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Genderforschung an der Uni : Der große Streit über den kleinen Unterschied

Rosa für Mädchen, blau für Jungen: Das ist wohl nicht genetisch vorgegeben. Bild: dpa

Genderforscherinnen sagen, die Gesellschaft lege fest, was männlich und was weiblich sei. Manche Biologen sagen, Genderforschung sei Unfug. Dieser Streit zieht tiefe Gräben - auch innerhalb mancher Universität. Eine Nahaufnahme aus Frankfurt.

          Frankfurt. Hans Peter Klein weiß, was Frauen nicht wollen. Glaubt er zumindest. Von der Gender-Diskussion hätten die Studentinnen und jüngeren Uni-Wissenschaftlerinnen die Nase voll, meint der Frankfurter Professor für Biologie-Didaktik. Er könne das beurteilen, fügt er hinzu, denn unter den angehenden Biologielehrern in der Goethe-Universität liege der Frauenanteil bei ungefähr 85 Prozent, Tendenz weiter steigend. „Auch meine zahlreichen weiblichen Mitarbeiter verdrehen beim Thema ,Gender‘ eher nur die Augen.“

          Sascha Zoske

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Umso mehr stört es Klein, dass die Geschlechterforschung nach seinem Eindruck an den Hochschulen immer mehr Raum erobert. Nicht nur indem Lehrstühle und Studiengänge dieser Fachrichtung gewidmet würden, sondern auch dadurch, dass die Ideen der Gender Studies auf andere Disziplinen außerhalb der Sozialwissenschaften übergriffen. Oder besser gesagt: ihnen aufgezwungen würden.

          Klein beteuert, dass er nicht gegen Gleichberechtigung sei oder gegen sexuelle Vielfalt, „die ja auch in der Öffentlichkeit weitgehend akzeptiert ist“. Er fürchtet aber, dass die Geschlechterforschung allen Lehrenden und Lernenden ein Weltbild oktroyieren wolle, das mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen nicht in Einklang zu bringen sei. Mit groben Strichen gemalt, sieht dieses Bild so aus: Unterschiede zwischen Männern und Frauen seien nicht naturgegeben, sondern anerzogen. So wie überhaupt die sexuelle Identität eines Menschen nicht (oder zumindest nicht alleine) von seinen Genen bestimmt werde, sondern von sozialen Faktoren. Mit dem Wort „Gender“ ist denn auch das soziale Geschlecht gemeint, nicht das biologische.

          Für Klein ist die Überzeugung, dass es keinen kausalen Zusammenhang zwischen biologischem und sozialem Geschlecht gebe und dass sexuelle Präferenzen beliebig formbar seien, „eine Annahme und keineswegs eine wissenschaftlich belegte Tatsache“. Damit drückt er sich noch diplomatisch aus, verglichen mit seinem Kollegen Ulrich Kutschera. Seit Wochen wird der Kasseler Evolutionsbiologe nicht müde, die „Gender-Religion“ in Interviews als Erfindung einer radikalen feministischen „Sekte“ zu geißeln, die nicht mehr Anspruch auf Wahrheit erheben dürfe als die Lehre des Kreationismus. Für Kutschera ist es „der größte bildungspolitische Skandal der Nachkriegszeit“, dass solche „pseudowissenschaftlichen“ Theorien Eingang in Lehrpläne fänden.

          Die „Hardcore-Abteilung“ des „Genderismus“ sitzt angeblich in Berlin

          Geschieht das auch an der Frankfurter Universität? Zwingt dort eine feministische Zentralgewalt die Naturwissenschaftler, Geschlechtsunterschiede als bloße Konstrukte der herrschenden Klassen zu entlarven? Klein sagt, die Goethe-Uni habe sich bei der „Genderisierung“ der Curricula für alle Fachbereiche bisher „erfreulicherweise“ zurückgehalten, „und ich gehe davon aus, dass dies auch so bleibt“. An anderen Hochschulen, etwa in der Berliner Humboldt-Uni, sieht er dagegen die „Hardcore-Abteilung“ des „Genderismus“ am Werk.

          Enrico Schleiff dürfte keine Sympathie für Ideologinnen haben, die in der Beschreibung von Geschlechterdifferenzen nur den Versuch sehen, männliche Macht zu erhalten - schließlich ist der Vizepräsident der Goethe-Universität selbst Biologe. Schleiff lehnt es aber auch nicht ab, dass sich angehende Naturwissenschaftler mit Gender-Theorien beschäftigen. Wie er schreibt, soll den Lehramtsstudenten „die Möglichkeit eingeräumt werden, ihren Horizont und ihre Kompetenzen in verschiedenen Gebieten zu erweitern, unter anderem auch in dem Bereich Gender Studies“. Als Einführung von deren Inhalten in die fachliche Ausbildung will er das nicht bezeichnet wissen, eher als „Ausweitung der Kompetenzen, die für das zukünftige Berufsfeld notwendig sind“ - auf „freiwilliger Basis“, wohlgemerkt.

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