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Toulouse School of Economics : Büffeln beim Nobelpreisträger

In Toulouse kommt nur ein kleiner Teil der Studenten bis zum Ende durch. Bild: TSE

Der Ökonom Jean Tirole hat die Toulouse School of Economics zu einem Erfolgsmodell gemacht. Das Institut kann locker mit Spitzenunis aus Amerika mithalten - für wesentlich weniger Gebühren.

          Im Zentrum von Toulouse, dort, wo die Garonne mit dem Canal de Brienne zusammenfließt, schlug einst das Herz der südwestfranzösischen Tabakproduktion. Tausende Arbeiterinnen walzten, rollten, schnitten und stopften dort die Blätter der Nikotinpflanze zu Rauchwaren aller Art. Heute rauchen am gleichen Ort allenfalls noch die Köpfe von Studenten und Professoren. Denn die roten Backsteingebäude der einstigen „Manufacture du Tabac“ sind nicht nur ein Wahrzeichen des industriellen Niedergangs der Region, die später von der Luftfahrtbranche gerettet wurde, sie sind auch ein Zeichen für die geistige Wiedergeburt der südwestfranzösischen Metropole.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          In den weitläufigen Hallen der früheren Tabakfabrik residiert heute der Papst der Lehre von der Industrieökonomik, der gerade gekürte Nobelpreisträger Jean Tirole. Hier hat er seine wichtigsten Thesen entwickelt, und hier hat er auch eine Bildungsinstitution aufgebaut, die nicht nur in Frankreich, sondern in ganz Europa außergewöhnlich ist.

          Die Toulouse School of Economics (TSE) ist als volkswirtschaftliche Denkfabrik und als Ausbildungseinrichtung weit über die Grenzen Frankreichs bekannt. Im Renommee von Forschung und Lehre kann sie es selbst mit amerikanischen Spitzenuniversitäten aufnehmen. Beim Erhalt der begehrten Forschungsstipendien des European Research Council etwa liegt die TSE auf Rang zwei hinter dem University College London und vor der London School of Economics. In ihrem Wissenschaftsbeirat sitzen nicht weniger als vier Nobelpreisträger.

          Aus starrem Korsett befreit

          Die Paris School of Economics - die Hochschule des französischen Bestsellerautors Thomas Piketty („Das Kapital im 21. Jahrhundert“) - liegt in den Vergleichen gelegentlich auf ähnlichem Niveau. Die Pariser Einrichtung ist zwar eigentlich nur ein Verbund mehrerer Hochschulen ohne gemeinsamen Campus, doch auch ihre Erfolge zeigen, dass die volkswirtschaftlichen Hochschulforscher Frankreichs nicht stillstehen - ganz anders als die Wirtschaftspolitik des Landes.

          Die VWL-Hochschule von Toulouse ist ein Unikum in der Forschungslandschaft. Zum einen kann man dort für Studiengebühren von weniger als 200 Euro im Jahr (300 Euro für den Master) eine Topausbildung erhalten, während man an einer amerikanischen Spitzen-Uni mit jährlich mehreren zehntausend Dollar rechnen muss.

          Zum anderen hat sich die Schule weitgehend aus dem starren Korsett des französischen Universitätssystems befreit. Dieses ist trotz der Reformbemühungen der vergangenen Jahre weiter hochreguliert und zentralisiert. Dem Gleichheitsgedanken verpflichtet, verbieten die Gesetze etwa den Universitäten, die besten Bewerber für sich herauszupicken. Auch haben die Universitätsrektoren nur eingeschränkte Freiheit bei der Anstellung von Professoren.

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