06.02.2008 · Ein Hochschulranking nach Gleichstellungsaspekten sollte ein Reizthema sein. Es zeigt etwa, wo Frauen besonders gute Chancen auf eine Promotion haben. 105 Seiten Daten, Karten, Tabellen, die einer seltsamen Logik folgen.
Von Sebastian BalzterHochschulrankings sind ein Reizthema. Gleichstellungsfragen auch. Ein Hochschulranking nach Gleichstellungsaspekten, das müsste eigentlich das größte anzunehmende Reizthema in der Bildungsszene überhaupt sein. Das Bonner „Center of Excellence Women and Science“ hat kürzlich sein drittes Hochschulranking nach Gleichstellungsaspekten vorgelegt (lesen Sie dazu das Interview „Ein Prozess der kleinen Entmutigungen“). Aber eine wahrnehmbare Reaktion in der Öffentlichkeit gab es darauf nicht.
Spitzenreiter aus Berlin
Vielleicht ist die 105 Seiten starke Daten-, Karten- und Tabellensammlung, deren Druckfassung an alle Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten der deutschen Hochschulen sowie an die Hochschulleitungen in Deutschland verschickt wurde, für eine solche Reaktion einfach zu umfangreich und zu komplex. Als Indikatoren für die Gleichstellungsbemühungen der Hochschulen misst sie anhand von Daten aus dem Statistischen Bundesamt, wie groß der Anteil der Frauen an den Promotionen, Habilitationen und Professuren ist – jeweils im Verhältnis zum Anteil der Studentinnen insgesamt beziehungsweise an der einschlägigen Fächergruppe. Auf der Basis dieser Zahlen vergibt das CEWS dann je Kategorie Punkte von 0 bis 14 und erstellt seine Ranglisten, unterteilt in eine Spitzen-, Mittel- und Schlussgruppe.
Das Ergebnis: In der Kategorie der Universitäten und Gesamthochschulen bleibt die Spitzengruppen leer. Erst in Ranggruppe 3 taucht der CEWS-Gleichstellungsspitzenreiter auf, die Freie Universität Berlin, gefolgt von den Universitäten in Göttingen, Osnabrück und Trier und der Technischen Universität München. Schlusslicht: die Katholische Universität Eichstätt, mit nur 4 von 14 Punkten in der Gesamtwertung. Bei den Fachhochschulen schneiden Dresden und Oldenburg/Wilhelmshaven, die Evangelischen Fachhochschulen in Darmstadt, Freiburg, Hannover und Nürnberg sowie die FH für Kunst und Gestaltung in Kiel besonders gut ab; hier liegen Bochum, Kempten und die private Wirtschafts-FH in Hannover ganz hinten. Die volle CEWS-Punktzahl allerdings erreichen nur zwei Künstlerische Hochschule – die Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe und die Hochschule für Schauspielkunst in Berlin.
Gute Chancen in Oestrich-Winkel
Einige Details aus der Studie: Besonders gute Chancen auf eine Promotion haben Frauen in Oestrich-Winkel, an der Kölner Sporthochschule, an der WHU in Vallendar, an der Uni Ulm und an der TU München – an allen anderen Hochschulen ist der Frauenanteil an den Promotionen geringer als der Frauenanteil an den Studenten. Die Habilitation wiederum fällt Frauen an der Uni Karlsruhe besonders leicht, überall sonst kommen sie seltener als ihre männlichen Kommilitonen so weit nach oben auf der akademischen Karriereleiter. Auf eine Professur berufen werden sie allerdings auch in der einstigen badischen Residenzstadt nur selten. Gerade einmal 7,6 Prozent der Professuren sind dort mit Frauen besetzt, das ist ein mauer Mittelfeldplatz im CEWS-Ranking.
Die höchste Professorinnen-Quote in Deutschland hingegen hat die PH Ludwigsburg mit 33,3 Prozent. Da dort aber auch der Frauenanteil an den Studenten außergewöhnlich hoch ist (78,6 Prozent), landet - so will es die CEWS-Logik - bei diesem Teilranking der Unis, Gesamthochschulen, PHs und THs nicht die Hochschule in der Pfalz auf Platz eins, sondern die private Handelshochschule in Leipzig – dort sind 22,3 Prozent der Studenten und 20 Prozent der Professoren weiblich. Offensiv Werbung mit dem Frauenanteil an ihrem wissenschaftlichen Personal aber macht jetzt eine andere Schule, die im CEWS-Ranking nicht enthalten ist - die Berufsakademie Bad Mergentheim. Dort sind 45 Prozent der hauptamtlichen Professoren weiblich.
Apropos Logik: „Das CEWS-Hochschulranking nach Gleichstellungsaspekten“, so heißt es im Vorwort der Studie, „folgt der Logik, dass Gleichstellung als eigenständige Qualität von Hochschulen angesehen wird. Da es in diesem Punkt immer wieder Missverständnisse gibt, soll an dieser Stelle nochmals betont werden, dass mit dem CEWS–Ranking keine Aussagen zum wissenschaftlichen Output oder zur Qualität der Lehre, sondern zu den Erfolgen in der Gleichstellung bezweckt sind.“
Exzellenz und Chancengleichheit
Dass die Gleichstellungs-Forscher aus Bonn am akademischen „Output“ so offensichtlich nicht interessiert sind, dürfte der entscheidende Grund dafür sein, dass ihr Ranking in Zeiten der auf allen Ebenen laufenden Exzellenzinitiativen kaum noch jemanden hinter dem Ofen hervorzulocken scheint. Während sich staatlich verbriefte Exzellenz öffentlichkeitswirksam vermarkten lässt, findet die Bemühung um Gleichstellung meist hinter verschlossenen Türen statt, in Form von unspektakulären Zielvereinbarungen.
Ein stichhaltiger Zusammenhang zwischen beiden Kategorien wiederum lässt sich mit den CEWS-Zahlen auch nicht konstruieren. Zwar sind die ersten drei Plätze im Ranking mit den „Elite-Universitäten“ aus Berlin, Göttingen und München belegt, aber auch am anderen Ende der Gleichstellungs-Skala finden sich Hochschulen mit prämiertem Zukunftskonzept: Freiburg, München (LMU), Aachen, Heidelberg und Karlsruhe im tristen Mittelfeld, Konstanz sogar ziemlich weit unten.