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Lehrernachwuchs : Für die Jungen wird es eng

Gerade im Fach Mathematik ist der Lehrernachwuchs nach wie vor gefragt - selbst in Bayern oder Nordrhein-Westfalen. Bild: dpa

Gestern noch waren Lehrer knapp. Heute schon klagen die Länder über zu viele Bewerber. Die meisten jungen Lehrer wollen ans Gymnasium. Dabei ist der Bedarf ganz woanders.

          Bayern macht zu. Wer als Lehramtsabsolvent jetzt auf der Warteliste für eine Stelle am Gymnasium steht, der wird es schwer haben. In der Lehrerbedarfsprognose für das laufende Jahr schreiben der bayerische Bildungsminister und sein Staatssekretär, dass „schon heute ein erhebliches Überangebot an Bewerbern besteht“. Das werde in den kommenden Jahren „noch erheblich anwachsen“. Wer auf der Warteliste steht, der sollte sich nach einer anderen Beschäftigung umsehen oder in andere Bundesländer ziehen. In den kommenden Jahren werde allein der laufende Prüfungsjahrgang in Bayern den Einstellungsbedarf übersteigen - da sind Lehramtsanwärter auf Wartelisten und Bewerber aus anderen Bundesländern noch gar nicht eingerechnet. Die Einstellungsquote im vergangenen Schuljahr lag bei 33 Prozent.

          Thorsten Funke, der eigentlich anders heißt, fängt trotzdem bald sein Referendariat in der Nähe von Bayreuth an, denn ihm bleibt nicht viel anderes übrig. Funke ist 30 Jahre alt, hat das Studium in Mainz abgeschlossen und wartet schon seit einem halben Jahr auf den Beginn seines Referendariats. In Rheinland-Pfalz: keine Chance. Es gab 840 Bewerber auf 240 Plätze, mit seinem Schnitt von 2,4 kam bekam Funke nur einen Warteplatz.

          Der ehemalige Student hat mit Englisch und Geschichte aber auch eine denkbar schlechte Fächerkombination: Kaum ein Bundesland braucht für diese Fächer Lehrer, auch nicht Hessen oder Baden-Württemberg, wo sich Funke auch beworben hat. Und so kommt es, dass der Akademiker schon am Anfang seines langen Weges zu einer unbefristeten Festanstellung vor Problemen steht. Das Angebot aus Bayern wird er wohl annehmen, damit er überhaupt etwas hat - auch wenn die Chancen auf eine spätere Übernahme sehr gering sind.

          In den Grundschulen fehlen Männer

          Deutschland steht mal wieder vor einem Wechsel im „Schweinezyklus“. Der Begriff kommt aus dem Arbeitsrecht und beschreibt den ständigen Wechsel von zu großem Angebot und zu großer Nachfrage. Während Hessen etwa 2010 noch bundesweit plakatierte, um Lehrer aus anderen Bundesländern anzulocken um den Mangel auszugleichen, schreibt das Bildungsministerium heute, dass sich „zu viele Studierende“ etwa für das Gymnasium entscheiden. In der aktuellen bundesweiten Lehrerbedarfsprognose der Kultusministerkonferenz bis zum Jahr 2025 steht, dass es, bezogen auf alle Lehrämter, jährlich durchschnittlich 7600 Lehrer zu viel geben wird. Das Überangebot steigt jährlich. Während es derzeit bei knapp 2000 liegt, soll es 2025 schon bei mehr als 13.000 Lehrern liegen. Mehr als die Hälfte dieses Überangebots betrifft die Gymnasien.

          In Nordrhein-Westfalen sieht die Bedarfprognose für Gymnasien und Gesamtschulen sogar noch düsterer aus: Das Bildungsministerium rechnet damit, dass im Jahr 2029 fast 20.000 Lehrer dort auf Stellensuche sind. Diese Zahl scheint deshalb viel höher als die bundesweite Prognose, weil jedes Land seine eigene Rechnung anstellt. Allein durch die doppelten Abiturjahrgänge hat Nordrhein-Westfalen schon heute kaum noch Bedarf an Absolventen. Zudem ist es die demographische Entwicklung, die abnehmende Schülerzahlen über Jahrzehnte erwarten lässt. Da hilft es auch nicht viel, dass in den kommenden zehn Jahren ein Drittel aller Lehrer pensioniert werden soll.

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