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Damenverbindungen Abendkleid statt Säbel

 ·  In fast fünfzig Studentenverbindungen in Deutschland sind nur Frauen aktiv. Genauso wie die Männer erleben sie viele Anfeindungen. Nicht nur von außen - auch untereinander gibt es so einige Fehden.

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„Eva Braun ist euer Gründungsmitglied, und ihr macht jeden Morgen den Hitlergruß!“ Anfeindungen wie diese müssen sich die Mitglieder der „Akademischen Damenverbindung Salia zu Würzburg“ häufig anhören, wenn sie in Kneipen unterwegs sind. Den Faschismusvorwurf kontern die jungen Frauen dann meist mit der Frage: „Lebst du gern in einer Demokratie? Dann denk dran, wer 1848 maßgeblich für das erste Parlament gesorgt hat: die Verbindungsstudenten.“

Linksradikale Gruppen und der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) machen gezielt Front gegen Damenverbindungen, die aus ihrer Sicht „Ewiggestrigen“. Und als gäbe es nicht genug Schwierigkeiten mit diesen Gegnern, liefern sich die Korporierten, so der Sammelbegriff für die Mitglieder aller Verbindungen, Burschenschaften und Corps, auch noch Scharmützel untereinander. Fehden tragen schlagende Verbindungen beim Fechten aus, katholische meist beim Trinken und weibliche beim Diskutieren. Die zunächst als Abklatsch der Männer belächelten Frauen sind in der zuweilen rauen Verbindungswelt etabliert. Und diese Form der Gleichberechtigung können die Damen durchaus als Erfolg verbuchen.

Seit 2000 gibt es einen Boom

Das haben sie sich nun zum dritten Mal erstritten: Schon zwei Mal verschwanden die Damenverbindungen aus den Unistädten. Erstmals auf Druck der Nationalsozialisten, die sämtliche Verbindungen verboten. Und dann im Zuge der 68er-Revolte. Davon erholten sich die Frauen nur langsam. Seit Beginn der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts entstehen wieder Verbindungen, und seit dem Jahr 2000 gibt es einen Boom mit 30 Neugründungen.

Die Mitglieder der Damenverbindungen sehen ihren männlichen Kollegen ähnlich, nur ändern sie die zum Teil 200 Jahre alten Traditionen der Verbindungen nach ihrem Gusto. So tragen manche statt des klassischen mehrfarbigen Bandes ein Schleifchen am Dekolleté; statt Bier trinken sie bei ihren Feierstunden Sekt und Wein; auch auf den Vollwichs, die Galauniform der Männer mit Reitstiefeln, Barett samt Federschmuck und Säbel, verzichten sie gerne. Da darf's ein Abendkleid mit einer Rose statt einer Waffe sein.

„Sie sind manchmal ganz nett anzusehen“

Würzburg ist Unistadt seit 1402. Von den 130000 Einwohnern studieren 23000. Das Verbindungsleben pulsiert, 40 Verbindungen tummeln sich am Main, darunter zwei weibliche. Die Gründungsschwestern taten sich 1994 schwer in der Männerdomäne, erzählt ein Mitglied über ihre Hohen Damen, so der Titel derjenigen, die ihr Studium abgeschlossen haben. 15 Jahre später ist die „Salia“ eine der größten Damenverbindung im Land. Rund 60 Mitglieder zählt der reine Frauenbund, davon sind etwa 20 aktiv. Ein Abziehbild der Männer stellen sie nicht dar. Vielmehr verpasst ihnen das Männerlager den Ritterschlag, wenn Michael Schmidt vom ultra-konservativen Dachverband Deutsche Burschenschaft sagt: „Das ernsthafte Bemühen, eine korporative Tradition für Damen zu begründen, wird selbstverständlich akzeptiert.“

So balgen sich die Frauen mit den Männern im täglichen Verbindungsleben auf Augenhöhe. Man besucht sich, trinkt mal ein Bier miteinander und zieht sich gegenseitig auf. „Frauen drückt man natürlich auch einen Spruch rein“, erklärt Sascha Wein vom „Corps Bavaria Würzburg“. „Aber grundsätzlich gilt: leben und leben lassen.“

Eher reserviert und distanziert sieht Timo Sentner von der „Markomannia Würzburg“ das Thema. „Für das Image der Korporationen, die in der Öffentlichkeit häufig als sexistisch oder männerbündlerisch dargestellt werden, sind Damenverbindungen ein korrektives Element.“ Aber mit einem Schmunzeln ergänzt er: „Viele sind auch ganz nett anzuschauen.“ Weiter geht das Interesse dann doch nicht.

Die Hohen Damen helfen auch bei Praktika und Jobsuche

In der uralten Unistadt Heidelberg bewarfen immer wieder Unbekannte die Dächer der prachtvollen Verbindungsvillen am Schlossberg mit Farbbomben. So verunzierten Vermummte zum Beispiel das Haus der Burschenschaft Alemannia. Die linksradikale Antifa, Ortsgruppe Heidelberg, bemüht sich nach Kräften, Burschis zu triezen. Der Antifa-Arbeitskreis der Uni Heidelberg verteilt kostenloses Infomaterial in Form von Schmähschriften mit dem Titel: „Billige Bude? Kein Problem, wenn du männlich, trinkfest und für ein Deutschland in den Grenzen von 1914 bist.“ Tatsächlich locken Korporierte neue Mitglieder mit günstigen Zimmern und haben ein vaterlandstreues Weltbild. Aber das gilt bei weitem nicht für alle Verbindungen.

So sieht es Kathrin Streck, Mitglied der Damenverbindung „Unitas Maria Magdalena“. „Mich regt die Antifa auf, weil sie alle Verbindungen über einen Kamm schert.“ Und auch die Presse mag Streck nicht: „Meistens wird nur über saufende und schlagende Burschis berichtet.“ Fechten und Saufen liegen den Damen fern. Vielmehr zählen Prinzipien wie Tugend, Wissenschaft und Freundschaft; und diese Freundschaft gilt lebenslänglich. Die Mitglieder treffen sich zu Vorträgen, Diskussionsrunden und auch mal zum Grillen.

Kathrin Streck trat der Verbindung bei, weil sie günstig auf dem Unitashaus der männlichen Kollegen wohnen kann. Als sie nach Heidelberg kam, um Dolmetschen und Übersetzen zu studieren, kannte sie niemanden. Mittlerweile greift sie auf ein ganzes Netz von Hohen Damen und Alten Herren zurück, das auch bei Praktika und Jobsuche hilft.

„Wir schlagen uns eher mit dem Asta rum“

In Frankfurt am Main tummelten sich bis 2007 keine Frauen in der Verbindungsszene. Da musste erst Susanna Zwick aus Würzburg kommen, um die „Akademische Damenverbindung Meriana“ zu gründen. „Wenn ich Band getragen habe, dann wurde ich von vielen Studentinnen gefragt, warum es das in Frankfurt nicht gibt“, erzählt die 36-Jährige. Alles kein Problem, denn Unternehmungsberatung für gründungswillige Frauen ist ihr ehrenamtliches Metier. „Den meisten fällt es zu Beginn schwer, sich bezüglich Satzung, Regelungen und Finanzierung zu organisieren und auch eine wirkungsvolle Öffentlichkeit für den neugegründeten Bund zu betreiben“, sagt Zwick, von Beruf Revisorin in einer Großbank.

Zwick gehört zur Gründungsgeneration der „Salia zu Würzburg“. 2004 half sie der einzigen Münchner Damenverbindung „Selenia“ etwas auf die Beine zu stellen. Und dank ihr sind seit 2007 auch zehn Frauen in Frankfurt in einer Verbindung. „Mittlerweile haben wir die Aufbauphase überwunden. Ich bin zuversichtlich, dass wir langsam und stetig wachsen werden“, sagt Zwick zufrieden.

Mit den rund 20 männlichen Korporationen gebe es keine Querelen. Sie kämen auch mit den üblichen Vorurteilen zurecht, sogar mit dem Vorwurf der Frauenfeindlichkeit. „Wir schlagen uns eher mit dem Asta rum“, klagt die Hohe Dame. Denn dieser veröffentlicht mit der „Autonomen Antifa“ auf seiner Homepage ein Pamphlet gegen Verbindungen mit dem Titel „Unpolitisch bis zum Endsieg.“ Die Verfasser schreiben, es gehe ihnen nicht in erster Linie darum, allen Verbindungsangehörigen nachzuweisen, „dass sie 100 Prozent Nazi sind.“ Vielmehr sei es ihnen wichtig, darauf hinzuweisen, „dass Korporierte nicht Nazi sein müssen, um abscheulich zu sein“. Laut Pamphlet übernehmen Damenverbindungen die Ideologie der Burschenschaften und sind nur Schmuck der Männer.

„Es gibt viele Gründe, diese Gruppierungen als problematisch zu sehen“, sagt Jonas Erkel, Vorstand des Asta Frankfurt. „Hierarchische Strukturen und elitäres Denken sind bei Männern und Frauen gleich.“ Nach seiner Ansicht sind Verbindungen und Burschenschaften keine Hochschulorganisationen. So sehen es auch andere: Die Informationskästen, in denen sich die Verbindungen an der Uni präsentieren, wurden demoliert.

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