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Anti-Ratgeber Teil 2 Was unsere Leser nie wieder studieren würden

Der kleine Anti-Ratgeber unserer Redaktion zu den schrecklichsten Studienfächern hat zahlreiche Leser motiviert, uns über ihre Fächer zu schreiben. Von Nasenvergleichen und Porscheträumen.

© dpa Nie wieder dieses Studium: Das denken sich auch viele unserer Leser.

Architektur

Stararchitekt ist ein schöner Beruf: kreative Tätigkeit weltweit, Zweitporsche, Stehempfänge. Das Studium war ganz darauf ausgelegt: Man beschäftigte sich vorzugsweise mit dem Entwurf von Museenvierteln, Konzerthäusern und Flughafenterminals. Um kleingeistige Aspekte wie Baukostenkontrolle, Ausschreibung, Vergabe, Brandschutz musste man sich nicht kümmern. Wozu gibt es schließlich die armen Vettern von der FH! Stattdessen nächtelang Zeichnen, Kleben, Basteln. Leider stellte sich nach dem Abschluss heraus, dass fast alle Stellen als Stararchitekt vergeben waren.

Friedrich Bartsch

Kunstgeschichte

Bereits beim Inskribieren war ich von lauter älteren Herrschaften - Seniorenstudenten - umgeben, die ich bald im Hörsaal wiedertreffen sollte. Die Professoren waren in ähnlich fortgeschrittenem Alter. Dazwischen ein paar höhere Töchter in Schottenkaro und mit goldenen Siegelringen. In den Bildern, für die ich mich interessiert hatte, steckten Leben und Leidenschaft, aber hier wurden große Würfe in kleine Häppchen zerlegt. Vorlesungen und Seminare befassten sich mit Detailproblemen, wie sie nur noch von den Archäologen (meinem Nebenfach) übertroffen wurden: stundenlange Nasenvergleiche in der Gipsabguss-Sammlung! Als ich eine Arbeit über Schloss Sanssouci schreiben musste, mich stattdessen aber über Friedrich II. ausließ, dem sein autoritärer Vater übel mitgespielt hatte, war mein Schicksal besiegelt: Ungenügend! Schließlich wurde ich Psychoanalytikerin.

Ruth Mätzler

Mathematik

Ich würde nie wieder Mathe studieren. In der Schule und mehr noch in der Uni war für mich Mathe immer die Königin unter den Wissenschaften; schließlich lassen sich alle ihre Aussagen auf Korrektheit überprüfen. Dazu kommt der Luxus, dass man sich keine Gedanken darum machen muss, ob man später einen Job findet. Geendet bin ich bei einer Bank. Sogar London und relativ gut bezahlt. Die Kehrseite ist, dass man als Doktor der Mathematik dort mit 35 Jahren immer noch die Drecksarbeit für 28 Jahre alte Betriebswirte macht, die selbst nicht in der Lage sind, ihren Bewertungsalgorithmus für das neueste Finanzprodukt zu schreiben. Dafür machen sie Druck. Und verdienen mehr als ich, weil sie ja so viel Verantwortung tragen.

Herr Kalinski

Zahnmedizin

Während sich das Wissen in der Medizin alle zehn Jahre verdoppelt, stagnieren die Errungenschaften der Zahnmedizin in zwanzig Jahre alten Erkenntnissen über Implantate oder Zahnfleischentzündungen. Dies wird durch die selbstgefälligen Professoren dadurch kompensiert, dass nutzlose Detailverliebtheit breitgetreten wird. Nach dem Physikum darf man sich in einer erschreckend autodidaktischen Weise das Behandlungsdogma der jeweiligen Uniklinik beibringen. Der Patient ist Nebensache. Im Rahmen des Staatsexamens nutzt jeder der künftigen Kollegen noch die Möglichkeit, den ungeliebten Schäflein Steine in den Weg zu legen. Die Berufswahl ist dann einfach: Entweder man bleibt an der Uni und versaut jungen Menschen die schönste Zeit ihres Lebens, oder man geht in die Niederlassung und kompensiert die Profilneurose mit einem neuen Porsche.

Schrodi Schmidt

Anglistik und Amerikanistik

Im Seminar geht Fake-Akzent über Inhalt. Die yeah-just-like-kinda-well-Füllwörter geben die Hierarchie im Raume an. Die Native-Speaker-Dozenten sind die Einzigen, die mich zum Studium motivieren. Die deutschen Dozenten beschränken sich auf die Kulturtheorien und Linguistik, die sich inhaltlich nach Semester zwei stets wiederholen. Während eines Auslandssemesters in Schottland habe ich die Sprache mehr durch das Sprechen gelernt. Hier sind Englischstudenten so wie Germanisktikstudenten in Deutschland. Niemand muss protzen. Man darf sich der Literatur widmen.

Fatima Krumm

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