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Freitag, 10. Februar 2012
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Corporate Governance Der Wert der Werte

24.08.2010 ·  Was geht vor: Leistung oder Verantwortung? Gewinn oder Moral? An der Leipziger Handelshochschule gehören solche Fragen nun verpflichtend zum Wirtschaftsstudium.

Von Sebastian Balzter
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Ohne Schmiergeld kann man in manchen afrikanischen und asiatischen Ländern einfach keine Geschäfte machen. Gefälschte Spesenabrechnungen? Sind ein Kavaliersdelikt und nicht weiter der Rede wert. Und Frauen meistens selbst daran schuld, wenn sie es nicht in die Führungsriege der Unternehmen schaffen. Wer sich für Ethik in der Wirtschaft einsetzt, muss mit Gegenargumenten wie diesen rechnen. Schnell gilt als Bürokrat, Traumtänzer und Weltverbesserer, wer an die Regeln guter Unternehmensführung – in der Managersprache „Corporate Governance“ – erinnert. Auch an den Wirtschaftsschulen von altem Schrot und Korn ist das Interesse an Moral traditionell geringer als an Gewinn und Verlust. An der Harvard Business School, dem Aushängeschild der Zunft, haben die Absolventen im vergangenen Jahr sogar einen Eid abgelegt, um ihre Abkehr vom Stereotyp zu dokumentieren – nachdrücklicher hätten sie seine Berechtigung kaum unterstreichen können.

Christian Strenger kennt das Dilemma. Denn als Aufsichtsrat der Fondsgesellschaft DWS, die zur Deutsche-Bank-Gruppe gehört, darf er selbst nie die Aktienkurse aus dem Blick verlieren. „Deshalb legen wir einen besonderen Schwerpunkt auf die Performance-Messung“, beschreibt Strenger seine Strategie, um die Manager von morgen vom betriebswirtschaftlichen Wert ethischer Werte zu überzeugen. Seit anderthalb Jahren hat Strenger einen Lehrauftrag an der Handelshochschule in Leipzig (HHL), einer der angesehensten privaten Wirtschaftshochschulen in Deutschland. Dort ist für Strengers Fach „Corporate Governance“ nun ein eigenes Zentrum gegründet worden; seit diesem Jahr gehört es außerdem als verpflichtender Bestandteil zum Masterstudium, zum MBA-Studiengang schon seit 2009.

„Wir wollen nachweisen, dass es tatsächlich etwas bringt“

„Viele halten das Thema noch für ,nice to have‘, aber nicht für entscheidend“, räumt Strenger ein. „Wir wollen nachweisen, dass es tatsächlich etwas bringt und sich zum Beispiel in steigenden Kursen und damit niedrigeren Kapitalkosten niederschlägt.“ Bis zu 10 Prozent besser als andere Unternehmen schneiden nach seiner Schätzung an der Börse solche ab, die sich um eine gute Unternehmensführung bemühen, auf Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit und Kooperation mit ihren Beschäftigten Wert legen. Strenger, der auch im Aufsichtsrat des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport sitzt und einer der Autoren des Deutschen Corporate Governance Kodex ist, kann das mit vielen Beispielen aus eigener Anschauung belegen. „Und die Investoren legen darauf zunehmend Wert.“

Die guten Gründe dafür haben sich zuletzt gehäuft. Siemens hat die Korruptionsaffäre sehr viel Geld gekostet. Der Computerkonzern HP hat seinen – bis dato äußerst erfolgreichen – Vorstandsvorsitzenden wegen gefälschter Spesenabrechnungen abberufen. Die Telekom hat sich als erstes Unternehmen in Deutschland aus wirtschaftlichen Gründen auf eine Frauenquote verpflichtet; als Vorbild gilt dabei die gesetzliche Quote in Norwegen, wo mindestens 40 Prozent der Verwaltungsratsmitglieder jedes Unternehmens weiblich sein müssen.

„Die Studenten verstehen die Relevanz dieser Themen“, berichtet Christian Strenger aus den Blockveranstaltungen in Leipzig. „Und nicht zuletzt eröffnen sie ihnen einen universitären Karriereweg.“ Tatsächlich hat die Forschung über Ethik und Wirtschaft, von Leistung und Verantwortung Konjunktur. Die Katholische Universität Eichstätt zum Beispiel hat einen „Master of Ethical Management“ eingerichtet. Und wenn sich der „Corporate Governance Kodex“ auf Dauer zu mehr als einem Papiertiger mausert, werden auch die Unternehmen mehr Fachleute für das Thema anheuern. In der jüngsten Sommerakademie der HHL waren jedenfalls schon einmal 5 von 52 teilnehmenden Doktoranden darauf spezialisiert.

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