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Abschlussarbeiten : Der einsame Weg zum Examen

  • -Aktualisiert am

Für sich werben - mit mehrseitigen Motivationsschreiben

Angesichts der schwierigen Lage müssen sich Universitäten etwas einfallen lassen, um den alltäglichen logistischen Herausforderungen gerecht zu werden. Viele Lehrstühle gehen deshalb dazu über, ausschließlich vorgegebene Themen zuzulassen. Andere, wie zum Beispiel das Institut für Soziologie und Sozialpsychologie der Uni Köln, verlangen zusätzlich ein mehrseitiges Motivationsschreiben und einen Leistungsnachweis von jedem, der hier seine Arbeit schreiben möchte. Der massenhafte Andrang habe dieses Verfahren notwendig gemacht, heißt es beim Lehrstuhl. Wieder andere versuchen dem Ansturm Herr zu werden, indem sie mehr als ein Dutzend Termine festlegen, die für jeden Studenten verbindlich sind, oder indem sie ausschließlich Abschlussarbeiten auf Englisch zulassen. Nicht jeder fühlt sich beim Gedanken an eine 60-seitige fremdsprachige Arbeit wohl - auch das verringert aus Sicht des Lehrstuhls die Zahl der Abschlussarbeiten.

Die mangelhafte Betreuungssituation ist vor allem ein Problem an Universitäten, weniger an Fachhochschulen - obwohl auch dort die Tendenz mit Sorge beobachtet wird. „An Fachhochschulen ist die Betreuungsrelation bundesweit besser“, sagt Nicolai Müller-Bromley. Er ist Präsident des Hochschullehrerbundes und unterrichtet an der Hochschule Osnabrück öffentliches Recht, Europarecht und Völkerrecht. „Allerdings sehen wir auch hier die Entwicklung, dass durch die kürzeren Studiengänge und durch Bachelor und Master jedes Jahr mehr Abschlussarbeiten geschrieben werden.“ Im Schnitt betreut ein Professor an einer Fachhochschule etwa 20 bis 30 Abschlussarbeiten pro Semester, schätzt Müller-Bromley. Von vorgestanzten Themen hält er trotzdem nichts: „Ich frage meine Studenten immer, woran sie tatsächlich Freude haben und wo sie wirklich motiviert sind“, sagt er. Denn: „Nur dann kommt auch etwas Gutes dabei heraus.“

Auch an der Hochschule Osnabrück, an der Müller-Bromley lehrt, sitzen in den Veranstaltungen oft bis zu 150 Studenten. Trotzdem versucht der Professor, zu seinen Studenten eine persönliche Verbindung aufzubauen, wie er sagt: Er spricht deshalb jeden mit Namen an, bezieht einzelne in die Vorlesung mit ein, setzt auf Interaktion. Wer bei ihm eine Abschlussarbeit schreiben möchte, ist somit kein unbeschriebenes Blatt mehr. „Ich finde, das hat auch etwas mit Wertschätzung zu tun“, sagt Müller-Bromley. „Aber ich mache den Kollegen, die vielleicht kein ausgeprägtes Namensgedächtnis haben, keinen Vorwurf.“ Man könne aber auch anders eine persönliche Verbindung zu den Studenten aufbauen.

Gute Noten helfen

An der Universität Köln herrschen dagegen von vornherein andere Bedingungen. „Meinen Namen kennt hier kein Professor“, ist die angehende Sozialwissenschaftlerin Svenja überzeugt. In ihren Veranstaltungen sitzen manchmal 1000 Kommilitonen - etliche Veranstaltungen sind für Studenten verschiedener Studienfächer verpflichtend, das macht die Säle und Räume so voll. In den Seminaren wird es dann zwar etwas beschaulicher. Aber die werden fast nie von Professoren oder denen gehalten, die tatsächlich Abschlussarbeiten betreuen und bewerten, sondern oft von wissenschaftlichen Mitarbeitern, manchmal auch von externen Dozenten.

Trotzdem haben Studenten auch unter diesen schwierigen Bedingungen die Gelegenheit, aus der Masse hervorzustechen, glaubt Matthias Jaroch vom Deutschen Hochschulverband, der Berufsvertretung für Wissenschaftler in Deutschland. „Die Betreuungsrelation hat sich an den Unis konsequent verschlechtert. Trotzdem - oder gerade deshalb - sollten Studenten rechtzeitig auffallen, um einen Betreuer für ihre Abschlussarbeit zu finden.“ Das gehe am besten über Leistung, sagt Jaroch. Wer sich mit guten Noten hervortut, ob in Seminaren oder in großen Vorlesungen, werde es später leichter haben, einen Dozenten für die Abschlussarbeit zu gewinnen. „Im Grunde geht es gerade beim Bachelor ja nicht um wertvolle wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern in erster Linie um den Beweis, dass man wissenschaftlich arbeiten kann.“

Rechtzeitig Initiative zu zeigen und sich zu engagieren sei unbedingt empfehlenswert - was aber nichts daran ändere, dass die Universitäten vor allem mit einem strukturellen Problem kämpfen, unter dem die Studenten letztendlich leiden. „Die objektiven Bedingungen sind und bleiben schwierig.“

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