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Elitehochschule St. Andrews : Studieren wie Prinz William

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Auf dem „Old Course“ in St. Andrews golfen nicht nur Profisportler. Auch die Studenten vertreiben sich hier die Zeit und knüpfen wichtige Kontakte. Bild: REUTERS

Die Universität St. Andrews wurde erst durch den britischen Thronfolger richtig bekannt. Dabei spielt sie schon seit sechs Jahrhunderten akademisch in der ersten Liga.

          Der Mann am 18. Loch des Golfplatzes schaut etwas irritiert ob der jungen Männer und Frauen in bajuwarischer Tracht, die ihn beim Spielen beobachten – dann locht er routiniert ein und schüttelt schmunzelnd den Kopf. Seit inzwischen fünf Jahren wird die schottische Kleinstadt St. Andrews im März von Hunderten Deutschen „überfallen“ – und zwar in Dirndl und Lederhosen. Sie bleiben einen Tag und feiern das „St. Andrews Charity Oktoberfest“, das von Studenten der Universität St. Andrews veranstaltet wird. So auch in diesem Jahr.

          Vor dem direkt an der schottischen Nordseeküste gelegenen Veranstaltungsort wehte die bayerische Fahne; rund 1000 Gäste tranken aus Maßkrügen bayerisches Bier, aßen Brezeln und sangen und tanzten zur Musik der „Stoabach Buam“. Die Studenten lieben das Oktoberfest, egal ob sie aus Italien, Skandinavien oder Großbritannien kommen. Das Fest ist aber nicht nur eine „Mordsgaudi“, es bringt jedes Jahr Tausende von Pfund für einen guten Zweck; dieses Mal waren es fast 14 000 Pfund.

          Spielwiese für „Rich Kids“?

          “In den vier Jahren hier lernt man fürs Leben. Die zahlreichen Societies, Clubs und Wohltätigkeitsveranstaltungen ermöglichen es einem, sich einzubringen und wertvolle Erfahrungen zu sammeln, die über das rein fachliche Studium oder Wissen hinausgehen“, sagt Felix Zech-Burkersroda, einer der Organisatoren des Oktoberfests, der in St. Andrews im vierten Jahr Volkswirtschaftslehre und Internationale Beziehungen studiert.

          In der Tat – fast jede Woche finden Bälle, festliche Dinner und Wohltätigkeitveranstaltungen statt, die alle organisiert sein wollen. Deshalb hat die Universität auch das Image, eine Spielwiese für „Rich Kids“ zu sein, und das nicht nur erst seit Prinz William sie besuchte.

          Eine der besten Hochschulen der Welt

          Dieses Urteil verdeckt aber die akademischen Qualitäten der 1413 gegründeten und damit nach Oxford und Cambridge drittältesten Universität in der englischsprachigen Welt. Die schottische Kaderschmiede gehört in den Ranglisten regelmäßig zu den besten Hochschulen der Welt. Im Jahr 2012 belegte sie im Ranking der englischen Tageszeitung „The Guardian“ den dritten Platz nach „Oxbridge“.

          In diesem Jahr stieg die Bewerberzahl um 17 Prozent; aus der Europäischen Union ohne das Vereinigte Königreich betrug der Anstieg 35 Prozent und aus dem nichteuropäischen Ausland 22 Prozent. Und das, obwohl die Universität erst kürzlich bekanntgab, die von der britischen Regierung geschaffene Möglichkeit, 9000 Pfund im Jahr als Studiengebühren zu verlangen, voll ausschöpfen zu wollen.

          Ein Bachelor, der hier Master of Arts genannt wird und vier Jahre dauert, kostet somit 36 000 Pfund. Für Studenten aus der Europäischen Union mit Ausnahme Englands – welch schottische Ironie – ist das Studium gebührenfrei.

          “Wir haben uns schwer getan mit der Entscheidung. Aber einfach ausgedrückt: Wir können es uns nicht leisten, die Studiengebühren nicht zu erhöhen“, sagt Louise Richardson, die seit 2010 als erste Frau seit sechs Jahrhunderten die Universität leitet und vorher an der Harvard-Universität lehrte.

          Ihre Ernennung vor zwei Jahren hatte zu erregten Diskussionen an der konservativen Universität geführt. Eine englische Tageszeitung titelte gar „The Catholic Coup at St Andrews“, da die in Irland geborene Amerikanerin weder männlich noch protestantisch sei.

          Lange überredet werden musste Richardson nicht, von Harvard in die schottische Provinz zu ziehen. „Der Fachbereich Internationale Beziehungen genießt einen hohen Bekanntheitsgrad, vor allem in den Vereinigten Staaten“, erklärt sie. Die Universität bildet mit wenigen nordamerikanischen Hochschulen wie der Georgetown University und Harvard die Spitze in der Terrorismus-, Sicherheits- und Konfliktforschung.

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