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Historiker Karrierestart im Museum

07.06.2007 ·  Museumsführer, Texter und Comic-Zeichner: Die Konstantin-Schau in Trier eröffnet auch berufspraktische Felder für Studierende. Vor allem für solche, die ihre Freude an der Geschichte gerne an andere weitergeben.

Von Uta Jungmann
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Bronzekopf und Heereszeichen, Kreuze und Münzen, Reliefs: 1400 Exponate zeigt die Ausstellung "Konstantin der Große", verteilt über drei Trierer Museen. Dinge, die vom Leben des Römerkaisers und seiner Zeit erzählen. Was die Stücke alles verraten, erkennen viele Besucher nicht auf den ersten Blick. Vor allem die Jüngeren rätseln, was an manchem Exponat so spannend sein soll. 37 Museumsführer erklären es ihnen. Sie wurden geschult, Gruppen vom Vorschulalter bis zur Oberstufe die kaiserlichen Geheimnisse zu offenbaren.

Verena Knoop ist eine der Führerinnen. Die Geschichtsstudentin freut sich darauf, Schülern die Spätantike nahezubringen. "Nicht wie eine strenge Lehrerin. Mehr wie die große Schwester, die man fragt, wie das denn damals war in Trier", betont die 22jährige. Mit dem Kaiser, den Soldaten, den Gladiatoren und den Wagenlenkern. Im Frage-Antwort-Spiel möchte sie erst mal die Kinder reden lassen über das, was sie schon wissen. Danach folgen Erklärungen wie: "Gladiatoren kann man mit unseren Fußballern heute vergleichen." Am Ende wird gebastelt, etwa ein Gladiatorenhelm aus Pappe.

Unblutige Gladiatorenlehre

Vor allem an schwierigen Stellen hofft auch ihr Kollege Eric Wychlacz auf die Fragen seiner jungen Zuhörer, etwa beim Sarkophag im Dommuseum und dem Thema Tod. Immerhin hat der Student einen Leitfaden, was er dort an Wesentlichem vermitteln soll. Anna Kurtze, Museumspädagogin im Rheinischen Landesmuseum, hat die Konzepte entwickelt, von der unblutigen Gladiatorenlehre für Jüngere bis zur Schatzsuche für Ältere: "Sie führen zu den wichtigsten Exponaten in einem Themenfeld. Wie ein roter Faden, der inhaltlich mit den Wissenschaftlern im Haus abgestimmt ist." Sie ist froh, dass sie neben erprobten Gästeführern auch Studenten im Team hat: "Es macht Kinder aufmerksam, wenn sie auf Leute stoßen, die anders und jünger sind als ihre Lehrer." Auf Kurtzes Aushang an der Uni haben sich Hochschüler der Archäologie, Kunstgeschichte und der klassischen Philologie gemeldet. Und viele Geschichtsstudenten: Rund ein Drittel ihrer Kinder- und Jugendführer studieren das Fach.

Mareen Fischer setzt ihr historisches Wissen indes schon länger für die Schau ein: In ihren beiden letzten Studienjahren hat sie als wissenschaftliche Hilfskraft für den Teil im Simeonstift gearbeitet, der sich mit dem Mythos Konstantins in späteren Zeiten befasst. Mittelalter-Professor Lukas Clemens hat sie dafür ausgewählt. Clemens war früher Kustos am Rheinischen Landesmuseum, ist jetzt für die Schau im Stift mitverantwortlich und fand in einer Uni-Übung drei Leute für sein Team. Seine Studenten haben zum Beispiel Hörtexte für Audioguides verfasst. "Die Frage war immer, was hat der Besucher vor Augen, was lässt sich daran anknüpfend an Hintergrund sagen", sagt Mareen Fischer und schwärmt: "Das ist etwas Handfestes." Nun schreibt sie Bewerbungen und hofft auf ein Volontariat in einem Museum. Trotz aller Erfahrung wird das nicht einfach.

Methodenwissen erhöht die Chancen

"Das Arbeitsfeld Museumspädagogik ist klein, und nur die wenigsten schaffen es da hinein", sagt Anne Kurtze, die zunächst als Restauratorin gearbeitet und mit viel freier Mitarbeit neben ihrem Studium der Kunstgeschichte und Erziehungswissenschaften den Einstieg gepackt hat. "Aber je mehr Ansätze und Methoden man kennt, desto höher sind die Chancen." Allerdings ohne Garantie auf Erfolg. Der Blick auf die Zahlen ernüchtert: 2752 offene Stellen für Geisteswissenschaftler wurden im Jahr 2006 bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet, lediglich 96 davon waren in Museen. Wer eine der raren Stellen im Kulturbetrieb ergattern möchte, braucht neben wissenschaftlichen Kenntnissen vor allem Praxis. Deshalb soll ein Praktikum in den Trierer Bachelor-Studiengängen für Geschichte verpflichtend werden.

Aber manche brauchen solch einen Anstoß von ihrer Uni gar nicht. Wie Eric Wychlacz, der in Trier Führungen leitet und sein nächstes Praktikum im Wiesbadener Hauptstaatsarchiv in der Tasche hat. "Man muss selbst die Leute anrufen", rät der 23 Jahre alte Student. Doch nicht jeder kann genug Erfahrungen sammeln: "Das Ganze ist auch eine finanzielle Frage", sagt Verena Knoop. "Unbezahlte Praktika sind für viele nebenher nicht zu finanzieren." Für die Studentin ist die Konstantin-Schau ein Glücksfall: "Ich kann mir die Arbeit im Museum angucken, Leute kennenlernen und noch etwas mit dem verdienen, was ich studiere." 40 Euro für eine 75minütige Führung sind nicht schlecht, auch wenn damit bereits die Zeit für die Schulungen und fürs Einlesen abgegolten ist.

Doktorand Daniel Bauerfeld hat sich ebenfalls über den Verdienst bei seinem Konstantin-Einsatz gefreut und darüber, "einmal an etwas Großem mitzuarbeiten". Er gehört zum Team fürs Simeonstift und hat in der Literatur nach würdigen Objekten für die Schau gesucht: "Ich habe sie in der Datenbank erfasst und um Leihgaben telefonisch gefeilscht. Texte für den CD-ROM-Katolog habe ich auch gemacht." Sein geschultes Auge aus der Kunstgeschichte war ihm dabei eine Hilfe. "Bilder zu beschreiben, habe ich gelernt." Wie man solche Texte knapp, aber genau fasst, dazu hätte Bauerfeld in seinem Studium gerne mehr gehört. Verena Knoop wünscht sich in der Geschichte ebenfalls mehr berufspraktische Angebote. "Aber nicht zu Lasten der wissenschaftlichen Ausbildung", schränkt sie ein. Die Verbindung von beidem, Quellenstudium mit Praxisnähe, scheint jedoch oft wie eine Quadratur des Kreises.

Zeitung aus dem Jahr 317

Nicht so für Althistorikerin Elisabeth Herrmann-Otto: Zur Konstantin-Schau hat sie eine fachdidaktische Übung und ein Projektseminar angeboten. Mit dem Ziel, eine antike Zeitung zu erstellen, die im Jahr 317 erscheint. 40 Studenten haben dabei Scheine erworben und Artikel recherchiert und geschrieben zur großen Politik, aber auch Alltagsgeschichten: etwa Berichte über die Getreidepreise in der Kaiserstadt, zum Weinbau oder die Ergebnisse der Gladiatoren-Kämpfe für den Sportteil. "Anhand korrekter Quellenstudien mussten die Studenten den Stoff mit Leben füllen", unterstreicht Elisabeth Herrmann-Otto. "Ein Redakteur vom ,Trierischen Volksfreund' hat uns dazu das Knowhow vermittelt: Etwa, wie drücke ich mich ohne Fremdworte aus." Der Brückenschlag zwischen wissenschaftlicher Arbeit und populärer Darstellung hat die Konstantin-Gesellschaft und den Trierer Verlag überzeugt: Von beiden gefördert, liegt die antike Zeitung nun in den Museen aus.

Die Historikerin sieht darin einen Weg, den Markt für Geschichtliches zu vergrößern und damit die Berufschancen für ihre Studenten, die nicht ins Lehramt oder in die Wissenschaft wollen. "Es gibt so ein breites Publikum, das Interesse an der Römerzeit hat. Vielleicht ist es nur die Frage, wie man es anspricht." Zum Beispiel mit einer Karikatur, wie Konstantin die Weltherrschaft auf seine minderjährigen Söhne überträgt - in Form eines Spielballs. Ihr Zeichner, Thomas Jäger, gibt zu: "Es macht einen schon stolz, die Spätantike mal als eine lebendige Welt zu zeigen."

Auch Pablo Ientile hat gezeichnet: Conny, das Maskottchen der Schau. Er hatte gerade seine Diplomarbeit in Kommunikationsdesign abgegeben, als er mit drei Kommilitonen an der Fachhochschule Trier um Entwürfe gebeten wurde. Sein Spring-Pferdchen mit Lorbeerblatt in der Mähne, setzte sich durch. "Ein Pferd war immer der Begleiter Konstantins. Und für mich ein Super-Einstieg, da Folgeaufträge von der Ausstellungsgesellschaft kamen, etwa für eine Broschüre und ein Poster." Der Maskottchen-Designer, der inzwischen in Madrid lebt, freut sich, bei der Schau mitgewirkt zu haben. "Klar hat eine Agentur den Gesamtauftritt gemacht, aber wir Studenten waren wenigstens bei kleinen Sachen dabei."

Ein Studium der Geschichte - und was dann?

  • Im Jahr 2005 wurden 2897 Absolventen im Bereich Geschichte, einschließlich der Archäologie, gezählt, davon 679 mit Abschluss Lehramt, so informiert das Statistische Bundesamt.
  • Wer im Museum oder in den Medien arbeiten möchte, muss in der Regel noch ein Volontariat durchlaufen.
  • Die Tätigkeit in Archiven setzt eine meist zweijährige Ausbildung voraus.
  • Viele Historiker arbeiten fachfremd: als Werbe- und Marketingfachleute, im Personalwesen oder im auswärtigen Dienst.
  • Für all diese Bereiche steht frühe Praxis hoch im Kurs und „ganz oben auf der Wunschliste der Arbeitgeber“, sagt die Zentralstelle für Arbeitsvermittlung ZAV.
  • Einen guten Überblick über die Berufsfelder für Historiker gibt: www.Berufe-fuer-Historiker.de
  • Wer Fragen zum Fach hat, kann sie im Forum des Nachrichtendienstes für Historiker stellen
  • Eine Liste mit Verbänden, Archiven, Institutionen, Museen und Studiengängen bietet das Bibliothekssystem der Uni Hamburg

Quelle: F.A.Z., 02.06.2007, Nr. 126 / Seite C8
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