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Arbeitsverträge in der Wissenschaft : Befristet, nicht beschränkt

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Die Befristung von Arbeitsverträgen des wissenschaftlichen Nachwuchses wirft seit geraumer Zeit ein schlechtes Licht auf das System. Bild: dpa

Es klingt zunächst nicht nett, wenn die Politik vorgeben will, dass eine wissenschaftliche Karriere sich spätestens sechs Jahre nach der Promotion entscheiden soll. Aber es ist klug gewesen.

          Das Wissenschaftszeitvertragsgesetz ist zweifelsfrei scheußlich. Aber es ist nicht die Ursache für die Misere der Beschäftigten an deutschen Universitäten. Seit Jahren besteht die Tendenz, unter Nachwuchswissenschaftlern die Schuld für Strukturprobleme des Universitätssystems dem Gesetz mit dem ungelenken Namen zuzuschieben. Dabei kursieren Halbwahrheiten und Irrtümer.

          Es ist denkbar, dass der Bundestag auf Initiative des Wissenschaftsausschusses in den nächsten Monaten Detailkorrekturen an dem Gesetz vornehmen will. Die Gefahr liegt darin, dass die Änderungen dem wissenschaftlichen Nachwuchs signalisieren sollen: „Seht her, wir tun etwas!“ Auf diese Weise könnte die Bundespolitik die Strukturprobleme vernebeln, unter denen das Universitätssystem tatsächlich leidet. Und die Politik könnte darauf vertrauen, dass die Betroffenen erst nach Jahren merken, dass sie betrogen worden sind.

          Vor den wahren Strukturproblemen darum zunächst ein Wort zu den Legenden. Erstens gibt es keinen „Befristungszwang“. Das Wissenschaftszeitvertragsgesetz verbietet unbefristete Beschäftigungsverhältnisse nicht. Jeder Universität steht frei, jederzeit vor und nach der Promotion einen unbefristeten Arbeitsvertrag abzuschließen. Das Gesetz erlaubt lediglich den Abschluss befristeter Arbeitsverträge bis zu sechs Jahren nach der Promotion (mit vielen Detailregelungen), ohne dass man sich um vormalige Beschäftigungen genauer kümmern muss. Vor allem aber erlaubt es beliebig viele befristete Beschäftigungsverhältnisse, falls die Stelle durch Mittel Dritter finanziert wird. Die Dritten sind dabei meist auch staatliche Einrichtungen (Ministerien oder Forschungsorganisationen). Universitäten befristen in großer Zahl, weil es ihnen an finanzieller Planungssicherheit ermangelt - und nicht weil das Gesetz es vorschreibt.

          Der Weg zu übersichtlicheren Regelungen

          Zweitens verringert das Wissenschaftszeitvertragsgesetz die Aussichten auf ein erfolgreiches „Einklagen“ der befristet Beschäftigten erheblich. Ja, die Regelungen sind aus Sicht der Hochschulen wesentlich übersichtlicher und flexibler als die alternativen nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz. Schon vor 2002 stellten Universitäten ihr Personal oft nur befristet ein; doch die Regelungen waren wacklig. Denn das Teilzeit- und Befristungsgesetz erlaubt eine Befristung ohne Sachgrund nur bis zu zwei Jahren; Kettenbefristungen sind verboten; und gute Sachgründe gibt es nur wenige. Auch damals zählten natürlich auch einfache Kopierjobs als Arbeitsverträge. Bis 2002 waren Personalabteilungen weit intensiver mit der Prüfung von Lebensläufen befasst. So stellten die Bundesregierung und das Hochschul-Informations-System GmbH (HIS) im Jahr 2011 in ihrer Evaluation fest, dass das Gesetz erfolgreich wirkt und insbesondere die Hochschulen von Verwaltung entlastet.

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