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Beliebter Studiengang : In der Chemie stimmt es

Überraschend viele junge Menschen studieren Chemie und verwandte Fächer. Bild: ddp

Viel zu wenige möchten mathematisch-naturwissenschaftliche Fächer studieren? Stimmt! Aber nicht, wenn es um das Fach Chemie geht.

          Vertreter der MINT-Berufe – also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik – klagen seit langer Zeit über Nachwuchssorgen. In einigen Nischen sind sie aber offenbar überschaubar. Chemiker jedenfalls scheint es auf absehbare Zeit ausreichend zu geben. Das lassen die Zahlen vermuten, die die Gesellschaft Deutscher Chemiker gerade veröffentlicht hat. Demnach haben im vergangenen Jahr so viele Studenten wie nie mit dem Chemiestudium begonnen und so viele Fortgeschrittene wie nie eine Doktorarbeit abgeschlossen.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die jährliche Statistik für Chemiestudiengänge – es gibt sie seit 1952 – liest sich wie eine Erfolgsgeschichte auf einem schwierigen Feld voller Rückschläge und schlechter Nachrichten: Vergangenes Jahr begannen etwas mehr als 11.000 Anfänger mit einem Chemiestudiengang, rund 2000 Studenten promovierten in Chemie, etwa acht Semester brauchten sie für ihre Promotion im Durchschnitt.

          Die hohe Zahl an Doktoranden ist typisch für dieses Studienfach. Insofern war die Statistik, die auf Daten der Bachelor- und Masterstudiengänge in Chemie und Wirtschaftschemie, Biochemie und Life Science sowie auf vereinzelten Diplomstudiengängen basiert, nicht allzu überraschend; auch das Studienfach Lebensmittelchemie und Chemiestudiengänge an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften – vormals Fachhochschulen – wurden berücksichtigt. Rund 86 Prozent der Masterstudenten an Universitäten und 12 Prozent der Masterstudenten an Fachhochschulen haben den Daten zufolge eine Promotion begonnen.

          „Kein Fachkräftemangel an Hochschulabsolventen“

          Das klingt hoffnungsvoll, zumindest für dieses MINT-Fach. Und Karin Schmitz, Sprecherin der Gesellschaft Deutscher Chemiker, bestätigt, dass hier der Mangel relativ ist. „Nach unseren Beobachtungen gibt es keinen Fachkräftemangel an Hochschulabsolventen im Bereich Chemie“, sagt sie. „Den haben wir aber auch in den letzten Jahren nicht gesehen.“ Fachkräftemangel sei aber durchaus ein Problem, nämlich in der beruflichen oder schulischen Bildung, also den Berufsgruppen Chemielaboranten, Chemikanten, Chemisch-technische Assistenten. Insofern sei auch die Chemie noch immer ein „Sorgenfach“.

          Zumal ihr, wie den meisten anderen MINT-Fächern auch, die Vorbilder fehlen, die über ihr Fach hinaus einigermaßen bekannt sind und ein jüngeres Publikum anziehen könnten. Natürlich gebe es auch in der Chemie hervorragende deutsche Wissenschaftler, die als Vorbilder fungieren, sagt Karin Schmitz, allen voran die Preisträger des sogenannten Ars-Legendi-Preises für exzellente Hochschullehre in Chemie wie Klaus Lehmann (2018), Christian Ehli (2017) oder Richard Göttlich, Siegfried Schindler und Nicole Graulich (2016).

          Da solche Koryphäen eine jüngere Klientel trotzdem kaum erreichen dürften, macht auch die promovierte Chemikerin Mai Thi Nguyen-Kim Hoffnung. Sie könne an Chemie Interessierten als Vorbild dienen, hat sie doch kürzlich zwei Grimme-Online-Awards gewonnen und einigen Erfolg als Moderatorin der WDR-Sendung „Quarks“. Sie betreibt außerdem mehrere Youtube-Kanäle – darunter einen, in dem sie naturwissenschaftliche und insbesondere chemische Phänomene erklärt.

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