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Einkommen Jeder neunte Doktorand ist armutsgefährdet

Die finanzielle Lage von Promovierenden ist höchst unterschiedlich - die Noten sind es von Uni zu Uni auch.

© AP Vergrößern Auf dem Weg zum Doktortitel ist das Geld oft knapp.

Bis vor kurzem gab es wenig gesicherte Informationen über die Lage der Promovierenden in Deutschland. Um die Lücke zu schließen, hat das Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (IFQ) in den vergangenen drei Jahren viele Daten über Doktoranden gesammelt, ausgewertet und die Ergebnisse nun veröffentlicht. Unter anderem hat es ihre finanzielle Lage beleuchtet. Die immer wieder gemachte Behauptung, diese sei prekär, kann es so nicht bestätigen. Sie unterscheide sich im Wesentlichen nicht von der anderer Hochschulabsolventen nach dem Berufseinstieg, schreibt das IFQ. Unterschiede bestünden aber zwischen den Fächern.

In den Ingenieurwissenschaften, den Wirtschafts- und Erziehungswissenschaften könnten sich die Doktoranden oft über eine Stelle finanzieren, in den Geistes- und Sozialwissenschaften seien sie hingegen besonders stark auf Stipendien angewiesen - und es komme gelegentlich auch zu Phasen ohne feste Finanzierung. Ein Einkommen nahe der Schwelle zur Armutsgefährdung erkennen die Forscher für jeden neunten Doktoranden in Deutschland.

Sicherheit durch eine feste Stelle

Insgesamt finanziert ein Drittel der Promovierenden den Lebensunterhalt vor allem durch eine Wissenschaftlerstelle. Für 28 Prozent ist ein Stipendium die Haupteinnahmequelle. 15 Prozent der Befragten geben eine externe Beschäftigung als Finanzierungsquelle an. Die Übrigen sind arbeitslos, erhalten private Unterstützung, nutzen Kindererziehungszeiten oder haben eine Hilfskraftstelle.

Infografik / Einkommen Promovierender

Über eine Vollzeitstelle verfügt nur jeder Fünfte, vor allem in den Fächern Informatik und Elektrotechnik. Wer eine Teilzeitstelle hat, arbeitet in der Regel deutlich mehr als die vertraglich vereinbarte Zeit. „Unbezahlte Mehrarbeit prägt die Berufsrealität von Promovierenden“, schreibt das IFQ. Allerdings werde diese Mehrarbeit nicht selten für die Dissertation genutzt. Im Durchschnitt komme gut die Hälfte der tatsächlichen Arbeitszeit der Promotion zugute. Zudem zahle sich eine Promotion im späteren Berufsleben im Allgemeinen auch finanziell aus. „Im Durchschnitt stehen Promovierten gut 600 Euro mehr im Monat zur Verfügung als Akademikern ohne Doktortitel.“

Akademiker aus Akademiker-Elternhäusern

Auffallend oft kommen Promovierende aus Elternhäusern, in denen mindestens ein Elternteil Akademiker ist. Dieser Zusammenhang gilt noch mal mehr als für Studenten: 53 Prozent kommen aus einem Akademikerhaushalt, unter den Studenten sind es 45 Prozent. In Jura haben sogar zwei Drittel der Doktoranden mindestens einen akademischen Elternteil, unter den Studenten sind es „nur“ 44 Prozent.

Spannendes fördert auch ein Überblick über die in Deutschland vergebenen Promotionsnoten zutage: zum Beispiel, dass in den Wirtschaftswissenschaften eine Promotion mit Auszeichnung fast fünfmal häufiger vergeben wird als in der Humanmedizin. Das IFQ hat zudem neun Universitäten identifiziert, die jede zweite Promotion in den Wirtschaftswissenschaften mit „summa cum laude“ bewerten. Es hat überdies herausgefunden, dass in Kiel 65Prozent der Biologie-Doktoranden ihre Promotion mit Auszeichnung abschließen, in München aber nur 2 Prozent. Ein weiterer Befund ist, dass fast ein Viertel der Jura-Doktoranden in Mannheim ein „Befriedigend“ bekommen, dass sich in Heidelberg hingegen nur 2 Prozent der Doktoren mit dieser weniger guten Bewertung abfinden müssen. „Von einem einheitlichen Maßstab für die Promotion kann keine Rede sein“, kommentiert der Leiter des IFQ, Stefan Hornbostel, die Ergebnisse. Die Unterschiede in den Noten könnten nicht allein mit unterschiedlichen Leistungen erklärt werden, sondern auch mit „lokal geprägten Vergabekulturen“.

Bessere Bewertungen

Das IFQ hat außerdem ausgemacht, dass es - ähnlich wie beim Abitur - eine „deutliche Tendenz“ zu besseren Bewertungen von Promotionen über die Zeit gibt. Von 2002 bis 2010 ist der Anteil der Bewertung „summa cum laude“ von 12 auf 16 Prozent gestiegen, besonders deutlich im Fach Psychologie von 17 auf 25 Prozent.

Quelle: F.A.Z.

 
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