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Gisela Eckhardt : Die verkannte Laser-Pionierin

Gisela Eckhardt: Selbstbewusst, aber bescheiden Bild: Wonge Bergmann

Als sie in Frankfurt Physik studierte, wurde sie schikaniert, weil sie eine Frau war. Gisela Eckhardt ging nach Amerika - und machte dort eine wegweisende Entdeckung.

          Wäre Gisela Eckhardt ein Mann, würden womöglich keine farbenfrohen Bilder an den Wänden ihres Wohnzimmers hängen, sondern Urkunden von Wissenschaftspreisen. In den Vitrinen hinter dem Esstisch könnten Medaillen liegen statt des gläsernen Geschirrs. Sie könnte Ehrendoktorin der Frankfurter Universität sein oder emeritierte Professorin einer angesehenen amerikanischen Hochschule. Ja, vielleicht, sagt Gisela Eckhardt, vielleicht wäre sie als Mann heute wirklich eine berühmte Forscherpersönlichkeit.

          Sascha Zoske

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dass kaum jemand die Leistungen der Frau kennt, die das Fachmagazin „Physics World“ in seiner Oktoberausgabe als „eine der frühen Pioniere der Laserphysik“ würdigte, könnte einiges mit ihrem Geschlecht zu tun haben. Es hat gewiss auch noch andere Gründe. Einer davon ist, dass Gisela Eckhardt zwar sehr selbstbewusst ist, dass ihr Ehrgeiz jedoch Grenzen kannte, wie sie selbst zugibt. Sie hat einiges für die Wissenschaft geopfert, aber sie weiß auch das Leben zu genießen.

          Eckhardt hat eine Villa in Frankfurt-Sachsenhausen und ein 24.000-Quadratmeter-Anwesen im kalifornischen Malibu, auf dem sie acht bis neun Monate im Jahr verbringt. Sie hat keine Kinder, dafür viele Freunde, von denen die meisten deutlich jünger sind als sie. Trotz ihrer 89 Jahre nimmt sie die Stufen der Haustreppe immer noch flott. Die einstige Spitzenfechterin war immer sehr sportlich, sie ist Ski gefahren, hat geritten und getanzt, und sie absolviert noch heute jeden Morgen 40 Minuten Gymnastik. Wenn sie erzählt, wie sie in Kalifornien die Coyoten von ihrem Grundstück verscheucht, steht sie vom Stuhl auf und führt die Drohgebärden vor. Als sie ihre Laser-Entdeckung erklärt, schnappt sie sich den Stift des Besuchers und zeichnet chemische Formeln in seinen Block.

          Gerade einmal hundert Dollar für ihr Laser-Patent

          Dass sie wohlhabend ist, hat sie nur zum Teil ihrer Tätigkeit in amerikanischen Industrielabors zu verdanken, auch wenn sie und ihr Mann Wilfried dort zuletzt gut bezahlt wurden. Für das Patent auf ihren neuartigen Laser bekam sie gerade einmal hundert Dollar - der Hughes-Konzern verdiente mit den daraus entwickelten Produkten 1,5 Milliarden Dollar, wie Eckhardt schätzt. Frustriert sie das? „Nein“, sagt sie, „das ist doch immer so.“

          Frustration zu ertragen und Widerstände zu überwinden, das hat sie schnell lernen müssen, nachdem sie sich entschlossen hatte, Physikerin zu werden. Es war das Buch „Umsturz im Weltbild der Physik“ von Ernst Zimmer, das in der Zwölfjährigen die Begeisterung für die Naturwissenschaft weckte. Gekauft hatte es ihr Vater, ein Elektrogroßhändler; er starb, als seine Tochter dreizehn war. Dass Gisela nach dem Abitur an der Frankfurter Wöhlerschule Physik studieren wollte, gefiel der Familie überhaupt nicht. In dieser Männerwelt, hieß es, könne sie sich schon physisch nicht durchsetzen: „Sie haben gesagt: ,Du bist zu klein’“, erinnert sich die zierliche Dame.

          Tatsächlich hatte sie es schwer an der Goethe-Universität. Die Kommilitonen hätten sie akzeptiert, sagt Eckhardt, doch manche Professoren hielten es auch nach dem Ende der NS-Zeit für eine Verschwendung von Steuergeld, Frauen akademisch auszubilden. Ihre Diplomarbeit konnte sie nur mit Verzögerung beginnen, und mit der Dissertation kam sie lange nicht voran, weil der Institutsdirektor auf einem unsinnigen Versuchsaufbau bestand. „Der Mann hat sich unglaublich verhalten, er war wirklich vernagelt.“ Insgesamt, schätzt Eckhardt, haben diese Behinderungen ihr Studium um viereinhalb Jahre verlängert.

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