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Der ideale Professor „Unvoreingenommen und ohne Standesdünkel“

23.09.2006 ·  Könnten sich junge Akademiker ihren Lieblingsdozenten backen, hätte er braune Haare, einen Segeltrainerschein und Lachfalten um die Augen... Und sonst? Wie stellen sich die Studierenden „Professor Ideal“ vor ? Hier ihre Wunschzettel.

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Der ideale Professor hat braune krause Haare, einen Segeltrainerschein und Lachfalten um die Augen... wirklich? Wie stellen sich die Studierenden „Professor Ideal“ vor ? Hier sind ihre Wunschzettel.

Jennifer Schwarz, 29 Jahre: Volkswirtschaftslehre, Freie Universität Berlin, 9. Semester:

„Sicherlich ist es an einem großen Fachbereich schwierig, sich um jeden Studenten einzeln zu kümmern. Aber viele machen es sich doch recht einfach. Manche Professoren beharren nur auf ihrem Standpunkt und gehen kaum auf Fragen ein, da fehlt jede Objektivität. Bei Prüfungen lassen sie Multiple-Choice-Fragebögen abfragen, die dann der Computer bewertet. Dabei soll sich ein Professor Mühe geben, auch andere Prüfungsformen zu finden. Er sollte versuchen, den Unterricht individuell zu gestalten und nicht nur Modelle und Rechnungen zu bearbeiten, sondern ab und zu einen Praxisbezug herzustellen.“

Henrike Stephani, 25 Jahre: Mathematik, Universität Potsdam, 8. Semester
„Der ideale Professor sollte in erster Linie ein guter Didaktiker sein. Einer, der die Materie tatsächlich so darstellen kann, daß jemand, der nicht Spezialist ist, sie verstehen kann. Dann kann er auch anspruchsvoll sein. Der ideale Professor muß Begeisterung für sein Fach zeigen und sie auch vermitteln. Zusätzlich ist es schön, wenn er ein guter Forscher ist. Aber für den Studenten ist das besonders am Anfang des Studiums nicht so wichtig. In jedem Fall sollte er gesprächsbereit sein.“

Eva Antonia Stahl, 25 Jahre: Neuere deutsche Literatur, Medien, Christian-Albrechts-Universität Kiel, 12. Semester
„Mein idealer Prof existiert tatsächlich. Er ist absolut zuverlässig, arbeitet schnell, hat hohe Ansprüche, die er ganz klar macht und ist insofern absolut fair. Er bereitet seine Veranstaltungen tadellos vor, beantwortet und diskutiert alle Fragen. Entsprechend verlangt er von seinen Studenten auch, daß sie stets gut vorbereitet sind. Mein Prof sträubt sich keineswegs gegen IT- und Medieneinsatz. Er beantwortet immer alle E-Mails binnen maximal 48 Stunden. Außerdem ist er sachlich und kompetent, eine Autoritätsperson ohne Profilneurose. Schließlich geht es um die Inhalte, die zu vermitteln sind.“

Sebastian Rönnau, 25 Jahre: Informatik, Universität der Bundeswehr München, seit 2005 IT-Offizier bei der Bundeswehr

„Ein Professor sollte vor allem unvoreingenommen sein und keinen Standesdünkel haben. Man sollte mit ihm in Kontakt treten können, ohne das Gefühl zu haben, daß man immer nur ein störender Student ist. Ein idealer Prof zeichnet sich außerdem dadurch aus, daß er Studenten Kontakte vermittelt und Infos weitergibt. Er sollte Kreativität unterstützen, zum Beispiel in Prüfungen Lösungen honorieren, die nicht nur einfach auf auswendig gelerntem Wissen basieren. Dabei ist eine gewisse Zuverlässigkeit der Notengebung wichtig: daß ich einschätzen kann, was ich leisten muß, um welche Note zu bekommen.“

Astrid Kühn, 29 Jahre: Betriebswirtschaftslehre, Fachhochschule Mainz, 7. Semester

„Der ideale Professor sollte erst mal ein fundiertes Fachwissen haben. Er sollte den Studenten nicht zuviel vorkauen. Aber er darf auch nicht erwarten, daß die Studenten die Vorlesung für ihn machen. Sie sollte nicht nur aus Vorträgen bestehen, die er den Studenten aufbrummt. Ganz wichtig finde ich auch, daß ein Prof sich durchsetzen kann und etwa Lautstärke in der Vorlesung nicht akzeptiert. Er muß eine gewisse Autorität ausstrahlen.“

Anna Deibele, 24 Jahre: Allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft, Freie Universität Berlin, 6. Semester

„Meinen Lieblingsprof stelle ich mir vor allem so vor, daß er Seminare zu spannenden Themen gibt und von dem, was er erzählt, so richtig begeistert ist. So kann der Spannungsfunke auf einen überspringen. Gut finde ich, wenn er witzig ist und auf Anfragen aus dem Seminar souverän eingeht. Ganz und gar nicht leiden kann ich es, wenn der Prof ständig seine Seminare überzieht, auch Studenten haben ein Recht auf ihre Pause. Weniger gut kommt es auch, wenn er dauernd unerreichbar ist und man auf Prüfungstermine und abgegebene Arbeiten Ewigkeiten warten muß.“

Katja Jauerneck, 31 Jahre: Kunstpädagogik, Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main. Abgeschlossen mit erstem Staatsexamen im Mai 2006

„Ein guter Professor darf nicht so abgehoben sein. Am besten sind die, die sich wirklich für alles interessieren und auch mal Fragen stellen, auf die sie die Antwort noch nicht haben. Ich hatte mal einen Kunstprof, der am Anfang sagte, daß er sich die Arbeit wie ein Geben und Nehmen vorstelle. Der war richtig gut. Ein Professor muß es eben schaffen, eine Vertrauensbasis zu schaffen. Vielen fehlt da aber auch die didaktische Ausbildung.“

Jan Matalla, 26 Jahre: Sozialwissenschaften, Humboldt- Universität Berlin

12. Semester „Ein Professor muß kein perfekter Mensch sein, das macht ihn dann vielleicht sogar interessant. Aber Voraussetzung ist, daß er in seinem Fach so souverän ist, daß er sich auch wirklich auf die Studenten einläßt. Er ist mehr als ein Lehrer. Er muß seine Meinung sagen, aber sie den Studenten nicht aufdrücken. Auch sollte er nicht seine Position ausnutzen, so daß die Studenten nur noch sagen, was er hören will.“

Uwe Kotte, 33 Jahre: Medizin, Ludwig-Maximilians-Universität München. 7. Semester

„Ein guter Professor sollte freundlich und hilfsbereit sein, auf keinen Fall launisch oder besserwisserisch. Entscheidend ist, ob er sich Mühe gibt: Man kann einen Sachverhalt einfach so präsentieren, wie es im Lehrbuch steht, oder aber versuchen, wirklich etwas zu vermitteln. Das ist ein großer Unterschied. Schön ist es auch, wenn die Professoren offen sind für Verbesserungsvorschläge

Djamila Rempel, 28 Jahre: Erziehungswissenschaften, FU Berlin, 6. Semester

Ein guter Professor sollte alle Studierenden miteinbeziehen und nicht so besserwisserisch sein. Er gestaltet den Unterricht interessant und benutzt dazu verschiedene Medien. Außerdem sollte er eine kurze Pause im Seminar machen. Wichtig finde ich auch, daß er Feedback gibt: daß er einem nicht nur den Schein in die Hand drückt, sondern auch die Bewertung erklären kann.“

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