31.05.2012 · Ein Ziel der Bologna-Reform war, dass Absolventen schneller auf den Arbeitsmarkt gelangen. Neue Zahlen zeigen, dass dies auch gelingt.
Von Lisa BeckerRichtlinien für Lesermeinungen
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Also, wenn ich so etwas lese, kann ich echt nur noch den Kopf schütteln! Hier wird mit Statistiken um sich geworfen, daß einem übel wird! Jeder, der noch in der Lage ist sein Hirn einzuschalten, muß doch stutzig werden, bei der Aussage, in NRW hätten 57% eines Jahrgangs die Studierberechtigung erlangt! In Wirklichkeit ist dies doch wohl eher eine Aussage über das Niveau des Abiturs. Der IQ ist Gaußverteilt, somit bedeuten 57% Studierberechtigte nichts anderes, als daß man heutzutage mit unterdurchschnittlichem Intellekt an die Uni gehen kann. Wenn dann noch festgestellt wird, daß jene auch noch schneller studieren als dies zu Zeiten des Diploms der Fall war, was sagt das dann wohl über die neuen Studienabschlüsse aus? Die Unis bekommen ja heute schon mehr Kohle, wenn sie möglichst kurze Studiendauern nachweisen... Klar geht das Konzept auf, nur wie!? An meiner Uni durften wir Hiwis keine Ing.-Studenten (BA/MA) mehr durch's Praktikum fallen lassen, so wird Statistik gemacht!
Der Wissenschaftsrat empfiehlt, die Absolventenquote weiter zu erhöhen.
Wie wäre es denn, sie auf 100% zu heben? Dann hätten wir nur schlaue und gebildete Menschen für unseren "Fachkräftemangel". Das ist doch die Logik, oder?
Es wird alles getan um Deutschland zu schaden, das merkt man auch am
Diplom. Dieser Abschluß war weltweit anerkannt, kein Student hatte
damit Nachteile.
Aber im Rahmen des europäischen Einheitswahns mußte das ja
plattgemacht werden.
Bei mir kommt da Wut hoch.
Bei einer vollständigen...
... Wiedereinführung würde ich Ihnen sofort zustimmen, würde man jedoch das Diplom innerhalb des derzeitigen Systems wieder anbieten, wäre der gute Ruf in wenigen Jahren hinüber.
Ein Großteil der Studenten absolviert nach dem Bachelor noch einen
(in der Regel zweijährigen) Master. Die Regelstudienzeit wird also
nicht kürzer, sondern länger (4 auf 5 Jahre).
Es wird mal wieder viel Wind um nichts gemacht, viel verändert hat
sich m.E. nach nicht. Die stoffdichte im Bachelor hat zugenommen, das
"handwerkliche" steht im Vordergrund, dies eröffnet im
Master dann die Möglichkeit zur Entfaltung in Seminaren und kleinen
Gruppen mit den Dozenten. Dementsprechend halte ich das System für
eine Verbesserung durch straffere und vergleichbarere Lehrpläne.
Es mag je hin und wieder begabte Studenten geben, die mit 22 Jahren
wirklich schon über solide fachliche Kenntnisse verfügen und
relativ eigenständig Sachprobleme entdecken und wissenschaftlich
bearbeiten können. Ob das jedoch auf die breite Masse zutrifft, ist
mehr als fraglich.
Diese Zahlen erinnern zudem ein wenig an die Quartalszahlen einer
größeren Bank, von Ferne betrachtet durchaus respektabel,
jedoch können sie bei näherem Hinsehen erhebliche Defizite in
anderen Bereichen verschleiern.
Die Ökonomisierung der Studienzeit hat nicht nur Vorteile, sondern
kann durchaus auf Kosten anderer Kompetenzen gehen, z.B. gesunde
Persönlichkeitsentwicklung, hermeneutische Urteilskraft,
Gemeinschaftssinn, Moralität. Wenn da die künftigen Lebens-
und Arbeitserfahrungen nicht nachbessern, wächst eine richtungslose
Fassadengeneration ohne Tief- und Weitblick heran. Das wird dann am Ende
wesentlich teurer.
Ein hoher Preis für unnütze Geschwindigkeit
Was der Artikel nicht anspricht ist, zu welch hohen Preis wir uns die
Geschwindigkeit erkauft haben. Die Bachelor Absolventen sind in der
Praxis weder berufstauglich noch verfügen sie über die
fachlich-professionelle Eigenständigkeit früherer
Jahrgänge. Sie haben viel gelesen und vieles oberflächlich
behandelt, haben aber nie ein Thema wirklich im Studium vertieft. Die
Bologna Reform war eine einzige Unterwerfung des hochklassigen, weltweit
anerkannten deutschen Hochschulsystems unter den minderwertigen
europäischen Konsens, mehr nicht.
Der Bachelor produziert vom ersten Tag an einen enormen
Weiterbildungsbedarf, mit dem heute keiner mehr etwas zu tun haben
möchte. Weder die Unternehmen und Verbände, die einst am
lautesten gejammert haben, noch die Politik haben sich diesem
Karrierehindernis bislang angenommen. Wer vorausschauend studieren
möchte, tut dies heute am besten außerhalb der EU.
"Charakter"
lernt man nicht durch Trödelm beim Studium, da haben Sie irgendwas durcheinandergeworfen...
Bericht aus der Praxis:
"Der Bachelor produziert vom ersten Tag an einen enormen
Weiterbildungsbedarf, mit dem heute keiner mehr etwas zu tun haben
möchte." Herr Jung, jeder berufsbildende Abschluss im 21. Jhdt
"produziert vom ersten Tag an einen enormen
Weiterbildungsbedarf". Das die Firmen damit "nichts zu
tun" haben wollen, ist normal. Es ist völlig unerheblich, ob
Sie einen Bachelor oder einen Professor fragen: In der freien Wirtschaft
brauchen Sie IMMER nur maximal 20 % der Fachkompetenz, manchmal nur 5%,
den Rest lernt man vor Ort. Mit Bachelor hat das nichts zu tun.
Im Übrigen steht jedem frei, den Master hinterherzumachen, falls
die Industrie das hinterher entsprechend besser vergütet.
"Ausserhalb der EU" studieren? Aha, und wo?
ob das rein am Bachelor liegt?
Oder nicht vielleicht doch eher an den Studiengebuehren?
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 31.05.2012 13:21 Uhr"Studiengebühren"
Herr Maas, wenn Sie sich über die Peanuts aufregen, die in Deutschland als "Studiengebühren" gezahlt werden müssen, empfehle ich Ihnen einen Blick nach Frankreich, England oder in die USA. Studienkredite jenseits der 100.000 Euro sind völlig normal. In D haben Studenten in einigen Städten hohe finanzielle Belastungen wegen Mieten und anderen Lebenshaltungskosten, sicher nicht wegen den symbolischen "Studiengebühren".