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Digitalisierung in der Schule : Lernen für eine neue Welt

Noch eine Seltenheit: Nur eine Minderheit der deutschen Schüler kann im Unterricht am Tablet arbeiten. Bild: dpa

Die Digitalisierung schüttelt das Arbeitsleben kräftig durcheinander. Die Schulen müssen auf diesen Wandel vorbereiten, fordert die Wirtschaft. Tun sie das? Und braucht es dafür mehr als einfach nur ein paar Tablets?

          In etwa zehn Jahren, prognostiziert Monika Heusinger, werden die Schüler ganz selbstverständlich mit Datenbrillen auf der Nase in der „Virtual Reality“ (VR) lernen. Die Französisch- und Spanischlehrerin tippt auf ihr Smartphone und ruft ein Vokabel-Lernprogramm auf, mit dem man durch die Wüste spazieren kann. An verschiedenen Stellen stehen Schilder mit spanischen Wörtern, zum Beispiel „Cactus“ neben einem Kaktus. Das klingt futuristisch, doch mit ihrer Vorhersage ist Heusinger alles andere als allein. So setzen zum Beispiel der Elektronikkonzern Samsung und der Schulbuchverlag Cornelsen ebenfalls auf das schulische Lernen in der virtuellen Wirklichkeit. Sie haben eine Anwendung für den Biologieunterricht entwickelt, die gerade an einigen Schulen erprobt wird. Mit Tablet, Smartphone und VR-Brille können Schüler auf Entdeckungsreise durch den menschlichen Körper gehen und biochemische Prozesse „hautnah“ miterleben.

          Lisa     Becker

          Redakteurin in der Wirtschaft

          Zwar lernen Heusingers Zehntklässler mehr als die allermeisten Schüler in Deutschland (auch) in der digitalen Welt - Datenbrillen verwenden sie zum Vokabellernen aber noch nicht. Sie fahren zum Beispiel über den Bildschirm eines Tablets und bringen spanische mit den passenden deutschen Begriffen zusammen. Dabei läuft die Zeit mit, und wenn sie etwas falsch machen, gibt es Strafsekunden. Wer alles richtig macht, wird mit einem leuchtenden Stern belohnt. Städte in Spanien haben sie kennengelernt, indem sie wie in dem Handyspiel Pokémon Go zu Orten, die sie interessierten, „Pokestops“ mit Foto und Text gestalteten. „Hätte ich ihnen lediglich erzählt, hier gibt es eine Kathedrale und dort einen Park, wäre das für sie wenig spannend gewesen“, sagt Heusinger.

          Die Lehrerin, die am Saarbrücker Otto-Hahn-Gymnasium unterrichtet, Referendare ausbildet und Fachdidaktik Spanisch an der Universität des Saarlandes lehrt, ist eine Vorreiterin des schulischen Lernens mit Hilfe der digitalen Medien. Noch gehört sie einer kleinen Minderheit an, die aber wächst. Dienstagabends trifft sich Heusinger mit 60 bis 110 gleichgesinnten Lehrern auf Twitter. Dann wird eine Stunde lang unter #EDchatDE diskutiert, zum Beispiel darüber, wie man aus wenig technischer Ausstattung viel herausholen kann.

          Austausch mit anderen Lehrern im Internet

          An ihrer Schule gibt es immerhin etwa fünfzig Tablets, einige Beamer, W-Lan und - was sehr wichtig sei - zwei Kollegen, die sich um die Geräte kümmern. Zum Lernen in der digitalen Welt bildet sich Heusinger ständig fort, vor allem tauscht sie sich mit anderen Lehrern im Internet aus, zum Beispiel auf ZUM, der Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet. Ein Technikfreak ist die 47-Jährige nicht; Tablets und digitale Lernprogramme setzt sie in der festen Überzeugung ein, dass ihre Schüler auf diese Weise mehr und nachhaltiger lernen.

          Das Lernen mit Computer und Software schule viele wichtige Kompetenzen, loben Fachleute. „Präsentieren, Produzieren, Kommunizieren, Reflektieren - das ist im späteren Berufsleben wichtig und ermöglicht Teilhabe“, erklärt Alexander Tillmann, Didaktik-Fachmann und Mitarbeiter der Frankfurter Goethe-Universität. Außerdem lernten Schüler viel über die Medien selbst: wie manipulativ sie seien, wie selektiv, wie sie hergestellt würden. „Die Berufswelt verändert sich gerade sehr stark“, sagt die Paderborner Professorin für Schulpädagogik, Birgit Eickelmann. Das gelte für Menschen, die in Büros arbeiteten, genauso wie für Arbeiter. Darauf müsse man die Schüler vorbereiten. „Nicht um die Wirtschaft zu fördern, sondern um Lebenschancen gerecht zu verteilen.“

          Doch muss man davon ausgehen, dass es um die Medienkompetenz der jungen Menschen bisher schlecht bestellt ist. Nach der ICILS-Studie (International Computer and Information Literacy Study), die 2014 veröffentlicht wurde und an deren Ergebnissen sich nicht allzu viel geändert haben dürfte, sind 30 Prozent der deutschen Schüler digitale Analphabeten. „Sie können nur eine E-Mail anklicken“, sagt Eickelmann, die die Studie geleitet hat. Eine Internetseite zu gestalten oder die Textverarbeitung zu nutzen - dazu seien viele „Digital Natives“ nicht in der Lage.

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