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Campus Heidelberg : Eine Spielwiese für Innovationen

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„Andere sind uns auf den Fersen“: Stefan Hell, Chemie-Nobelpreisträger von 2014, auf dem Heidelberger Innovationscampus. Bild: Verena Müller

In Heidelberg entsteht ein sehr ehrgeiziges wissenschaftliches Projekt. Es bietet Platz für Tausende Studenten und Raum für große Träume. Mittendrin: ein Nobelpreisträger aus der Region.

          Der deutsche Physiker und Nobelpreisträger Stefan Hell hat einst ein Grundgesetz der Optik aushebeln wollen. Dafür fand er zunächst allerdings keine Unterstützer. Als Doktorand in Heidelberg bei einer Ausgründung habe er sich damals in den Kopf gesetzt, die Beugungsgrenze der Mikroskopie zu sprengen, erinnert sich der heute 55-Jährige an die Anfänge seiner wissenschaftlichen Laufbahn zurück.

          „Der Weg war anfangs schwierig und steinig. Ich wurde damals von der etablierten Forschungslandschaft nicht unterstützt.“ Aber sein Beispiel zeige, dass selbst im unternehmerisch geprägten Umfeld einer Ausgründung nobelpreisverdächtige Ideen geboren werden könnten. Sein kühner Plan ging auf. „Also bitte keine Berührungsängste“, sagt Hell, der im Jahr 2014 mit zwei amerikanischen Kollegen den Nobelpreis für Chemie erhielt. Für seine Mikroskoptechnik, die stärker vergrößert und so bessere Bilder liefert, als es die Physik bis dahin für möglich hielt. Seine amerikanischen Kollegen hatten ähnlich leistungsfähige Verfahren entwickelt.

          Hell, der unter anderem als Direktor am Max-Planck-Institut für Medizinische Forschung in der baden-württembergischen Universitätsstadt Heidelberg tätig ist, hat sein Thema stetig weiter erfolgreich vorangetrieben. Das ist nun ein wichtiger Teil des geplanten Innovationscampus namens „Heidelberg 4 Life“, bei dem die Universität – vor allem mit ihrem Zentrum für Molekulare Biologie (ZMBH) – und das entsprechende Max-Planck-Institut ihre Zusammenarbeit weiter ausbauen wollen. Dabei geht es um die Erforschung der kleinsten Einheiten. Sie liegen im Nanobereich und sind somit so klein, dass sie bisher kaum sichtbar gemacht werden konnten.

          „Heidelberg ist ein idealer Ort“

          Neben der Kooperation mit weiteren, bereits auf dem Campusgelände Neuenheimer Feld angesiedelten Partnern wie dem Deutschen Krebsforschungszentrum oder den Kliniken und den im Rhein-Neckar-Raum angesiedelten Pharma- und Biotechnologieunternehmen sollen auch gezielt Unternehmensgründungen unterstützt werden. „Wir versprechen uns außerdem eine höhere wissenschaftsgetriebene Gründerdynamik“, sagt die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer. Sie sei überzeugt davon, dass das einzigartige Forschungsumfeld auf dem Heidelberger Campus bahnbrechende Entdeckungen hervorbringe. „Dies wollen wir noch besser für eine agile Gründerkultur nutzen“, bekräftigt die Grünen-Politikerin.

          Das Land finanziert einen eigenen universitären Neubau, für den zunächst ein Beitrag von 25 Millionen Euro bereitsteht und der im Jahr 2022 fertig sein soll. Das entsprechende Max-Planck-Institut rechnet mit eigenen Kosten von bis zu 60 Millionen Euro für seinen Umbau und die Erweiterung.

          „Heidelberg ist ein idealer Ort, um mit den bestehenden neuen Möglichkeiten der Mikroskopie neue Erkenntnisse zu gewinnen“, sagt Stefan Hell, der das Projekt in Heidelberg im Bereich der Lebenswissenschaften maßgeblich mit angestoßen hat. In der Vergangenheit hätten Elektronenmikroskope schon Bilder mit höchster Auflösung geliefert, aber nur von totem Material, da sie ein Vakuum erforderten. „Wir können heute Details auf der Größenordnung einzelner oder weniger Proteine sehen, die wir bislang nicht sehen konnten. Und das wird auch in der lebenden Zelle gehen.“

          Neue Therapien gegen Krebs

          Die Auflösung der Fluoreszenzmikroskopie sei in den vergangenen vier Jahren noch einmal um den Faktor zehn verbessert worden. Und das wollen Mediziner, Biologen und die anderen Lebenswissenschaften in Heidelberg in dem neuen Forschungsnetzwerk „Biologie auf der Nanoskala“ verstärkt nutzen.

          „Durch die Technik von Stefan Hell können wir einen tiefen Einblick in die Funktionsweise von Zellen bekommen“, sagt Bernd Bukau, der ZMBH-Direktor. Es werde versucht, die zellulären Prozesse und insbesondere auch die zellulären Ursachen für Erkrankungen besser zu verstehen, und daraus sollten dann langfristig neue Therapien entstehen – beispielsweise im Kampf gegen den Krebs.

          Durch die sogenannte Minflux-Mikroskopie bestehe in Deutschland ein Vorsprung gegenüber anderen Regionen in der Welt, und der müsse unbedingt genutzt werden, sagt Nobelpreisträger Hell. „Andere sind uns auf den Fersen, und man darf nicht warten, bis die Entwicklung über den Atlantik schwappt – und dann wieder mit großem Getöse und verändertem Namen zurück.“

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