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Business Schools : Im Überlebenskampf

  • -Aktualisiert am

Schreibt seit vier Jahren schwarze Zahlen: Die European School of Management and Technology in Berlin Bild: obs

Ausgerechnet private Wirtschaftshochschulen geraten in Finanznot. Doch manche können mit Geld umgehen. Sie sparen etwa, indem sie Professoren mieten statt fest anzustellen. Aber ob das auf Dauer reicht?

          Deutsche Business Schools haben es schwer. Ihr Ziel: Weiterbildung auf höchstem Niveau für Menschen, die sich irgendwo zwischen dem Berufseinstieg und dem Renteneintrittsalter bewegen. Ihr Anspruch: Internationalität, hervorragende Seminare mit praxisrelevanten Inhalten, weltweit renommierter Ruf. Ihre Probleme: rote Zahlen, wackelige Finanzierungskonzepte, keine Tradition. Im internationalen Vergleich gelten sie weiterhin als unbedeutend. So sieht die Ausgangslage aus. Ein vergleichender Blick in die Business-School-Welt der Vereinigten Staaten verdeutlicht, woran deutsche Institute kranken: Jenseits des Atlantiks sind private Weiterbildungsinstitute prestigeträchtig und können in vielen Fällen auf eine jahrhundertelange Tradition verweisen.

          Die meisten deutschen Business Schools sind erst in den vergangenen zwanzig Jahren gegründet worden. Hinter amerikanischen Institutionen stehen wohlwollende und gutsituierte ehemalige Studenten, Unternehmen, Stiftungen, Professoren. Und: Die privaten Hochschulen in Übersee haben Kapitalbeteiligungsgesellschaften im Rücken, die sich nach dem Private-Equity-Prinzip mit dreistelligen Millionenbeträgen engagieren: Sie kaufen sich Hochschulanteile und hoffen anschließend auf die Rendite.

          Deutsche Business Schools hingegen müssen um jeden einzelnen ihrer Geldgeber mühsam ringen - und schlittern dabei hin und wieder sogar in die Insolvenz. Zuletzt sorgten die Gisma Business School in Hannover und die Humboldt Viadrina School of Governance in Berlin für Schlagzeilen, weil ihnen eine wirtschaftliche Schieflage und damit das Aus drohte. Die European Business School in Oestrich-Winkel machte Schlagzeilen, weil ein ehemaliger Rektor sich wegen Untreuevorwürfen vor Gericht verantworten musste.

          Gemeinnutz als Erfolgsmodell

          Einige deutsche Business Schools schaffen es allerdings, seit Jahren schwarze Zahlen zu schreiben. Sie wirtschaften umsichtig und nachhaltig, haben funktionierende Finanzierungskonzepte ausgearbeitet und sichern so langfristig ihre Existenz. In einem Markt, in dem dieses Verhalten eigentlich selbstverständlich sein sollte, klingt es fast ein wenig paradox, diese Beispiele herauszustellen - tatsächlich aber sind es Ausnahmen. Eine, die sich zu diesen Ausnahmen zählen darf, ist die Mannheim Business School (MBS).

          Erfolgreiche Absolventen eines erfolgreichen Geschäftsmodells: Graduiertenfeier an der Mannheim Business School

          Hinter der Institution steht eine gemeinnützige GmbH, die zu 75 Prozent einer Stiftung gehört und zu 25 Prozent - und das ist das Besondere an dem Modell - der Universität Mannheim. Der Vorstand der Stiftung: Professoren der Fakultät für Betriebswirtschaftslehre. Die Stiftungserträge stammen vor allem aus Studiengebühren, die an der Mannheim Business School ähnlich hoch wie bei der Konkurrenz sind: Für den einjährigen Management-Studiengang in Vollzeit werden beispielsweise 36.000 Euro fällig.

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