Architektur
Stararchitekt ist ein schöner Beruf: kreative Tätigkeit weltweit, Zweitporsche, Stehempfänge. Das Studium war ganz darauf ausgelegt: Man beschäftigte sich vorzugsweise mit dem Entwurf von Museenvierteln, Konzerthäusern und Flughafenterminals. Um kleingeistige Aspekte wie Baukostenkontrolle, Ausschreibung, Vergabe, Brandschutz musste man sich nicht kümmern. Wozu gibt es schließlich die armen Vettern von der FH! Stattdessen nächtelang Zeichnen, Kleben, Basteln. Leider stellte sich nach dem Abschluss heraus, dass fast alle Stellen als Stararchitekt vergeben waren.
Friedrich Bartsch
Kunstgeschichte
Bereits beim Inskribieren war ich von lauter älteren Herrschaften - Seniorenstudenten - umgeben, die ich bald im Hörsaal wiedertreffen sollte. Die Professoren waren in ähnlich fortgeschrittenem Alter. Dazwischen ein paar höhere Töchter in Schottenkaro und mit goldenen Siegelringen. In den Bildern, für die ich mich interessiert hatte, steckten Leben und Leidenschaft, aber hier wurden große Würfe in kleine Häppchen zerlegt. Vorlesungen und Seminare befassten sich mit Detailproblemen, wie sie nur noch von den Archäologen (meinem Nebenfach) übertroffen wurden: stundenlange Nasenvergleiche in der Gipsabguss-Sammlung! Als ich eine Arbeit über Schloss Sanssouci schreiben musste, mich stattdessen aber über Friedrich II. ausließ, dem sein autoritärer Vater übel mitgespielt hatte, war mein Schicksal besiegelt: Ungenügend! Schließlich wurde ich Psychoanalytikerin.
Ruth Mätzler
Mathematik
Ich würde nie wieder Mathe studieren. In der Schule und mehr noch in der Uni war für mich Mathe immer die Königin unter den Wissenschaften; schließlich lassen sich alle ihre Aussagen auf Korrektheit überprüfen. Dazu kommt der Luxus, dass man sich keine Gedanken darum machen muss, ob man später einen Job findet. Geendet bin ich bei einer Bank. Sogar London und relativ gut bezahlt. Die Kehrseite ist, dass man als Doktor der Mathematik dort mit 35 Jahren immer noch die Drecksarbeit für 28 Jahre alte Betriebswirte macht, die selbst nicht in der Lage sind, ihren Bewertungsalgorithmus für das neueste Finanzprodukt zu schreiben. Dafür machen sie Druck. Und verdienen mehr als ich, weil sie ja so viel Verantwortung tragen.
Herr Kalinski
Zahnmedizin
Während sich das Wissen in der Medizin alle zehn Jahre verdoppelt, stagnieren die Errungenschaften der Zahnmedizin in zwanzig Jahre alten Erkenntnissen über Implantate oder Zahnfleischentzündungen. Dies wird durch die selbstgefälligen Professoren dadurch kompensiert, dass nutzlose Detailverliebtheit breitgetreten wird. Nach dem Physikum darf man sich in einer erschreckend autodidaktischen Weise das Behandlungsdogma der jeweiligen Uniklinik beibringen. Der Patient ist Nebensache. Im Rahmen des Staatsexamens nutzt jeder der künftigen Kollegen noch die Möglichkeit, den ungeliebten Schäflein Steine in den Weg zu legen. Die Berufswahl ist dann einfach: Entweder man bleibt an der Uni und versaut jungen Menschen die schönste Zeit ihres Lebens, oder man geht in die Niederlassung und kompensiert die Profilneurose mit einem neuen Porsche.
Schrodi Schmidt
Anglistik und Amerikanistik
Im Seminar geht Fake-Akzent über Inhalt. Die yeah-just-like-kinda-well-Füllwörter geben die Hierarchie im Raume an. Die Native-Speaker-Dozenten sind die Einzigen, die mich zum Studium motivieren. Die deutschen Dozenten beschränken sich auf die Kulturtheorien und Linguistik, die sich inhaltlich nach Semester zwei stets wiederholen. Während eines Auslandssemesters in Schottland habe ich die Sprache mehr durch das Sprechen gelernt. Hier sind Englischstudenten so wie Germanisktikstudenten in Deutschland. Niemand muss protzen. Man darf sich der Literatur widmen.
Fatima Krumm
Politik
Schon zu Anfang hatte sich meine Familie gewundert, was ich mit einem Politikstudium werden will. Meine Antwort: Doppelagent oder Taxifahrer. Erst nach sehr langem Studium wurde auch mir offenbar, dass hier tatsächlich niemand Interesse an einer Arbeitsmarktkompatibilität hatte. So stand ich mit meinem Diplom als Politologin in der Hand da. Bibliothekenreihen hatte ich autodidaktisch konsumiert, Russisch gelernt, in Moskau gewohnt, New York gesehen; aber das Formularfeld „Beruf“ blieb leer. Also machte ich mich daran, es auszufüllen: Ich machte meinen MBA. Nach wieder langen Jahren wurde ich in einem Bewerbungsgespräch gefragt: „Warum haben Sie nicht einfach eine kaufmännische Ausbildung gemacht?“
Cornelia Zwaka
Sozialpädagogik
Eigentlich war das Studium sehr angenehm. Ich fand nette Kollegen und Kolleginnen. Das Fach „Sozialpädagogik“ enthielt einen betriebswirtschaftlichen Schwerpunkt „Handeln in Organisationen“ und war die ganze Studienzeit über spannend und interessant, die Professoren und Dozenten gut. Und gerade für Männer hatte Gerhard Schröder zur Jahrtausendwende dringenden Bedarf in Frauenberufen angekündigt. Doch trotz meines guten Abschlusses und praktischer Erfahrungen am Ende, dotierte mein erster Job bei 200 Euro auf Honorar. Weitere Stellen bekam ich nur aufgrund meiner kaufmännischen und juristischen Vorkenntnisse und stets geben sich noch immer schlecht bezahlte Befristungen und Arbeitslosenzeiten freundlich die Hand. Einige meiner ehemaligen Kommilitonen wohnen noch immer oder schon wieder bei den Eltern, weil sie sich von ihren mehreren hundert Euro Monatsverdienst nicht einmal eine Wohnung leisten können. Sehr bald war ich ernüchtert und erfuhr immer wieder, dass aus paritätischen Gründen vor allem Frauen in den halbwegs attraktiven Jobs gesucht werden.
Tom Eitel
Theologie
Als Lehramtsstudent Theologie als Zweitfach zu wählen, war wohl die größte Sünde, die ich je begangen habe. Ich war nie gläubig oder religiös, dennoch war Religion eins meiner Abiturfächer, hatte immer gute Noten und aus starkem Interesse war ich hundertprozentig von meiner Studienfachwahl überzeugt. Meine wohl häretischen Ansichten waren in der Fakultät nicht gerne gesehen. Auf der ersten Fakultätsparty wurde mir verkündet: „Gott wird sich dir auch noch eröffnen“. Dazu kam, dass in quasi allen Lehrveranstaltungen an den Rahmenlehrplänen vorbei doziert wurde. Auch die Berufsaussichten sollten nicht außer Acht gelassen werden. Religionslehrer in Berlin? Ein Metier, das sich auf dem absteigenden Ast befindet. Viele meiner Kommilitonen brachen nach den ersten Semestern das Studium ab. Ich blieb fromm dabei, bis zu meinem Bachelor. Danach studierte ich einen nicht-konsekutiven Master. Gott sei Dank: ich muss die Theologische Fakultät nie wieder betreten.
Yannick Orto
Jura
Witzige Gedankenspiele, das pralle Leben wie durch eine Wurstmaschine in abstrakte Denkschemata gepresst, um am Ende eine juristische Falllösung auf dem Papier zu haben, das ist Juristerei. Die 8 Semester gehen rasend schnell vorbei, man fühlt sich wie in den himmlischen Hallen der Gerechtigkeit, getragen von der noblen Sprache der Obersten Gerichte. Die juristische Welt sieht wunderbar klar, strukturiert und sauber aus. Man darf diskutieren, sich eine eigene Meinung bilden und vor allem sich Unmengen an juristischem Wissen aneignen, ohne den Blick fürs wesentliche zu verlieren. Vom ersten Anschein eine bezaubernde, Zukunft verheißende Welt, die jedem mit Abitur zu gänglich gemacht wird, ohne NC, einfach so. Doch am Ende wartet für das Gros der Studenten die große Enttäuschung: Die im Studium trocken, rein dargestellte goldene Welt der Jurisprudentia steht in interessanter und vor allem lukrativer Form nur etwa 10 Prozent der Absolventen offen. Der Rest muss sich, wenn überhaupt, mit teilweise monotonen und weniger glänzenden Arbeitsplätzen begnügen. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich die Juristerei als Hochrisiko-Studium mit knallharten Leistungsanforderungen. So sehr mich das Studium fasziniert hat, zum Erlernen eines Berufes würde ich es aus heutiger Sicht nicht mehr absolvieren.
Sabine Hölzenbein
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Am besten ist man Reich und braucht nicht zu arbeiten
Sophia Orti (rum)
- 02.02.2013, 17:32 Uhr
komischerweise
peter neumann (wammy)
- 01.02.2013, 19:47 Uhr
Ingenieurwissenschaften
Nadie Nessuno (Abraham_a_Sancta_Clara)
- 01.02.2013, 19:16 Uhr
Mathematik, Herr Kalinski
Thomas Mirbach (lurkius)
- 01.02.2013, 18:01 Uhr
wo ich denn gesucht habe
Tom Eitel (tomos)
- 01.02.2013, 15:58 Uhr
