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Verwaltungshochschule Speyer : Gegen die Inflation guter Noten

  • -Aktualisiert am

Pfälzer Wein statt IC-Anschluss: Standort Speyer Bild: DHV

Zurück zur Elite: Die Verwaltungshochschule in Speyer kämpft um ihr Image. In diesen Wochen werden mehr Praxisorientierung und ein hartes Notensystem eingeführt. Die Studenten stehen im Leistungswettbewerb.

          Die Aufbaustudenten an der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften (DHV) in Speyer müssen sich in diesen Tagen auf einige Neuerungen gefasst machen. Dabei geht es vor allem um gerechte – also aussagekräftige, vergleichbare, aber auch strengere – Zensuren. Ab sofort werden Leistungspunkte vergeben.

          Dabei wird das international übliche ECTS-Notensystem mit der Bewertungsskala A-F eingeführt. Dieses bildet die Leistung eines Studenten relativ zu der Leistung seiner Kommilitonen ab. Die Note „A“ (sehr gut) kann nur von 10 Prozent der Prüfungsteilnehmer erreicht werden. „B“ (gut) erhalten die nächsten 25 Prozent der Teilnehmer, und so weiter. Bei jeder Veranstaltung wird es deshalb auch 10 Prozent geben müssen, die „mangelhaft“ ( E) abschneiden. Für „ungenügend“ (F) ist zumindest keine Mindestgröße angegeben.

          Relativ und absolut benotet

          Die Benotung erfolgt durch die Einordnung der Teilnehmer in einer Rangliste. Daneben gibt es weiterhin die absolute Note (0-18 Punkte). Mit dieser Maßnahme will die Hochschule einer Inflation guter Noten entgegenwirken – und ihr Profil stärken. Die Hörer werden sich ab diesem Sommersemester also stärker anstrengen müssen. Sie stehen in einem Wettbewerb.

          Ins Gästehaus ziehen immer weniger Ostdeutsche ein

          In einem Wettbewerb steht auch ihre Hochschule. Als die DHV vor genau 60 Jahren, im Januar 1947 von der französischen Besatzungsmacht gegründet wurde, nahm diese sich die Gründungspläne der ENA zum Vorbild. Der erste Name der Speyerer Hochschule lautete deshalb „École Supérieure d’Administration“. In der amtlichen Übersetzung verlor sich der sprachliche Glanz etwas. Man sprach schnörkellos von einer Höheren Verwaltungsakademie. Sie sollte eine neue demokratische Beamtenschaft in Deutschland aufbauen helfen.

          „Die französische Verwaltung sah deutlich die Unmöglichkeit, zwei Jahre nach dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur in traditioneller Weise junge Rechtsreferendare bei unbelasteten erfahrenen Beamten ausbilden zu können“, sagt Professor Stefan Fisch, Historiker an der Hochschule. Die Besatzungsmacht schrieb daher vor, dass Speyer ein Monopol bei der Eröffnung des Wegs in den öffentlichen Dienst haben sollte. Das Monopol hielt zwar nicht lange. Eine deutsche Elitehochschule aber wollte man trotzdem bleiben und junge Beamte in Rechts- und Verwaltungswissenschaften, Wirtschaftslehre, Geschichte und Politischer Wissenschaft schulen.

          Eliteinstitut zwischen Rebstöcken

          Nach und nach beteiligten sich durch Staatsverträge alle 12, später 16 deutschen Länder und der Bund an der Hochschule. „Bis heute ist Speyer die einzige deutsche Hochschule geblieben, in der nicht nur west- und ostdeutsche Hörer etwa entsprechend ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung vertreten sind, sondern auch Schleswig-Holsteiner, Saarländer und Bayern“, sagt Professor Stefan Fisch: „Und so konnte in Speyer so manche falsche Vorstellung über wirtschaftliche und politische Strukturen eines anderen Landes korrigiert werden.“

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