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Daf und Daz : Fremdsprache Deutsch

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Deutsch als Fremdsprache: Sprachlehrer sind vor allem für Flüchtlinge derzeit gefragt. Bild: Etienne Lehnen

Die lustigen Kürzel Daf und Daz stehen für ein gefragtes Studienfach - spätestens seit der Flüchtlingskrise: Deutsch als Fremd- oder Zweitsprache. Im Beruf warten aber trotzdem ziemlich viele Hürden.

          „Er kommte nach Hause.“ Das wirkt auf den ersten Blick ziemlich verunglückt. Allerdings: „Das ist ein Hinweis auf einen Entwicklungsschritt“, sagt Udo Ohm, Professor für das Fach Deutsch als Fremd- und Zweitsprache – Kürzel: Daf/Daz – an der Universität Bielefeld, über den Satz. „Er zeigt, dass der Schüler die Regel für Konjugation beherrscht. Er wusste nur nicht, dass dieses Verb unregelmäßig ist.“ Diese Form der Fehlerdiagnostik bei Schülern, deren Erstsprache nicht Deutsch ist, und der Umgang mit Mehrsprachigkeit insgesamt wird im Studium Daf/Daz an mehr als fünfzig Universitäten in Deutschland gelehrt. „Es ist ein Unterschied, ob Schüler mit Erst- oder Zweitsprache Deutsch unterrichtet werden“, sagt Ohm. „Die Ausbildung der Lehrer unterscheidet sich wesentlich.“ Und das ist nicht das einzige Problem.

          Während angehende Deutschlehrer das Fachstudium Germanistik mit Sprach- und Literaturwissenschaften, Didaktik und Pädagogik bewältigen müssen, befassen sich Studenten des Studiengangs Deutsch als Fremdsprache damit, das gesamte Feld des Deutschlernens und Deutschlehrens im In- und Ausland zu vermitteln. Zu den Herausforderungen einer Zweitsprache kommen kulturelle und gesellschaftspolitische Aspekte hinzu. „Die Daz-Studenten müssen auf ein breites Spektrum von Schülern vorbereitet werden“, sagt Olaf Bärenfänger, Direktor des Sprachenzentrums der Universität Leipzig. „Sie werden, wie zum Beispiel nach der Flüchtlingskrise, auf Schüler mit unterschiedlichen Lebenserfahrungen und mehreren Altersstufen treffen. Einige sind nicht alphabetisiert oder sind traumatisiert, andere beherrschen die lateinische Schrift nicht.“ Studenten müssen also lernen, wie sie auf die Vielfalt von Schülern eingehen und die Inhalte vermitteln können. Im Daz-Studium lernen sie auch die Stolpersteine kennen, die die deutsche Sprache bereithält. Wer etwa weiß, dass das Türkische keinen Artikel kennt, kann nachvollziehen, weshalb dessen Verwendung für Schüler mit dieser Herkunftssprache eine besondere Lernleistung darstellt.

          Auch interkulturelle Kompetenz und Einfühlungsvermögen, über das die angehenden Lehrkräfte verfügen sollten, wird an der Universität vermittelt: „Die Studierenden müssen ein Bewusstsein für Zuschreibungen entwickeln, die alltäglichen Formulierungen scheinbar innewohnen, aber nicht real existieren“, sagt Claus Altmayer, Professor für Daf/Daz an der Universität Leipzig, der in seinen Vorlesungen Kulturverständnis und kulturbezogenes Lernen vertieft. „Die Daz-Schüler sollen nicht Landeskunde als Fakten lernen. Vielmehr müssen sich die Studierenden bewusst machen, was sie transportieren, wenn sie von deutscher Kultur oder deutschen Werten sprechen.“ Zwischen den Fächern Deutsch als Fremdsprache und Deutsch als Zweitsprache werde „spracherwerbstheoretisch unterschieden“, sagt Altmayer. Während der Daf-Schüler im Ausland Deutsch meist nur im Unterricht hört, habe der Daz-Schüler auch nach der Schule noch das deutschsprachige „Sprachbad“, in das er eintauchen könne. Beiden gemein ist, dass sie ihre Herkunftssprache sprechen und dann Deutsch lernen.

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