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Ausbildung : Psychotherapeuten zum Billigtarif

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Bild: Tresckow

Vollzeitjob ohne Lohn - die Ausbildung zum Therapeuten ist für viele Psychologen ein Drahtseilakt. Leisten kann ihn sich fast nur noch, wer aus sicheren Verhältnissen stammt.

          Manchmal, sagt Judith Bach, müsse sie mitten in einer Therapiesitzung innehalten, während ein Patient vor ihr sitze. "Das passiert vor allem dann, wenn ich über Achtsamkeit spreche - darüber, wie wichtig es ist, auf die eigenen Bedürfnisse einzugehen und die Belastungen im Alltag herunterzuschrauben", erklärt die 30 Jahre alte Diplom-Psychologin. "Mir fällt dann plötzlich auf, was für ein krasser Widerspruch es ist, dass ich als Therapeutin solche Ratschläge gebe, während ich selbst ständig hohen, unvermeidbaren Belastungen ausgesetzt bin - vor allem finanzieller Art." Judith Bach, die ihren wirklichen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, arbeitet in einer psychiatrischen Klinik. Auf ihrer Station ist sie die einzige Psychologin neben einem Arzt; fünf bis acht Patienten sind ihr zugeordnet. Für ihre Tätigkeit bekommt sie kein Gehalt, denn Bach ist "Psychotherapeutin in Ausbildung", im Jargon "PiA". Um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren, jobbt sie nebenher und hat ein kleines Zimmer in einer WG genommen. An Luxus wie Shopping oder Urlaub wagt die Dreißigjährige nicht einmal zu denken.

          Etwa 8000 Psychologen mit Diplom- oder Masterabschluss, unter 80 Prozent von ihnen sind Frauen, stecken derzeit in der sogenannten "Psychotherapeutenausbildung", die auch Judith Bach absolviert. Seit 1999 gibt es die Ausbildung in dieser Form. Sie wird durch das damals in Kraft getretene Psychotherapeutengesetz geregelt und ist seit Jahren umstritten. Jetzt hat auch die Psychotherapeutenkammer eine scharfe Kritik daran formuliert. Für ihre Tätigkeit bekommen die Psychologen im Mittel etwa 500 Euro im Monat, ergab im vergangenen Jahr ein Forschungsgutachten, das im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums erstellt wurde. Gut die Hälfte der Ausbildungsteilnehmer allerdings wird demnach überhaupt nicht bezahlt. Im Gesetz wird die Vergütung nicht thematisiert, daher die großen Unterschiede.

          Eingesetzt wie vollwertige Arbeitskräfte

          Mindestens drei Jahre dauert es, bis sich ein Psychologe nach dem Studium "Psychologischer Psychotherapeut" nennen darf. Dafür müssen unter anderem 1800 Arbeitsstunden in psychiatrischen Kliniken erbracht werden. "Die PiA werden dort als vollwertige Arbeitskräfte eingesetzt", sagt Florian Hänke, der Sprecher der Interessenvertretung PiA-Bundeskonferenz. "Sie führen Gruppentherapien und Einzelgespräche durch und sind für die gesamte Dokumentation verantwortlich, schreiben etwa Patientenberichte."

          Außerdem müssen die angehenden Therapeuten mehrere hundert Stunden Theorie, Supervision und Selbsterfahrung absolvieren; die Lehreinheiten kosten zusätzlich Gebühren. Im Durchschnitt zahlt ein PiA im Verlauf seiner Ausbildung dafür 23.400 Euro. Trotzdem finden sich nach wie vor Interessenten, denn die PiA-Zeit ist für den Zugang zu therapeutischen Tätigkeiten obligatorisch. Psychologen müssen die Ausbildung hinter sich bringen, um eine Approbation zu erhalten, die sie - anders als Ärzte - nicht mit dem Studienabschluss allein beantragen dürfen.

          Soziale Selektion

          Psychologen mit Studienabschluss können jedoch durchaus Stellen finden, ohne die Therapeutenausbildung durchlaufen zu haben. "Das ist möglich auf allen Feldern, die nicht psychotherapeutisch sind, sondern sich beispielsweise mit Beratung und Diagnostik befassen", sagt Lutz Goldbeck. Der Psychologieprofessor aus Ulm ist einer der Autoren des Forschungsgutachtens. "Ohne Psychotherapeutenausbildung kann man etwa als Schulpsychologe arbeiten, beim TÜV, wo über die Entziehung von Führerscheinen entschieden wird, oder bei der Bundeswehr." Allerdings, sagt Goldbeck, wollten etwa 80 Prozent der Psychologiestudenten in den therapeutischen Bereich.

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