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Damenverbindungen : Gemeinsam durch die gläserne Decke

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z. / Tresckow

Nicht nur Männer knüpfen Seilschaften. Auch Frauen vernetzen sich - etwa in Damenverbindungen während des Studiums. Die Kontakte halten oft ein Leben lang.

          Wie weit Studenten mit ihrem Abschluss kommen, hängt nicht nur von den Noten ab. Für die berufliche Zukunft zählt auch das Beziehungsgeflecht, das sie aufgebaut haben - an der Hochschule, in Stiftungen, bei Praktika und im Freundeskreis. Wer männlich ist, Riten und Bräuche schätzt, sucht sich seine Kontakte womöglich in einer Studentenverbindung. Mal als Seilschaften geschmäht, mal als Netzwerke gelobt, gelten die akademischen Bünde bis heute als Karrieremacher. Doch längst sind sie nicht mehr reine Männersache: Seit 20 Jahren wächst die Zahl der Damenverbindungen stetig an.

          Wie männliche Korporationen setzen die rund 40 weiblichen Verbindungen in Deutschland auf das Lebensbund-Prinzip und die sozialen Brücken zwischen ihren Mitgliedern. „Wir tauschen Erfahrungen über Altersgrenzen hinweg aus, wenn wir uns mit unseren Hohen Damen treffen, den ehemaligen Aktiven“, berichtet Lina Collet, die in Münster Betriebswirtschaft studiert und der Verbindung Helenia Monasteria angehört. „Darauf beruht, was sich heute Mentoring nennt“, urteilt der Historiker Harald Lönnecker, der im Bundesarchiv Koblenz zur Studentengeschichte forscht. „Seit Frauen um 1900 an den Hochschulen zugelassen worden sind, haben sie sich vernetzt, bald die Älteren in den Bünden als Vorreiterinnen gesehen und sich Tipps von ihnen geholt, akademisch, beruflich und privat.“

          Neu in Münster, gefiel auch Lina Collet die Idee, in der Helenia mit Frauen aus verschiedenen Fächern zu lernen und zu feiern. „Und die studentische Tradition zu pflegen, wenn wir Farben tragen oder das Münsterlied bei unserer Kneipe singen“, ergänzt sie. Zudem schweißen gemeinsam organisierte Feste, Vorträge und Stammtische zusammen, auch mit den Hohen Damen.

          Mächtige Netzwerke sind kaum gewachsen

          Aber mächtige Netzwerke wie unter den Männern sind daraus bisher kaum gewachsen - vor allem deshalb, weil Damenkorporationen meist die Einbindung in einen großen Dachverband fehlt. Eine der wenigen Ausnahmen ist die Unitas Clara-Schumann Bonn, die beim Verband der wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine angesiedelt ist. Doch mehr als eine Info-Börse für Praktika oder Jobs soll es auch dort nicht geben, schon gar keine Vetternwirtschaft. Im Vordergrund steht offiziell stattdessen, Freundinnen fürs Leben zu finden, die Werte und Überzeugungen teilen. Freilich kann selbst unter Bundesschwestern nicht jede mit jeder gleich gut. „Man lernt, mit verschiedenen Charakteren klarzukommen“, bemerkt die Germanistikstudentin Julia Brinker. „Eigene Ideen durchzubringen, ohne die der anderen außer Acht zu lassen - und probt das nicht erst später im Büro.“ Für die junge Frau, die später eine PR-Agentur leiten will, lohnt sich der Zeitaufwand fürs Verbindungsleben nicht nur deshalb. „Es ist auch pudelwitzig, dabei zu sein“, sagt sie. „Wir haben einen Teamgeist entwickelt, mit dem wir durch alle Höhen und Tiefen gehen. In der Verbindung, im Studium und darüber hinaus.“

          Nicht nur auf soziale Bande, mehr noch auf soziales Training legen indes weibliche Karriere-Zirkel für Fortgeschrittene wert. „Männer sind nicht böse und halten Frauen auch nicht vom Aufstieg ab“ - davon ist jedenfalls Sibylle Gruner überzeugt, die als Betriebsleiterin in einem Chemiekonzern arbeitet und Vorstand im Netzwerk European Women's Management Development (EWMD) ist. „In manchen Branchen sind Männer nur stärker vertreten und prägen das Umfeld. Kommt da eine Frau hinein, sollte sie wissen, was sie tun muss, um darin zu überleben und wahrgenommen zu werden.“ Doch Frauen halten sich nach ihrer Erfahrung eher zurück, wollen mehr durch Leistung als durch Eigenmarketing glänzen. „Viele drängen sich nicht vor, wenn es um die Präsentation ihrer Ergebnisse geht“, sagt Gruner. „Sie prüfen auch kritischer, ob sie eine höhere Position ausfüllen können.“

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