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Nach dem Studium : Mit Musik Geld verdienen

Gleichzeitig nehmen die Zahlen der Studenten zu. Nach den aktuellsten Zahlen die das Deutsche Musikinformationszentrum erhebt, studierten im Wintersemester 2012/2013 knapp 32.000 junge Musiker in Deutschland, Tendenz steigend. Die Abbruchrate ist gering. Wer sich für das Studium entscheidet, hat meistens schon viel Zeit und Geld in die musikalische Ausbildung investiert. Insgesamt gab es im Jahr 2012 rund 75.000 erwerbstätige Musiker, davon arbeitete mehr als die Hälfte freiberuflich, Ende des vergangenen Jahres waren bei der Künstlersozialkasse (KSK) knapp 50.000 als selbständig gemeldet, vor zehn Jahren waren es noch rund 20 000 weniger. Das Problem: Wer über die KSK versichert ist, darf nur eine künstlerische Tätigkeit ausüben, also als Musiker höchstens Unterricht geben, aber nicht etwa zudem noch Taxi fahren.

Glamour wirft nicht immer Geld ab

Mutzke ist eine Ausnahme. Er muss weder Taxi fahren, noch Unterricht geben, aber auch seine neue Welt der Popmusik stellen sich viele Menschen glamouröser vor, als sie ist. Nachwuchsmusiker, die über Youtube-Videos zuerst an Plattenverträge und dann zu Weltruhm kommen, sind immer noch die Ausnahme. In der Popmusik gibt es zwar höhere Gagen als in anderen Genres, aber auch mehr Menschen, die davon bezahlt werden müssen. Zehn Leute auf der Bühne, zwei Techniker, ein Bus für die Tour - was glamourös klingt, muss nicht zwingend viel Geld abwerfen. Wichtig sind daher für Bands wie Moop Mama die Fanartikel: T-Shirts oder Vinylplatten, die sie nach den Konzerten verkaufen. Jazzclubs zahlen oft nur geringe Gagen, die Künstler finanzieren sich, indem sie in verschiedenen Combos auftreten und ihre Musik selbst verkaufen.

So wie Jonas Pirzer. Der Jazz-Schlagzeuger hat mit zwei Freunden ein kleines Plattenlabel aufgemacht, auf dem sie ihre Musik über das Internet verkaufen. Doch Pirzer vertritt auch als Geschäftsführer der Union Deutscher Jazzmusiker (UDJ) die Interessen seiner Branchenkollegen. Die setzt sich etwa dafür ein, dass Jazzclubs, die zu mindestens einem Drittel öffentlich gefördert werden, eine Mindestgage von 250 Euro pro Musiker und Auftritt bezahlen. Zudem will die UDJ auch die Jazzmusiker dazu ermutigen, sich nicht unter Wert zu verkaufen, denn viele Jazzer nehmen mangels Alternativen auch schlechtbezahlte Engagements an.

Während seines Studiums hat der heute 28 Jahre alte Pirzer gemerkt, dass auch vielen seiner Kommilitonen eine Organisation fehlte, die ihre Interessen vertritt. Ein großes Problem vieler Kreativer: Sie vermarkten sich selbst nicht gut. Es mangelt an professionellen Webauftritten und unternehmerischer Denke. „Jazz ist Hochkultur, das frisst viel Energie und Zeit“, sagt Pirzer, „da kann ich verstehen, dass sich viele Musiker nicht um die Selbstvermarktung kümmern können.“ Ihm mache das Management aber Spaß, sagt Pirzer. Deshalb hat er an seine Jazzausbildung, die er in diesem Jahr abgeschlossen hat, noch einen Master in Kommunikations- und Kulturmanagement angehängt.

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