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Code University : Programmieren studieren

  • -Aktualisiert am

An der Code-University sollen die Studenten mehr lernen als nur Code zu schreiben. Bild: Picture-Alliance

In Berlin startet die erste Hochschule für Programmierer in Deutschland. Auch wer noch nie mit Informatik zu tun hatte, kann dort studieren. Eine Entwickler-Uni ohne Nerds – kann das funktionieren?

          Paulina Steffen hat BWL studiert und parallel Versicherungskauffrau gelernt. Von Informatik hat sie keine Ahnung. Trotzdem wird sie ab diesem Semester an der ersten deutschen Programmierer-Hochschule studieren. Die „Code University“ in Berlin will die Softwareentwickler von morgen ausbilden, eine heute schon sehr gefragte Spezies. Dass dafür eine eigene Hochschule geschaffen wird, ist ein Novum in der deutschen Hochschullandschaft – und ein Zeichen, mit welcher Wucht die Digitalisierung um sich greift. Die Schulen hierzulande gelten in diesem Bereich längst als abgehängt. Universitäten und Fachhochschulen lehren eher Informatik, überlassen die Programmiersprachen aber oft den Anwendern zum Selbststudium.

          Die neue Hochschule soll anders sein, praxisbezogener. Vorkenntnisse sind für eine Aufnahme nicht zwingend nötig, eher Leidenschaft und eine Affinität zum Knobeln. Paulina Steffen bringt beides mit. Mathe liege ihr, sagt sie – und „irgendwas mit Medien“. Für das Programmierer-Studium hat die 22-Jährige ihre Heimatstadt Hannover aufgegeben und ist nach Berlin gezogen. Mit ihrer Stelle in einem großen Versicherungsunternehmen mit 2000 Mitarbeitern, die sie bis kurz vor Studienbeginn hatte, war Steffen dagegen unzufrieden. „Ich habe den Fehler gemacht und nicht vorher geschaut, ob mir das überhaupt Spaß macht“, sagt sie.

          Mehr Spaß und Zufriedenheit hofft sie jetzt bei der Code University zu finden. Nach dem Studium dort will sie nicht mehr in einem großen Unternehmen arbeiten. „Zu starr, zu unbeweglich“, seien die Konzerne, findet sie. „Wenn du da ein kleines Rädchen bist, dauert es sehr lange, bis sich überhaupt etwas in Bewegung setzt“, sagt sie. „Lieber ein Start-up, das kannst du noch mit aufbauen, mit entwickeln.“ Genau das hat sich die Code University zum Ziel gesetzt. Sie will die Start-up-Gründer der Zukunft, die Mark Zuckerbergs von morgen schaffen. Im Fortschreiten der Digitalisierung sei das wichtig, sagt Thomas Bachem, der Gründer der Hochschule. Auf der Homepage der Berliner wird er nur Tom genannt.

          Drei Bachelorstudiengänge

          Die Code University ist eine private Fachhochschule, erst in diesem Sommer hat sie ihre Zulassung erhalten. Zum Wintersemester, das in diesen Tagen startet, beginnt nun endlich der Lehrbetrieb. Gelehrt wird in Englisch, und es gibt drei Bachelorstudiengänge: Software Engineering, Interaction Design und Product Management. Bei allen dreien steht das Erlernen von Programmiersprachen im Vordergrund. Nur der Fokus ist jeweils ein anderer. Gemeinsam haben sie, dass in Gruppen und nicht in Hörsälen gelernt wird und der Praxisbezug im Zentrum stehen soll. Masterstudiengänge gibt es erst einmal nicht, obwohl die Nachfrage sehr hoch sei, wie Thomas Bachem versichert. Zunächst wolle er sich auf den Aufbau der Bachelor-Studiengänge konzentrieren. Gratis ist das geballte Programmiererwissen natürlich nicht: 747 Euro je Monat verlangt die Code-University von ihren Studenten, also fast 27 000 Euro für das gesamte Studium. Allerdings bietet die Hochschule ein sogenanntes Generationen-Finanzierungsmodell an: Dabei müssen Absolventen die Studiengebühren nach dem Studium erst dann zurückzahlen, wenn sie über einem festgelegten Gehalt liegen.

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