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Aus China nach Deutschland Studieren im Land von Porsche und BMW

 ·  Deutschland hat im Reich der Mitte einen guten Ruf, immer mehr Chinesen wollen hierzulande studieren. Noch viel lieber gehen sie aber nach Amerika: auch weil dort die bürokratischen Hürden niedriger sind.

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© Peter von Tresckow

Deutschland - das ist für Li Li schon lange kein Fremdwort mehr. Seit ihrer Kindheit beschäftigt sich die Chinesin mit Deutschland. Während ihre chinesischen Spielkameraden als Kindergartenkinder chinesische Trickfilmserien schauten, sah sich Li Li die Sendung mit der Maus an. Ihr Vater, ein Professor für Germanistik, brachte ihr viel über das Land der Dichter und Denker bei. „Das erste deutsche Wort, das ich sagen konnte, war Käse - fürs Fotografieren“, sagt die 22-Jährige. Heute studiert Li Li Wirtschaftsmathematik in Köln. Nach dem Bachelor ist sie nun für den Master eingeschrieben. Mit den beiden Abschlüssen in Deutschland glaubt sie, bessere Berufschancen zu haben - in China und in Deutschland.

So denkt nicht nur Li Li. Knapp 25.000 Chinesen studieren inzwischen in Deutschland; laut Statistischem Bundesamt sind rund 13 Prozent der internationalen Studenten an deutschen Hochschulen Chinesen. Damit stellen die Chinesen die größte Gruppe unter den ausländischen Studenten. Es gibt mehr als 750 Kooperationen zwischen deutschen und chinesischen Universitäten, das Interesse an einem Studium hierzulande wächst. „Deutschland hat einen guten Ruf bei den Chinesen, das macht das Land auch als Studienort interessant“, sagt Lezeng Li, Professor am Institut für Deutschland-Studien an der Tongji-Universität in Schanghai. Deutschland ist in China vor allem für Autos und andere hochwertige Produkte bekannt. Viele chinesische Studenten streben deshalb in ingenieurwissenschaftliche oder wie Li Li in mathematische Studiengänge.

Auslandsstudium gilt als selbstverständlich

Li Li könnte noch viel mehr chinesische Kommilitonen in Köln haben, ist doch ein Auslandsstudium für viele chinesische Familien aus der Mittel- und Oberschicht heute selbstverständlich. Doch im Wettbewerb um die chinesischen Studenten ziehen deutsche Universitäten und Hochschulen gegenüber ihren amerikanischen und britischen Konkurrenten oftmals den Kürzeren. Die schwierige deutsche Sprache und die Bürokratie hierzulande führen dazu, dass sich viele Eltern für eine Universität im englischsprachigen Ausland entscheiden. So studieren derzeit rund 158.000 Chinesen an amerikanischen Universitäten, die Zahl ist in den vergangenen Jahren sprunghaft gestiegen. Auch Australien und Großbritannien sind sehr beliebt.

„Die erste Wahl bleibt Amerika, weil man für das Auslandsstudium keine neue Sprache lernen möchte“, erklärt Li Li. Während Englisch in China schon im Kindergarten angeboten wird, steht Deutsch nur selten auf den Lehrplänen. „Chinesische Eltern entscheiden schon in der sechsten Klasse, ob ihr Kind Deutsch lernen soll“, sagt Jörg Drenkelfort, Fachberater für Deutsch in der chinesischen Stadt Chengdu. Damit mehr Chinesen Deutsch lernen und nach dem chinesischen Abitur, dem Gaokao, nach Deutschland kommen, gibt es nun ein Kooperationsprogramm mit vierzig Schulen in China. Viele Bewerber schreckt auch das geforderte Sprachzeugnis ab, wie Ibell Liu, eine Chinesin aus Schanghai. „Ich müsste 700 Stunden Deutsch nachweisen, bevor ich zum Studium in Deutschland zugelassen würde“, sagt die 31-Jährige, „das ist für mich schlicht unmöglich.“

Weil chinesische Eltern meist nur ein Kind haben dürfen, sind die Erwartungen an ein Studium in Deutschland hoch. „Die Fachwahl ist eher vom Wunsch der Eltern geprägt“, sagt Hans-Josef Ackermann vom Freshman Institute der Fachhochschule Aachen. Jedes Jahr bereitet er an seinem Institut rund 320 Chinesen auf das Studium in Deutschland vor. „Gerade in China ist man darauf bedacht, dass der Abschluss zu gut dotierten Stellen und sicheren Berufsaussichten führt“, sagt Ackermanns Kollegin Maria Kappenstein. Deshalb fällt die Wahl oft auf Ingenieurwissenschaften, Jura, Wirtschaft und Naturwissenschaften - zumindest zunächst. „Wir sehen durchaus die Tendenz, dass sich die jungen Menschen, wenn sie erst einmal in Deutschland sind, umentscheiden - mit dem Wissen der Eltern“, sagt Kappenstein.

Es gibt auch Chinesen, die sich gerade wegen der Sprache für ein Studium in Deutschland entscheiden. Sie wollen nach dem Abschluss in einer der mehr als 5000 deutschen Unternehmen in China arbeiten und sehen die Sprache als Wettbewerbsvorteil. Yaoming He hat aus diesem Grund in Deutschland studiert. „Ich wollte mich von den anderen Bewerbern abheben“, sagt der 23-Jährige, der an der privaten EBS-Universität für Wirtschaft und Recht an einem Bachelor-Austauschprogramm teilgenommen hat. Diesen Wettbewerbsvorteil sieht auch Jörg Drenkelfort, Fachberater für Deutsch in Chengdu: „In China lernen gerade Millionen junger Chinesen Englisch. Wer Deutsch kann, grenzt sich klar ab.“

Bürokratie als Hindernis

Die deutsche Bürokratie ist der zweite Grund, warum nicht noch mehr Chinesen in Deutschland studieren. Bewerber müssen ein gutes Gaokao-Zeugnis und ein Sprachzertifikat vorweisen, auch muss die Akademische Prüfstelle in Peking die Unterlagen geprüft haben. Weil die Chinesen erst im Juni zum Gaokao antreten, bleibt bis zum Bewerbungsschluss am 15. Juli nicht viel Zeit. Hinzu kommt: Je nach Fach ist eine persönliche Vorstellung in Deutschland nötig. „Selbst wer den gesamten Prozess durchläuft, hat keinen Studienplatz sicher“, sagt Jörg Drenkelfort, „das ist dann eine riesige Enttäuschung für die Familie.“ Amerikanische und britische Universitäten sind an dieser Stelle deutlich marktwirtschaftlicher und kundenfreundlicher aufgestellt: Sie vergeben schon im März oder April feste Zusagen, auf Bildungsmessen in China ist eine direkte Einschreibung möglich, vorausgesetzt, die Studiengebühren werden umgehend bezahlt.

Geld an sich spielt bei der Entscheidung für ein Studium in Deutschland nur eine untergeordnete Rolle, weiß Lezeng Li vom Institut für Deutschland-Studien in der Tongji-Universität. „Viele Eltern in China können inzwischen ein Auslandsstudium finanzieren.“ Die chinesische Regierung vergibt zudem viele Stipendien, auch Einrichtungen wie der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) fördern das Studium in Deutschland. Chinesen fragten oft, warum das Studium in Deutschland fast umsonst sei, obwohl es so gut sei, sagt Philipp Dengel, Geschäftsführer des Bayerischen Hochschulzentrums für China. „In China muss man für gute Qualität zahlen. Deshalb sind viele Eltern aus der Mittelschicht zunächst skeptisch, wenn sie hören, dass das Studium in Deutschland vergleichsweise günstig ist.“

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