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BWL 4.0 : Wenn Forschung und Lehre verschmelzen

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Intelligent umgesetzt, ist die digitale Transformation damit eine wichtige Voraussetzung, um forschendes Lernen zu ermöglichen. Dies spielt gerade im universitären BWL-Studium eine große Rolle. Hier geht es nämlich nicht nur darum, kaufmännische Techniken zu vermitteln. Die BWL-Studierenden müssen sich vielmehr in abstrakte und komplexe Fragestellungen und Denkweisen einarbeiten. Denn als Universitätsabsolventen müssen sie in der Lage sein, den betriebswirtschaftlichen Werkzeugkasten kritisch zu reflektieren und auch neuartige Problemstellungen erfolgreich zu lösen. Gerade das setzt voraus, dass sie in ihrem Studium gelernt haben, mit der aktuellen betriebswirtschaftlichen Forschung, die tradierte Praktiken immer wieder in Frage stellt, umzugehen und deren Erkenntnisse gestaltungsorientiert im betrieblichen Umfeld umzusetzen. BWL-Absolventen, die von Unternehmen heute händeringend gesucht werden, brauchen deshalb mehr denn je die interaktive Auseinandersetzung mit akademischen Lehrern, die auch in der Forschung engagiert sind. Damit diese sich wiederum in ihren Veranstaltungen auf das forschende Lernen, also die Erarbeitung von Lösungsvorschlägen für anspruchsvolle und weiterführende betriebswirtschaftliche Fragestellungen, konzentrieren können, bietet die digitalisierte Vermittlung von standardisierten Techniken und Grundlagenwissen die notwendige Begleitung. Und ganz nebenbei erlaubt die Digitalisierung der Lehre auch noch die vielfach geforderte Binnendifferenzierung innerhalb der Studierenden-Community. In Abhängigkeit von Vorwissen, Lerntypus oder Aufnahmefähigkeit können digitale Lerninhalte nämlich beliebig oft und mit individueller Geschwindigkeit und Intensität abgerufen werden.

Kein Kostensparmodell

Wer allerdings glaubt, die digitale Transformation in der Lehre im Sinne einer BWL 4.0 sei gleichzeitig ein Kostensparmodell für Universitäten, liegt falsch - und das nicht nur bezogen auf die erheblichen Anfangsinvestitionen, die getätigt werden müssen, um die bestehenden Inhalte für digitale Lernmedien didaktisch effektiv aufzubereiten. Gerade die Kosten einer laufenden Nutzung dürfen nämlich nicht außer Acht gelassen werden. Was passiert, wenn sich digitale Umgebungen weiterentwickeln und bereits produzierte Medien auf neuen Systemen nicht mehr nutzbar sind? Wie häufig müssen digitale Lerninhalte aktualisiert werden? Wie werden bestehende digitale Lernmedien vernünftig archiviert, was auch prüfungsrechtlich bedeutsam sein kann. Und last, but not least: Wie werden Lehrende hochschuldidaktisch begleitet, um die große Vielfalt digitaler Lernmedien sachgerecht einzusetzen? Wenn Universitäten und die Bildungspolitik das Thema Digitalisierung in der Lehre ernst nehmen, dann tun sie gut daran, die dafür erforderlichen Ressourcen ehrlich einzuschätzen und auch dauerhaft zur Verfügung zu stellen.

Die digitale Transformation in der Lehre ist ein Thema, das unter dem Motto „Einheit von Forschung und Lehre - up-to-date oder obsolet“ auch auf der Agenda der Hochschullehrer und -lehrerinnen für Betriebswirtschaft im Rahmen ihrer diesjährigen Pfingsttagung steht, die an diesem Mittwoch beginnt. Expertise aus der Unternehmenspraxis für dieses Thema bringt unter anderem die Schmalenbach-Gesellschaft ein. Mit deren Präsidenten, dem Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, Stefan Krause, dem Roche-Finanzvorstand Alan Hippe sowie dem Vorstandsvorsitzenden von Audi, Rupert Stadler, diskutieren sie, welche Chancen und Risiken sich aus der digitalen Transformation ergeben. Und was wäre ein besserer Rahmen dafür als die Wirtschaftsuniversität Wien. Für sie ist in den letzten Jahren in der Nähe des Praters mit Baukosten von fast 500 Millionen Euro eines der weltweit modernsten Campusgelände für rund 20 000 Studierende bereitgestellt worden - mit allen technischen Raffinessen digitaler Lehr- und Lerninfrastrukturen, die heute zur Verfügung stehen.

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