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Ausbildung plus Studium : Erstmal was Solides

Bild: Peter v. Tresckow

Erst eine berufliche Ausbildung, danach ein Studium. Das alte Modell wird wieder beliebter. Zunehmend wird die Lehre sogar zum Schlüssel für den Hörsaal.

          Aus vielen Lebensläufen heute vergleichsweise hochstehender Menschen ist ein anfängliches Bemühen abzulesen, auch praktische Berufserfahrungen zu sammeln und nicht ganz in schulisch-akademischen Sümpfen zu versickern. Jürgen Fitschen, der Ko-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, ist so ein Beispiel. Er machte erst einmal eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann, ehe er Wirtschaft studierte. Auch viele Sparkassen- oder Genossenschaftsbankchefs haben am Anfang ihrer Vita die Banklehre stehen. Auch aus anderen Branchen gibt es Beispiele, wie etwa Philip von dem Bussche, Vorstandsvorsitzender eines der größten Saatgutunternehmen der Welt, KWS: Er machte nach dem Abitur eine Ausbildung zum Landwirt.

          Jan Grossarth

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Abiturienten wählen heute die „klassische“ Reihenfolge einer Berufsausbildung vor Studienbeginn weniger häufig als noch vor Jahrzehnten. Dennoch ist sie in vielen Fächern weiter beliebt und vielversprechend. Und berücksichtigt man, wie viele duale Studiengänge in den vergangenen Jahren entstanden sind, die Ausbildung und akademische Lehre kombinieren, gilt sogar der umgekehrte Befund: mehr Praxis im oder vor dem Studium war nie.

          Kein Auslaufmodell

          Auch die neuesten Zahlen zeigen, dass eine Ausbildung vor dem Studium kein Auslaufmodell ist. 27 Prozent der Studienanfänger zum Wintersemester 2009/2010 verfügten über eine Berufsausbildung, geht aus einer Auswertung des Hochschul-Informationszentrums Hannover (HIS) hervor. Der hohe Anteil erklärt sich allerdings dadurch, dass viele Fachhochschulstudenten - gerade diejenigen ohne Abitur - vor dem Studienbeginn eine Ausbildung machen (müssen). Aber auch etwa jeder zehnte Studienanfänger mit Hochschulreife hatte zuvor eine betriebliche Ausbildung gemacht. Insgesamt nimmt der Anteil der ehemaligen Azubis unter den Erstsemesterstudenten wieder zu. Unter Fachhochschulstudenten hatte zuletzt etwa jeder zweite eine Lehre vorangestellt. Von den Universitätsstudenten waren es 14 Prozent - mit wieder steigender Tendenz, nachdem der Trend zuvor über Jahre zurückgegangen war.

          Die Studenten mit beruflicher Vorerfahrung werden als zielstrebiger und disziplinierter beschrieben. Ein Beispiel ist Florian Nebel, der seinen wirklichen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Vor seinem Wirtschaftsstudium machte er eine Lehre als Hotelfachmann. Er musste an Wochenenden arbeiten, morgens das Frühstücksbuffet decken, sich mit quengeligen Gästen an der Rezeption herumärgern und Überstunden bis spät in den Abend schieben. „Das Grundstudium, das andere als Tortur erlebten, empfand ich als harmlos“, erinnert er sich. „Man weiß dann die Freiheiten an der Uni zu schätzen und hat kein Problem mehr mit der Selbstorganisation.“ Heute ist er Juniorprofessor für Volkswirtschaftslehre.

          Vor allem Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaftler machen vor dem Studienbeginn eine Ausbildung. Die knappe Mehrheit aller Ingenieurstudenten lernte zuvor einen technischen oder Fertigungsberuf. Ebenso lernten Wirtschaftswissenschaftler (an Universitäten und Fachhochschulen) zu mehr als 50 Prozent vor dem Studienbeginn Handels-, Bank- oder Versicherungskaufmann/frau oder einen Verwaltungs- oder Büroberuf, zeigen die HIS-Daten.

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