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Bildungssparen Mit Sparschwein durch das Studium

06.05.2010 ·  Bildung ist teuer - auch in Deutschland. Ein Bachelor-Studium kostet 30.000 Euro. Während Amerikaner oft schon über die Kosten der Bildung nachdenken, wenn sie schwanger sind, schieben viele Eltern in Deutschland solche Überlegungen auf die lange Bank.

Von Philipp Krohn und Sebastian Balzter
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Plötzlich stand der BMW vor der Schule. Grün-silber-blau schimmerte er in der Sonne. Die Mitschüler zerrissen sich die Mäuler über Niko, den lebenslustigen Halbgriechen. Gerade war er 18 Jahre alt geworden, das Geld für das teure Gefährt, mit dem er nun die eineinhalb Kilometer zur Schule fuhr, stammte aus der fällig gewordenen Lebensversicherung, die sein Vater frühzeitig für ihn abgeschlossen hatte. Dieser, ein selbständiger Unternehmer, hatte seinem Sohn freigestellt, wofür er das Geld verwenden würde - ob, wie geplant, zur Finanzierung eines Studiums oder für andere Zwecke. Niko entschied sich für eine Lehre und das Auto. Inzwischen hat er den Betrieb des Vaters, der ihm von klein auf beigebracht hatte, dass nur harte Arbeit etwas einbringt, übernommen und erfolgreich modernisiert.

Bambino Rente, Ausbildungsversicherung oder Moneymaxx schreiben die Versicherungsunternehmen auf jene Produkte, durch die Kindern nach dem Abitur eine Finanzspritze zusteht, die ihnen wertvolle Jahre an der Uni ermöglichen soll. Zumeist sind das klassische oder fondsgebundene Lebensversicherungen, die so flexibel gestaltet sind, dass sie von der Altersvorsorge auch in eine Ausbildungsfinanzierung umgewidmet werden können. Der Marktführer Allianz dagegen bietet spezielle Kinderpolicen für diesen Zweck an. Gut 2300 Verträge hat die Allianz im ersten Vierteljahr verkauft, 15 Prozent mehr als im Vorjahr; insgesamt hat sie inzwischen 300.000 solcher Policen an ihre Kunden vermittelt.

„Ich halte das für ein wichtiges Produkt angesichts der Diskussion, dass Bildung Kapital ist“, sagt auch Helga Lau-Buschner, die Leiterin des Bereichs Mathematik/Grundsatz der R+V Versicherung. Sie hat keine eigene Broschüre für eine Ausbildungsversicherung, sondern widmet Policen flexibel um. Gegenüber einem normalen Sparvorgang sieht Lau-Buschner in ihrer Rentenversicherung den Vorteil, dass auch im Todesfall des Einzahlers die Leistung garantiert werde. Allerdings schöpfen die Versicherer für diesen Schutz auch einen Teil der Prämien ab, der nicht für die Verzinsung zur Verfügung steht.

„Ziemlich starre Produkte“

Deutlich weniger Begeisterung für Versicherungen kommt auf, wenn Martin Reuter über die Finanzierung von zukünftigen Bildungskosten spricht. „Das sind zwar bequeme, aber meistens auch kostenintensive und ziemlich starre Produkte“, sagt er. „Oft lassen sich die Prämien während der Laufzeit nicht reduzieren, wenn einmal das Geld knapp wird. Und Rendite-Highlights sind die meisten Versicherungen auch nicht.“ Reuter ist in der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen Fachmann für Altersvorsorge, seit zweieinhalb Jahren auch für Fragen rund um die Studienfinanzierung. So lange betreiben die Verbraucherzentrale und die Landesbank Nordrhein-Westfalen nun ein gemeinsames Projekt, um Oberstufenschüler, Lehrer und Eltern für die Ausgaben zu sensibilisieren, die ein Hochschulstudium mit sich bringt.

Statt Versicherungen empfehle er lieber einen Mix aus Tages-, Festgeld und Sparbriefen, sagt Reuter, oder verweise auf Banksparpläne mit sogenannten Indexfonds, deren Rendite von der Kursentwicklung eines ganzen Bündels von Aktien abhängt, wie sie Direktbanken wie Comdirect und Cortal Consors anbieten. Für risikoscheue Bildungsanleger eigneten sich auch Bundesschatzbriefe. „Für einen siebenjährigen Schatzbrief liegt die Verzinsung zurzeit zwar nur bei 2,45 Prozent“, räumt Reuter ein. „Aber immerhin werden die Sätze meistens ziemlich flott an die Marktentwicklung angepasst.“

All das ist nicht so sehr für die künftigen Studenten selbst als vielmehr für ihre Eltern, Verwandte oder andere Gönner interessant. Doch so vorausschauend wie Nikos Vater sind unter ihnen nur die wenigsten. Was ein BMW kostet und wie lange man für ein neues Auto sparen muss, ist vermutlich stärker im allgemeinen Bewusstsein verankert als die Kosten für ein Studium. Dabei lassen auch diese sich rasch überschlagen: Das durchschnittliche Budget eines Studenten beläuft sich der jüngsten Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks zufolge derzeit auf 812 Euro im Monat - macht in drei Jahren, der Regelstudienzeit für die meisten Bachelor-Studiengänge, knapp 30.000 Euro. „Darüber hat sich aber kaum jemand unserer Zuhörer vorher ernsthaft Gedanken gemacht“, fasst Martin Reuter die Eindrücke zusammen, die er und drei Kollegen bei rund 75 Vorträgen im Jahr an nordrhein-westfälischen Gymnasien sammeln. Dabei, räumt Reuter ein, kommen die Vorträge vor den Elft- und Zwölftklässlern eigentlich zu spät. Denn wenn das Abitur schon in Reichweite ist, lässt sich kaum noch etwas für die Semester danach ansparen.

Nur wenige planen frühzeitig

„Aber für eine frühzeitige Planung sind nur sehr, sehr wenige Leute aufgeschlossen“, sagt Reuter. Selbst unter den meist gutbetuchten Kunden der Bildungsberatung „Töchter und Söhne“ sieht es ähnlich aus. „Amerikaner und Briten denken schon über künftige Bildungskosten nach, wenn sie gerade erst schwanger geworden sind“, sagt Detlef Kulessa, der Gründer des Wiesbadener Unternehmens, zu diesem Phänomen. „In Deutschland setzt das Bewusstsein erst ein, wenn die Kinder in der Oberstufe sind.“ Unter seinen Kunden etwa sei nur einer von zehn an Finanzierungsmodellen interessiert. Kulessa erklärt dies aus der Tradition. „Hier kommt schließlich für Bildung seit Bismarcks Zeiten der Staat auf.“

Doch wer sich darauf verlässt, den erwischen steigende Lebenshaltungskosten und Studienbeiträge, zusätzliche Ausgaben für Auslandssemester oder Sprachkurse später womöglich auf dem falschen Fuß. Und nicht jeder kann oder will dann so spontan reagieren wie die türkischstämmige Familie, die ihrer talentierten Tochter einen dreimonatigen Aufenthalt an einer britischen Mädchenschule ermöglichen wollte und dafür die Beratung von „Töchter und Söhne“ in Anspruch nahm. 6000 Pfund für Gebühren und Flugtickets galt es aufzutreiben. Die Familie ließ sich davon nicht entmutigen. „Tanten und Cousinen, Omas und Opas gaben, so viel sie konnten, bis die Summe beisammen war“, berichtet Detlef Kulessa. „Weil sie wussten, wie wichtig Bildung ist.“

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Jahrgang 1977, Redakteur in der Wirtschaft.

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