27.06.2009 · In Berlin soll ein europäisches Energie-Forum (Euref) entstehen und mit ihm eine private Universität, das Euref-Institut. Doch die Vergangenheit seiner Macher wirft einen Schatten auf die allem Anschein nach zukunftsträchtige Idee.
Von Anna LollGroße Pläne werden derzeit in Berlin geschmiedet: Auf dem Gebiet des ehemaligen Gasometers im Stadtteil Schöneberg soll ein europäisches Energie-Forum (Euref) entstehen und mit ihm eine private Universität, das Euref-Institut. Hier sollen die klassischen Energiequellen Kohle, Öl, Gas und Kernkraft genauso wie die erneuerbaren Energien Wasserkraft, Biogas, Geothermie, Solar- und Windenergie erforscht werden. Das Institut will künftig nicht nur eine Hochschule sein, sondern auch ein Think Tank, eine Gedankenschmiede und Weiterbildungseinrichtung für Energiefachleute aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik.
„Das Projekt ist sehr wichtig“, sagt Jörg Mayer, der Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien. „Gäbe es nicht das Euref, müsste man auf jemand anderen hoffen, der so eine Idee hat.“ Die angestrebte interdisziplinäre Zusammenarbeit auch mit Ökonomen und Sicherheitsexperten sei dringend nötig. Kosten soll das Projekt mehr als 500 Millionen Euro. Es ist damit das zweitgrößte Berliner Bauvorhaben nach dem neuen Flughafen in Schönefeld. Von 2012 an sollen in Schöneberg 500 Studenten und 15 Professoren in Fächern wie „Energy Law and Security“ und „Energy Technology“ lernen, lehren und forschen. Schon in diesem Herbst beginnen die Kurse für das mittlere und gehobene Management.
„Die Ausarbeitung unseres Angebots geschieht in enger Zusammenarbeit mit den Berliner Universitäten“, betont der Soziologie-Professor Andreas Knie, man wolle den Hochschulen keine Konkurrenz machen. Knie lehrt an der TU Berlin, ist Mitglied der Forschungsgruppe Wissenschaftspolitik am Berliner Wissenschaftszentrum für Sozialforschung (WZB) und berät mit dem von ihm gegründeten Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel das Euref-Institut beim Aufbau seines wissenschaftlichen Programms. Das Euref wolle dort ansetzen, wo die Hochschulen aufhörten, kündigt Knie an.
Vorwürfe gegen die Macher
So weit, so gut. Doch die Vergangenheit seiner Macher wirft einen Schatten auf die allem Anschein nach zukunftsträchtige Idee. Die Vorwürfe gegen sie, zwei Unternehmer aus der Berliner Bauwirtschaft, sind bislang weder bestätigt noch widerlegt. Die „Berliner Morgenpost“ berichtete im vergangenen Herbst über ein Abkommen zugunsten von Reinhard Müller, in Personalunion Vorstand der Euref AG und Eigentümer des Gasometergeländes. Klaus Groth, bis dahin Müllers Partner, fühlte sich laut „Morgenpost“ von Müller übergangen. Er stieg aus und gründete die Global Energy Institute GmbH, um das Projekt fortan ohne Müller voranzutreiben. Doch der Plan scheiterte. Das Global Energy Institute wurde inzwischen wieder aufgelöst.
Heute wollen die Akteure über diese Episode nicht mehr reden. Die Geschäfte der Euref gGmbH führen nun Gerhard Hofmann und Lothar de Maizière, der ehemalige Ministerpräsident der DDR. Auf Nachfragen nach Einzelheiten aus der Vorgeschichte des Euref-Instituts reagieren sie unerwartet heftig. De Maizière beantwortete zwar zunächst schriftlich Fragen zu dem Vorhaben. Doch als später die Sprache auf die Vergangenheit kam, rief Hofmann die zuvor noch von ihm selbst übermittelten Antworten de Maizières zurück. Nun wollen sich weder Hofmann noch de Maizière in diesem Artikel zitieren lassen. Hofmann drohte für den Fall der Zuwiderhandlung eine Unterlassungsklage an.
Wo liegen die Gründe für diese restriktive Öffentlichkeitspolitik? Gibt es etwas zu verbergen? Dass weder Hofmann noch de Mazière zu einer Stellungnahme bereit sind, macht stutzig. Dass auch Klaus Groth sich nicht zu seinem ehemaligen Projekt äußert, verstärkt den merkwürdigen Eindruck. Um die Energien der Zukunft soll es am Euref-Institut bald gehen. Darüber ließe sich leichter jubeln, würde zunächst Licht in die Querelen der Vergangenheit gebracht.