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Erstsemester Last-Minute-Studienplätze aus dem Internet

28.09.2009 ·  Online-Portale zeigen, wo es zum nächsten Semester noch freie Studienplätze gibt. Die Bewerbung kann einem das Internet aber nicht abnehmen.

Von Melanie Amann
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Auf keinen Fall soll es laufen wie im vergangenen Jahr. Das Wintersemester 2008/2009 war ein Image-Desaster für die Hochschulen. Säckeweise Bewerbungen hatten die Abiturienten ihnen geschickt. Keiner wollte leer ausgehen, deshalb bewarben sich viele zur Sicherheit an mehreren Unis auf Studienplätze. Das bedeutete Chaos in den Zulassungsämtern, mehrere Zusagen für gute Kandidaten und lange Wartezeiten für andere.

Denn die Erfolgreichen ließen sich Zeit mit ihrer Wahl, so dass Nachrücker erst nach Monaten eine Zusage erhielten. Als dann die 386.500 Erstsemester ihr Studium begannen, blieb mancher Platz im Hörsaal leer. 807 freie Studienplätze verzeichnete die Goethe-Universität Frankfurt, an der TU Dresden waren es gut 500, an der FU Berlin und der Universität Duisburg-Essen blieben fünf Prozent der Studienplätze frei.

Öffentlich-rechtlich und privat

Dieses Jahr soll es kein Lottospiel werden, beschlossen die Kultusminister. Das Internet soll es richten. Schon Mitte Juli ist die private Internetbörse www.studieren.de an den Start gegangen, wo Bewerber mehr als 10.000 freie Studienplätze finden. Am 1. September wurde dann das öffentlich-rechtliche Pendant freigeschaltet: www.freie-studienplaetze.de, ein Portal der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). Nach deren Angaben findet man hier 90 Prozent aller Plätze für Studienanfänger aus 440 zulassungsbeschränkten Studiengängen. Nur die Fächer Biologie, Medizin, Pharmazie, Psychologie, Tier- und Zahnmedizin werden weiter von der ZVS, der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen, verwaltet. Am ersten Tag brach das Portal unter dem Ansturm der Nutzer erst einmal zusammen. In den folgenden Wochen griffen 140.000 Interessenten auf die Seite zu; sie können das Angebot nach Studienort, Studienfach, Abschluss oder Hochschule filtern. Die Suchmaske ist leicht verständlich, versteht allerdings ihrerseits nicht alle Eingaben so leicht. So ergibt die Suche nach dem Fach „Jura“ keine Treffer, „Rechtswissenschaft“ dagegen erzielte zwei Angebote aus Gießen und Osnabrück.

Die Suche nach „Wirtschaft“ liefert gleich 53 bunt gemischte Treffer: Klassiker wie ein Wirtschaftsstudium in Würzburg stehen neben „Computational Informatics“ an der TU Hamburg-Harburg oder „Bio- and Environmental Engineering“ an der FH Braunschweig-Wolfenbüttel. Sogar Germanistik in Chemnitz und Sozialkunde in Trier wird hoffnungsvollen Wirtschaftsstudenten unter diesem Stichwort angeboten.

Traumziele wie München oder Berlin finden die Kandidaten hier selten. Aber wer offen ist, der entdeckt vielleicht unbekannte Nischen, in die man auch gut passt.

Langfristig soll die Studienplatzvergabe ganz ins Internet wandern

„Über die Online-Portale kann man einen freien Platz aber nur finden“, sagt Matthias Bode, bei der HRK zuständig für Hochschulrecht. Ergattern müsse man ihn weiter über die Hochschulen. Die veranstalten entweder das übliche Auswahlverfahren oder werfen die Bewerber in die Lostrommel. „Unter Umständen müssen die Kandidaten also wieder warten“, sagt Bode. „Das Problem der Doppelbewerbungen kann diese Internetseite noch nicht endgültig lösen.“

Das wird sich erst 2011 ändern, wenn die HRK ihre „dialogorientierte“ Plattform freischaltet, die das Fraunhofer-Institut ausgetüftelt hat. Die ganze Studienplatzvergabe soll dann im Internet stattfinden. Die Kandidaten sollen direkt mit Universitäten kommunizieren und beobachten können, auf welcher Stufe ihre Bewerbung hängt. Und sie werden früh aufgefordert, einen Platz anzunehmen oder mehrere Angebote in eine Rangliste zu ordnen. Das erleichtert den Ämtern die Arbeit und verkürzt die Wartezeit schwächerer Kandidaten.

Auch die ZVS hat interessante Angebote

Wer in diesem Jahr auch bei den neuen Portalen keinen freien Platz findet, sollte einen Blick auf den Internet-Auftritt der ZVS wenden. Die ist zwar nur Pflichtadresse für wenige Fächer. Aber darüber hinaus können Hochschulen die Behörde freiwillig einschalten und über sie ihre Auswahl abwickeln. Dieses „Service-Verfahren“ müssen sie bezahlen, deshalb wird es nicht oft genutzt. Aber im ZVS-Angebot finden sich populäre Fächer wie Wirtschaftsingenieurwesen, Architektur oder Jura. Auch Fachhochschulen nutzen die ZVS als Mittelsmann, etwa für Wirtschaftsrecht, Journalismus oder Ökotrophologie.

Außerdem finden Bewerber auf www.hochschulkompass.de eine Übersicht aller Hochschulen und Fächer. Hier findet man auch kleinere Hochschulen, die freie Plätze vielleicht nicht im neuen Portal veröffentlicht haben. „Kunst- und Musikhochschulen haben ihre Angebote nicht eingestellt. Sie können aufgrund eigener Zulassungsverfahren darauf verzichten“, sagt Bode.

Notfalls sollten sich Kandidaten ohne Studienplatz ein Fach wählen, das sie wenigstens auf ihr Traumziel vorbereitet. Wer an der Hürde zum Medizinstudium scheitert, sollte sich für Chemie oder Physik bewerben. Mit den einschlägigen Scheinen oder Praktika wird man auch für die Wunsch-Uni wieder attraktiver und steigert vielleicht seine Chance in der nächsten Runde.

Gewusst wie: So bekomme ich den Studienplatz

1. Eine Übersicht aller Fächer und Hochschulen gibt es auf www.hochschulkompass.de. Hier erfährt man, welche Fächer man wo mit welchem Abschluss studieren kann und welche Zugangshürden es gibt. Für zulassungsfreie Fächer reicht das Abitur, um sich zu immatrikulieren. Gibt es mehr Bewerber als Plätze, wählt die Hochschule die Kandidaten aus. Wenn ein Fach bundesweit zulassungsbeschränkt ist, läuft die Bewerbung über die ZVS (www.zvs.de).

2. Wer nur Absagen erhält, sollte suchen auf www.freie-studienplaetze.de. Bewerben muss man sich allerdings wieder bei der jeweiligen Hochschule. Das Portal www.studieren.de bietet das gleiche und leitet Anfragen auch gleich weiter an die Unis.

3. Wer einen Platz hat, aber mit dem Ort nicht zufrieden ist, findet im Internet zahlreiche Tauschbörsen, von www.studienplatztausch.de (organisiert von den Studentenvertretungen der Universitäten) und www.studenten-wg.de bis www.zvs-opfer.de.

4. Eine letzte (aber teure) Hoffnung bieten die Gerichte: mit einer „Kapazitätsklage“ gegen die Hochschule. Dabei müssen die Kläger behaupten, die Universität fülle nicht alle Plätze auf. Die muss dann beweisen, dass sie keinen Platz mehr hat.

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Jahrgang 1978, Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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