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Deutschlandstipendium „Schön ist, dass meine bisherige Leistung honoriert wird“

Das im vergangenen Jahr begonnene nationale Stipendienprogramm nützt Geförderten und Förderern gleichermaßen. Der Masterstudent Andreas Klein und der Mittelständler Thomas Dankwart berichten im Interview von ihren Erfahrungen.

© Hochschule Vergrößern Der 27 Jahre alte Andreas Klein studiert Elektrotechnik an der Hochschule Niederrhein und erhält im Rahmen des Deutschlandstipendiums Fördergeld.

Herr Klein, Sie gehören zu den ersten Geförderten des 2011 eingeführten Deutschlandstipendiums. Wie lange läuft ein solches Stipendium?

Ein Jahr, danach muss man sich neu bewerben. Besonders aufwendig ist die erste Bewerbung, weil die Dokumente in beglaubigter Kopie vorliegen müssen. Und man sollte sich überlegen, ob man ein Empfehlungsschreiben von einem Professor bekommen kann.

Wie erfährt man von dem Programm?

Unsere Hochschule verschickt E-Mails an jeden Studenten. Für die Bewerbung ist aber ein gewisser Notendurchschnitt Voraussetzung.

Was bringen Ihnen die 300 Euro, die Sie jeden Monat bekommen?

Eine ganze Menge, vor allem deutlich mehr Zeit. Ich arbeite als Tutor, muss aber nicht kellnern oder ähnliches und kann mich stärker auf mein Studium konzentrieren. Ich bin froh, dass dieses Stipendium nicht an die Möglichkeit zum Bafög-Empfang gekoppelt ist.

Warum?

Es ist auch für Studenten wie mich, die kein Bafög bekommen können, wichtig, das Einkommen aufzubessern. Wenn man kein Bafög bekommt, heißt das ja nicht, dass finanziell immer alles rosig ist. Es ist schön, wenn man sich Fachbücher auch mal kaufen kann. Schön ist auch die Wertschätzung: dass die Leistung honoriert wird, die ich bisher gebracht habe.

Wie gestaltet sich der Kontakt zu Ihrem Förderunternehmen, der Krefelder Wilhelm Schulz GmbH, einem Hersteller von Rohrverbindungen?

Unsere Hochschule bietet vor allem für Stipendiaten, aber auch andere Studenten ein Mentorenprogramm an. Man hat dann einen Mentor in dem Förderunternehmen.

Wie oft sehen Sie Ihren Mentor?

Etwa alle sechs Wochen. Zwischendurch schreibe ich E-Mails.

Was besprechen Sie mit ihm?

Wir sprechen über Schlüsselqualifikationen, Bewerbungen, welche Chancen ich in dem Unternehmen habe, welche Englischkurse sinnvoll sind. Die Mentoren sind meistens in einer leitenden Position. Manche Stipendiaten haben schon einen Vertrag in ihrem Förderunternehmen unterschrieben.

Was ist Ihnen wichtiger, das Geld oder der Kontakt zur Wirtschaft?

Es ist die Kombination von beidem, die das Deutschlandstipendium hochinteressant macht. So lernt man als Stipendiat eines größeren Unternehmens schon im Studium wichtige Leute kennen und kann ein Netzwerk aufbauen.

Thomas Dankwart © Procedera Vergrößern Thomas Dankwart ist geschäftsführender Gesellschafter der Berliner Unternehmensberatung Procedera und Förderer eines Deutschlandstipendiums.

Herr Dankwart, wie haben Sie als Förderer vom Deutschlandstipendium erfahren?

Im Sommer 2011 hat mir jemand davon erzählt, und ich wusste nach fünf Minuten, das machst du auch.

Warum?

Zum einen ist es eine gute Möglichkeit, interessante Nachwuchskräfte kennenzulernen. Zum anderen engagiere ich mich gesellschaftlich.

Ist das Deutschlandstipendium für einen Förderer teuer oder günstig?

Es ist ein relativ preiswertes Engagement. Ich zahle für ein Stipendium 1800 Euro im Jahr, der Staat gibt dasselbe dazu, und ich kann meinen Teil von der Steuer absetzen.

Sie konnten sich Ihren Stipendiaten aber nicht aussuchen?

Dass man die Person nicht direkt aussuchen kann, verhindert Diskriminierungen. Die Förderer können über die Fachrichtung eingrenzen und zum Glück nicht über die Hautfarbe.

Wie ist der Kontakt zur Hochschule ihres Stipendiaten, der FU Berlin?

Sehr gut. Über sie bekomme ich Zugang zu interessanten Menschen und Themen. Ich werde zu Veranstaltungen, etwa zum Sommerfest des Präsidenten eingeladen. Das Deutschlandstipendium schlägt sich nicht nur in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung meines Unternehmens nieder; es erweitert auch meinen Horizont.

Warum fördern nicht mehr Unternehmen?

Es wird noch zu wenig in den richtigen Kanälen kommuniziert.

Mehr zum Thema

Die Gespräche führte Lisa Becker.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 04.11.2012, 08:00 Uhr