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Gender-Deutsch an Unis : Professx trifft Student*innen

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Studenten (m/w), weibliche Bildungsbürger - es wird immer komplizierter. Ein Blick in mehrere Vorlesungsverzeichnisse und auf die Homepages von Hochschulen zeigt aber, dass die meisten, die dort schreiben, einen pragmatischen Weg wählen. Hier ist zum Beispiel auch von Studentinnen die Rede, nicht mehr durchweg von Studenten, wie es vor 20 Jahren noch gang und gäbe war. Die Freie Universität Berlin benutzt auf ihrer Homepage zumeist die männliche Pluralform für beide Geschlechter, benennt also „die Wissenschaftler“ oder „die Gewinner“ eines Video-Wettbewerbs.

Schlafende, Essende, Blumengießende

Auf der Seite der Uni Leipzig ist hingegen häufig von „den Studierenden“ und „den Lehrenden“ die Rede. Dabei drückt diese Form, also das substantivierte Partizip, eigentlich aus, dass jemand gerade jetzt eine bestimmte Tätigkeit ausübt. Dabei haben Studierende und Lehrende auch Freizeit, in der sie zum Beispiel Schlafende, Essende oder Blumengießende sind. Aber solche sprachlichen Feinheiten gehen oft unter in der emotional aufgeladenen Debatte über richtige und falsche, angemessene und diskriminierende Sprache.

Der Gender-Gap und das Sternchen im Wort sind auf den Internet-Seiten vergleichsweise selten zu finden. Auch „Professx“ (gesprochen: Professix) oder „Studentx“ haben sich bislang nicht durchgesetzt. Die x-Endung meint ebenfalls alle Geschlechter. In die Diskussion eingebracht hatte sie vor zwei Jahren Lann Hornscheidt, Professor für Gender Studies und Sprachanalyse an der Humboldt-Universität Berlin. Hornscheidt, Jahrgang 1965, wurde für den Vorschlag ausgiebig angefeindet - vor allem von Menschen, die Gender-Deutsch für eine Kopfgeburt halten.

Anfeindungen gibt es jedoch auch von der anderen Seite. Der Evolutionsbiologe Ulrich Kutschera aus Kassel kennt sie, und sie stimmen ihn offenbar noch zorniger. Es gebe nur zwei Geschlechter, lässt der Professor wissen. Allerdings: „Selbsternannte Gut-Frauen, die mit ihrer Femininität psychologische Probleme haben, bemühen sich, der Menschheit ihre Gendersprech-Heilslehre zu verabreichen - und das führt zu heftigen Konflikten.“ Kutschera sieht Biologen in der Pflicht, „die Gender-Ideologie mit Sachargumenten in die Schranken zu weisen“. Sein „polemisch-direkter Stil“, sagt er, habe mit Aggression wenig zu tun. „Es handelt sich um eine Verteidigungsstrategie von Seiten der kausalanalytisch ausgerichteten Naturforschung gegen esoterische Einmischung.“

Die „sozialkundliche Gegenseite“, erklärt der Professor, reagiere hingegen aggressiv, „da es um staatliche Gelder geht“. Bislang habe noch keine „Geschlechter-Ideologin“ ein Sachargument aus seinem gerade erschienenen Buch (Das Gender-Paradoxon) „aufgegriffen, diskutiert und widerlegt“.

„Alle Menschen sollten respektiert werden“

Womöglich hat die Gegenseite inklusive ihrer männlichen Mitstreiter Wichtigeres zu tun. Der 24 Jahre alte Gregor Heisterkamp jedenfalls hat die Würde des Menschen im Blick. Der Student der Politikwissenschaft ist Vorsitzender des sogenannten Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta) der Goethe-Universität in Frankfurt. „Alle Menschen sollten respektiert werden“, sagt Heisterkamp. „Daher sollte man sie so ansprechen, wie sie es wollen.“ Und weil viele Frauen sich diskriminiert fühlten, wenn sie im Plural als Studenten angesprochen werden, findet er „Studierende“ oder „StudentInnen“ besser - vor allem in der Schriftsprache.

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