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Gasthörer Unbekannte Uni-Gäste

Studieren ohne Abschluss, was bringt das?

© F.A.Z. Vergrößern

Sie lieben Sprach- und Kulturwissenschaft, aber auch die Wirtschaftswissenschaften: Gasthörer an deutschen Universitäten. Diese Art des Studiums - meist ohne strikte Zugangsvoraussetzung und formellen Abschluss - boomt wie selten: Fast 14 Prozent mehr Gasthörer als im Vorjahr gab es im vergangenen Wintersemester; insgesamt waren es 41 900, wie die Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen. Das Allzeithoch aus dem Jahr 2003 wurde zwar nicht wieder erreicht, doch der Trend weist nach oben.

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Die größte Gruppe der Gasthörer bilden Seniorenstudenten. Rund 43 Prozent sind 60 Jahre alt oder älter. Dass ihr Anteil steigt, erscheint Fachleuten wegen des demographischen Wandels plausibel. „Die Menschen werden immer älter, sind aber geistig und körperlich sehr fit“, sagt Karl-Heinz Minks, der sich für das Unternehmen Hochschul-Informations-System (HIS) mit dem Bereich „Lebenslanges Lernen“ befasst. Viele Ältere studierten das Fach, erläutert er, das sie in jungen Jahren aus ökonomischen Erwägungen heraus nicht gewählt hätten.

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Spekulationen statt Statistiken

Das bestätigt auch eine Studie der Bundesarbeitsgemeinschaft wissenschaftliche Weiterbildung für Ältere (BAG WiWA) aus dem Jahr 2009. Soziale Aspekte wie die Zusammenarbeit mit Jüngeren und der Kontakt zu gleichgesinnten Kommilitonen spielen demnach ebenfalls eine Rolle. In den meisten Fällen kostet das Seniorenstudium Gebühren. Die Spanne reicht der Studie zufolge von 20 bis 250 Euro.

Welche Motive aber die jüngeren Gasthörer bewegen, darüber gibt es nur Mutmaßungen. Man beschäftige sich nicht mit dieser Gruppe, ist etwa die Antwort auf eine Anfrage beim Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). Auch bei der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) gelten die jüngeren Gasthörer als unbekannte Größe. „Es fehlen die statistischen Daten, um Aussagen darüber zu machen“, erklärt Elmar Schultz, der bei der Hochschulrektorenkonferenz zuständig für Statistik, Weiterbildung und Wissenstransfer ist.

Schultz wagt immerhin Hypothesen: Häufig habe er von Wehr- und Zivildienstleistenden gehört, die nebenher ins Studium hineinschnuppern, sagt er. „Auch junge Leute, die schon wissen, dass sie ein bestimmtes Fach studieren wollen, aber den zugehörigen Studienplatz noch nicht haben, sind sicher dabei.“

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 17.07.2010, 15:06 Uhr