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Kleine Studienfächer : Blick zurück nicht nur im Zorn

Zufrieden: Monika Wingender (Mitte) hält die Zusammenlegung kleiner Fäche für einen Fortschritt - zumindest in ihrem Fall. Bild: Frank Röth

Vor zehn Jahren haben die Universitäten in Hessen damit begonnen, kleine Fächer in Zentren zusammenzufassen. Das Vorhaben rief damals viel Kritik hervor. Heute fällt die Bilanz zwiespältig aus.

          Der Beschluss erregte in den Universitäten die Gemüter: Als die damalige hessische CDU-Landesregierung 2005 verkündete, eine Reihe kleiner geisteswissenschaftlicher Fächer in Zentren konzentrieren zu wollen, schrieben Professoren Brandbriefe und wurden über Nacht zu Lobbyisten. Sie versuchten, Politik und Verwaltung zum Erhalt ihrer Standorte zu bewegen. Ihre Studenten demonstrierten - etwa als Samurai verkleidet in Marburg, wo sie gegen die Schließung des Japan-Zentrums protestierten und sich symbolisch ins Schwert stürzten.

          Geholfen hat all das in den meisten Fällen nicht. Nur einzelnen Professoren und der Frankfurter Judaistik gelang es, Umzug oder Auflösung zu verhindern. Seit nunmehr zehn Jahren ist in Hessen das Gros der Wissenschaftler, die sich mit Asien beschäftigen, in Frankfurt angesiedelt; die Osteuropaforscher arbeiten in Gießen, und in Marburg gibt es ein Zentrum für den islamisch-arabischen Raum. Fächer wurden verlagert, Lehrstühle aufgelöst und ganze Bibliotheken verladen.

          Heinrich Menkhaus war Geschäftsführender Direktor des Japan-Zentrums in Marburg. Es wurde zugunsten des neuen Zentrums in Frankfurt aufgelöst, das den gesamten ostasiatischen Raum in den Blick nehmen soll. Der Jurist Menkhaus hat im vergangenen Jahr einen Aufsatz zum Thema veröffentlicht mit dem Titel: „Blick zurück im Zorn - Japanisches Recht in Marburg“. Die Zentrenbildung habe die Tradition der Japanforschung in Marburg abgeschnitten, sagt Menkhaus. Dabei sei dort 1878 die erste akademische Vorlesung zu Japan im deutschsprachigen Raum überhaupt gehalten worden.

          „Von Anfang an eine schriftliche Lüge“

          Präsidium und Land hätten anfänglich zwar versichert, die Stellen würden nach Frankfurt verlagert, wo das neue Asien-Zentrum entstehen sollte. Das aber, meint Menkhaus, sei „von Anfang an eine schriftliche Lüge gewesen“. Die Stellen in Frankfurt seien neu ausgeschrieben worden. Das hatte auch für Menkhaus Konsequenzen. „Die Zentrenbildung hat mich ins Ausland gezwungen“, sagt er. In Frankfurt habe er sich zwar beworben, sei aber nicht einmal zum Vortrag eingeladen worden. Es habe keinen anderen Lehrstuhl für japanisches Recht in Deutschland gegeben. Menkhaus bewarb sich rund um den Globus, in Kanada, Australien - und landete schließlich in Japan, an der Tokioter Meiji-Universität. Dort lehrt er bis heute.

          Vor der Schließung des Japan-Zentrums arbeiteten dort vier Professoren. Das waren vergleichsweise viele, denn die meisten anderen betroffenen geisteswissenschaftlichen Fächer, mitunter abschätzig als „Orchideenfächer“ bezeichnet, wurden nur von ein, zwei Lehrstühlen getragen. Zum Objekt der Zentrenbildung wurden sie wegen eines Problems, das im deutschen Hochschulsystem alle diese Fächer betrifft: Während die Studenten für Mikroökonomie oder Zivilrecht zu Hunderten in die Hörsäle drängen, kennt der Polnisch-Dozent in seinem Kurs nach der ersten Stunde jeden Teilnehmer mit Namen.

          Didaktisch ist das von Vorteil, in der Hochschulfinanzierung aber zählt Masse, denn jeder eingeschriebene Student bringt Geld. Kleine Institute sind im ökonomischen Sinne deshalb teurer als größere. Und 2005, als der damalige Wissenschaftsminister Udo Corts (CDU) seine Pläne für eine Reihe kleiner geisteswissenschaftlicher Fächer vorstellte und Tausende Studenten gegen Studiengebühren demonstrierten, stand die finanzielle Ausstattung der Hochschulen noch stärker als heute in der Diskussion.

          Kurze Wege, individuelle Förderung

          Beatrix Kreß arbeitete damals im Slavischen Seminar der Goethe-Universität gerade an ihrer Dissertation. Sie denkt gerne an ihre Zeit in Frankfurt zurück: Die Wege zu den Dozenten, erinnert sie sich, waren kurz; wer Interesse zeigte, wurde gefördert. Kreß glaubt nicht, dass bei der Auswahl der neuen Standorte fachwissenschaftliche Gründe ausschlaggebend waren. „Das Zentrum hätte genauso gut nach Frankfurt oder Marburg gehen können“, sagt Kreß. Für Marburg habe unter anderem die Nachbarschaft zum Herder-Institut und die „sehr gute Bibliothek“ gesprochen, Frankfurt habe den größten „Output“ an Wissenschaftlern gehabt. Wirklich nachteilig dagegen sei für Frankfurt gewesen, dass wegen eines Todesfalls und einer bevorstehenden Emeritierung die beiden Lehrstühle des Fachs vakant beziehungsweise in absehbarer Zeit frei geworden seien. So hätten sie einfach gestrichen werden können. „Keiner wollte offen sagen, dass es so einfach gepasst hat.“

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