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E-Mail-Adressen : Für Pizza geben Studenten private Daten preis

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Eine leckere Pizza reicht - und die Datenschutzsorgen sind vergessen. Bild: dpa

Forscher aus Stanford und Cambridge haben herausgefunden: Der Datenschutz hat für Studenten heute einen äußerst geringen Stellenwert. Schon eine kostenlose Pizza reicht als Anreiz dafür, private Daten preiszugeben.

          In Zeiten fortschreitender Digitalisierung und wachsender Datenberge gilt die Privatsphäre doch eigentlich als besonders schützenswert. Wer will angesichts eines Milliardenpublikums im Internet schon allzu viel preisgeben? Forscher der amerikanischen Universitäten Stanford und Cambridge sind allerdings sicher: Es bedarf nur weniger Anreize, und schon ist jede Vorsicht dahin. Sie wollten in einer Studie herausfinden, welchen Stellenwert der Schutz privater Daten wirklich hat, befragten dafür mehr als 3000 Studenten und boten einigen von ihnen unter anderem ein perfides Tauschgeschäft an: Eine kostenlose Pizza gegen die E-Mail-Adressen von drei Freunden – auf dieses Angebot gingen überraschend viele der Befragten ein.

          Einer überwältigenden Mehrheit sei der schnelle und kostenlose Genuss wichtiger gewesen als der Schutz der Privatsphäre guter Freunde, stellten die Wissenschaftler überrascht fest. Bei den Antworten spielte keine Rolle, ob sich die Studenten vorher als eher unbesorgt im Umgang mit privaten Daten oder als vorsichtig bezeichnet hatten. Auch beim Geschlecht habe es keine Auffälligkeiten gegeben. Die Gier nach der Pizza habe die große Mehrheit zusammengeschweißt. Die Stanford-Professorin Susan Athey aus dem Autoren-Team sagt: „Auch wenn die Leute ihre Unzufriedenheit oder ihren Frust über den Verlust von Privatheit erklären – sie treffen Entscheidungen, die damit nicht korrespondieren.“ Und sei es, wenn man ihnen nur einen kleinen Anreiz in Aussicht stellt. Ein „Privatsphären-Paradox“.

          Ungeduld und Bequemlichkeit siegen

          Das Pizza-Geschäft war Teil einer größer angelegten Studie, in der es vor allem um die Internetwährung Bitcoin und den Umgang mit ihr ging. Auch hier standen Fragen der Sicherheit und des Schutzes privater Daten im Mittelpunkt. Die Ergebnisse waren vergleichbar. Auf den Punkt gebracht: Viele der Studenten gaben zwar an, dass die Sicherheit ihrer Daten wichtig sei – aber als die Wissenschaftler ihnen Bitcoin-Wallets, also Internetgeldbörsen, zur Auswahl stellten, wurden mehrheitlich nicht die sichersten genommen, sondern die, die am leichtesten zugänglich waren. Sie wurden daher auf den Bildschirmen etwas höher als die anderen plaziert.

          Dieser Umstand reichte aus, um die Sicherheit ganz schnell hintanzustellen. Das änderte sich auch dann nicht, als eine bessere Verschlüsselung der Gelddepots angeboten wurde. Das fanden viele der befragten Studenten zwar gut. Allerdings stieg etwa die Hälfte von ihnen wieder aus, als sie merkten, dass die Einrichtung dieser Verschlüsselung eine Weile dauern würde. Hier siegten am Ende Ungeduld und Bequemlichkeit, nicht etwa der Heißhunger auf Pizza.

          Faulheit spiele eine große Rolle, sagt Susan Athey. Außerdem glaubten viele, dass sie am Ende ohnehin keinen Einfluss darauf hätten, wie Internetdienstleister mit persönlichen Daten umgehen – ob nun im Mail-Verkehr, beim Internetbanking oder in den sozialen Medien. Außerdem führe die ständige Erinnerung an den Schutz privater Daten eher dazu, diesen zu ignorieren. Also siegt am Ende die Nachlässigkeit.

          Quelle: F.A.Z.

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