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Fachkräfte Deutschland lockt mehr Akademiker an

 ·  Zuwanderer in Deutschland waren lange Zeit unterdurchschnittlich qualifiziert. Zuletzt hat sich einiges verändert: Fast jeder Zweite ist mittlerweile Akademiker.

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Immer mehr Akademiker wandern nach Deutschland ein.
Rund 44 Prozent aller Einwanderer kamen 2010 mit einem akademischen Abschluss, wie eine am Montag veröffentlichte Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt. Im Jahr 2005 hatten lediglich 30 Prozent der Einwanderer einen
Hochschulabschluss. Nach den Berechnungen des IAB, die auf
Hochrechnungen des Mikrozensus beruhen, sind im Jahr 2005 rund
45.000 Akademiker eingewandert, im Jahr 2009 waren es schon 60.000. Berechnungsgrundlage waren die Einwanderer, die bereits 1 Jahr und länger in Deutschland leben, so das IAB. Auch wurden nur Personen in der Altersgruppe von 25 bis 64 Jahre gezählt.

Im Vergleich zu Migranten, die in Deutschland geboren wurden oder
länger hier leben, sind die Neuzuwanderer laut Studie im
Durchschnitt besser qualifiziert. Vor allem männliche Einwanderer
sind nahezu in gleichem Maße wie Einheimische erwerbstätig.
Zugewanderte Frauen sind hingegen weniger häufig erwerbstätig.

Nicht-Europäer finden seltener Arbeit


Einwanderer aus Nicht-EU-Ländern finden jedoch deutlich weniger oft Arbeit. Dies deutet zum einen auf unterschiedliche formale
Zugangshürden auf dem Arbeitsmarkt hin. Zum anderen dürften sie
häufiger aus familiären oder humanitären Gründen nach Deutschland kommen und nicht, weil sie bereits ein konkretes Arbeitsangebot haben, so die Erklärung der Wissenschaftler. In Deutschland wird schon seit langem darüber debattiert, ob die Zuwanderung von außerhalb Europas stärker nach Qualifikationen gesteuert werden sollte. Zuletzt hat das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung in einer Studie dafür plädiert, dass Deutschland sich an der kanadischen Zuwanderungspolitik orientiert. Deutschland altert und schrumpft in den kommenden Jahrzehnten stärker als fast alle anderen Industrieländer. Aktuell schwellen die Zuwanderungsströme aus den südeuropäischen Eurokrisenstaaten an. Dabei handelt es sich überwiegend um gut ausgebildete jüngere Personen. Experten rechnen jedoch damit, dass viele von ihnen in ihre Heimatländer zurückkehren, sobald dort eine wirtschaftliche Erholung einsetzt. Für Bürger aus fast allen Mitgliedsländern der Europäischen Union gelten keine Zugangsbeschränkungen mehr.

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26.11.2012, 13:51 Uhr

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