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Semestergebühren : Die Bitcoin-Uni

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Ganz schön international: An der privaten Management-Hochschule ESMT können Studenten seit gut einem Jahr mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen bezahlen. Bild: Andreas Pein

An der Business School ESMT in Berlin können Studenten mit Kryptowährungen zahlen. Ist das ein Marketinggag oder der Beginn eines Trends?

          Hochschulen gelten als Wiege der Innovationen. Hochschulverwaltungen sind hingegen meist alles andere als innovativ: bürokratisch, langsam, hinter dem Puls der Zeit zurück. Semestergebühren zum Beispiel müssen Studierende entweder überweisen oder bar an der Universitätskasse einzahlen. Selbst Paypal und Kreditkarten sind für Hochschulverwaltungen noch Fremdwörter. Anders an der European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin, einer im Jahr 2002 gegründeten privaten Management-Hochschule: Dort können Studierende und Mitarbeiter seit gut einem Jahr sogar mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen bezahlen. Ein Marketinggag?

          Der Marketingeffekt ist der ESMT eindeutig sehr willkommen. Doch Anlass waren angeblich Probleme mit herkömmlichen Zahlungswegen bei den Studiengebühren. „Viele unserer Studierenden kommen aus Nicht-Euro-Ländern wie Simbabwe, Brasilien oder Vietnam, und da ist es mit Banküberweisungen oft schwierig“, sagt Georg Garlichs, Chief Financial Officer (CFO) der ESMT. Entweder, weil es gar kein funktionierendes Bankensystem gebe. Oder weil die Überweisungsgebühren zu hoch seien und die Überweisung sehr lange dauere. „Oder weil die Banken hohe Überweisungen gar nicht erlauben“, so Garlichs. Um das Argument zu verstehen, muss man wissen: Das Studium an der ESMT kostet zwischen 25 000 und 60 000 Euro.

          Die Argumentation klingt logisch: Wo Banken nicht gut funktionieren, springt eine Kryptowährung ein. Schließlich liegt der Clou von Kryptowährungen wie Bitcoin darin, dass sie ohne Banken auskommen. Stattdessen verwalten die Nutzer selbst die Guthaben und bestätigten sich gegenseitig die Zahlungen. Statt über eine Bank läuft die Transaktion über Hunderte unabhängiger Computer und wird bei jedem Einzelnen gespeichert. So ist eine Manipulation fast unmöglich.

          Die ESMT ist daher auch nicht die erste Hochschule, die auf die Idee der Kryptowährung gekommen ist. Als erste Hochschule der Welt ließ vor gut vier Jahren die Universität in Nikosia auf Zypern Bitcoin als Zahlungsmittel zu: passenderweise im Studiengang „Digitale Währung“. Kurz darauf folgten Hochschulen in Großbritannien und in den Vereinigten Staaten. Auch in Vietnam und der Schweiz akzeptieren einzelne Hochschulen die Kryptowährung. Viele auch, um Erfahrung mit den neuen Techniken zu sammeln und das, was sie lehren und erforschen, selbst zu erproben.

          Deutsche Hochschulen sind hingegen skeptisch, wie eine Stichprobenumfrage der FAZ zeigt. Die ESMT ist die Ausnahme hierzulande. Egal, ob staatlich oder privat, ob Universität oder Fachschule: Sie erforschen Kryptowährungen und vor allem die dahinter liegende Blockchain-Technologie; mit Blockchain können Daten auf Hunderte verschiedene Rechner verteilt, hinterlegt und bestätigt werden. Kryptowährungen sind nur eine Anwendungsmöglichkeit. Manche Hochschulen überlegen zum Beispiel, Blockchain für Zeugnisse und Prüfungsergebnisse zu nutzen. Aber Kryptowährungen als Zahlungsmittel an der Hochschule selbst? Bitte nicht.

          Der Technischen Universität Darmstadt beispielsweise sind die Risiken zu wenig abschätzbar. Welche Risiken? „Alle“. Die LMU in München und die Universität Duisburg-Essen wiegeln hingegen ab, dass sie als staatliche Hochschulen gar keinen eigenen Entscheidungsspielraum hätten, neue Zahlungsmittel oder Zahlungstechniken einzuführen. Die ebenfalls staatliche Goethe-Universität in Frankfurt sieht noch andere Probleme. „Eine Bitcoin-Transaktion verbraucht in etwa so viel Energie wie ein Haushalt im Monat“, sagt Professor Udo Kebschull, Leiter des Hochschulrechenzentrums an der Goethe-Universität. Der Energieverbrauch sei bei Bitcoin „ein Riesenthema. Das wollen wir nicht unterstützen“. Außerdem sei die Währung zu volatil. Und die Semestergebühren müssten schließlich schon Monate im Voraus festgelegt werden.

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