06.09.2008 · Der Universität Frankfurt fehlen ohne die Einnahmen aus Studiengebühren elf Millionen Euro. Was wird nun aus Bibliotheken, Infrastruktur, Studienservices? Die Qualität steigt, heißt es. Die Zahl der Bewerber sowieso.
Rund 11 Millionen Euro Studiengebühren je Semester gaben Hessens größter Hochschule, der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt, großen Spielraum. Studien- und Lehrbedingungen, Lehrveranstaltungen, Bibliotheken, Infrastruktur, Studienservices: All das sollte besser werden, hieß es vor einem Jahr. Durch die Einstellung zusätzlicher Professoren, studentischer Hilfskräfte und wissenschaftlicher Mitarbeiter sollte das Seminarangebot ausgeweitet werden, auch in das E-Learning-Angebot und die Studienberatung sollte Geld fließen; Veranstaltungsräume wurden nicht nur renoviert, sondern auch neu mit Multimediageräten ausgestattet. Was wird aus diesen Plänen jetzt, wo das Studium in Hessen wieder gebührenfrei ist? Ein Gespräch mit Ulrike Jaspers, der Referentin für Wissenschaftskommunikation der Goethe-Universität.
Frau Jaspers, wie beeinflusst die Abschaffung der Studiengebühren die Umsetzung der geplanten Ausgaben für die Lehre an der Goethe-Universität? Bricht jetzt alles zusammen?
Nein. Die Universität hält an ihrem Kurs fest, die Studienbedingungen in allen Fächern weiter zu verbessern. Das Land Hessen stellt der Universität sogenannte „Kompensationsmittel“ zur Verfügung; mit diesen Geldern sollen die Ausfälle, die durch die Abschaffung der Studienbeiträge entstanden sind, ausgeglichen werden - so hat es der Hessische Landtag im Sommer entschieden.
Ersetzen diese Mittel die 11 Millionen Euro, die Sie im Semester aus Studiengebühren einnehmen wollten?
Da die Mittelzuweisung erst zu Beginn des Wintersemesters erfolgt, können wir das noch nicht genau sagen, gehen aber davon aus, dass die Zuweisungen in dieser Größenordnung liegen.
Wie wird über die Verwendung dieser Kompensationsmittel entschieden?
Dafür ist die Vergabekommission zuständig, so ist es in dem Gesetz geregelt. Ihr gehören Studierende und Dekane der Fachbereiche an. Die Fachbereiche legen in den nächsten Wochen ihre Konzepte vor, aus denen die Vergabekommission dann ihren Vorschlag entwickelt und auf der Basis dieses Vorschlags entscheidet dann das Präsidium der Universität. Die Verteilung der Mittel orientiert sich natürlich an der Zahl der Studierenden in den einzelnen Studiengängen.
Wie haben sich seit der Abschaffung der Studiengebühren die Bewerberzahlen an der Frankfurter Universität verändert?
In den zulassungsbeschränkten Fächern haben sich 10 bis 15 Prozent mehr als im Vorjahr um einen Studienplatz an der Goethe-Universität beworben. Für die Studiengänge, die nicht zulassungsbeschränkt sind, liegen uns noch keine abschließenden Zahlen vor, aber auch hier gehen wir von einer ähnlichen Steigerungsrate aus; genaueres wissen wir dann in der nächsten Woche. Vermutlich hängt die höhere Zahl der Studieninteressierten auch mit der Abschaffung der Studienbeiträge in Hessen zusammen. Die Zahl der Bewerber sagt allerdings noch nichts über die Zahl der Studienanfänger aus, da viele Abiturienten natürlich ihre Chance an verschiedenen Universitäten nutzen.
Ansturm auf Hessen
Ohne Studiengebühren in Hessen steigt die Zahl der Studienbewerber an fast allen Hochschulen des Landes: Die Frankfurter Goethe-Universität zum Beispiel, an der sich vor dem Wintersemester 2007/2008 rund 15.000 Bewerber um die zugangsbeschränkten Studiengänge bemühten, meldet nun 22.000 Studierwillige, für die es nur 3500 freie Plätze gibt. In Marburg ist die Bewerberzahl sogar um ein Drittel gestiegen, und die Fachhochschule Fulda registriert statt 5000 jetzt 7000 Kandidaten.
Allerdings halten sich die Hochschulleitungen bedeckt, wenn es um die Gründe dafür geht, die 500 Euro im Semester wollen sie nicht alleine gelten lassen: Auch neue Online-Bewerbungsportale, verbesserte Studienbedingungen und ein allgemeiner Trend zu Mehrfachbewerbungen müssten berücksichtigt werden. (lzt./dpa)