Neueinschreibungen an den deutschen Hochschulen ein Anfänger-Rekord erzielt worden. 2007 waren es mit 358 670 Anfängern knapp 19.000 Neueinschreibungen weniger. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Studienberechtigten um mehr als 63.000 auf 432.500.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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