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Veröffentlicht: 29.01.2013, 10:16 Uhr

Bildungsmobilität Überraschend viele Aufsteiger in Deutschland

Aufsteigerkarrieren sind in Deutschland rar. Stimmt so nicht, besagt nun eine neue Studie: Viele Menschen schafften einen höheren Bildungsabschluss als die Eltern.

© dpa Hauptschule und kein Ausweg? Aufsteigerkarrieren im Bildungsbereich gibt es doch.

In Deutschland sind Bildungsaufstiege nicht so selten, wie gemeinhin vermutet wird. Das besagt eine neue Studie des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) mit Daten des Nationalen Bildungspanels (NEPS). Demnach ist der Bildungsabschluss von knapp einem Drittel der Personen im Alter zwischen 35 und 44 Jahren in Deutschland höher als der Abschluss ihres Vaters. Nur etwa knapp ein Fünftel hat einen niedrigeren Bildungsabschluss. Legt man den Bildungsabschluss der Mutter zugrunde, sind sogar zwei von fünf Personen in der Altersgruppe der 35-bis-44-Jährigen Bildungsaufsteiger. Nur jeder Elfte ist als Bildungsabsteiger anzusehen, wie aus dem Papier hervorgeht, das FAZ.net vorliegt und über das das „Handelsblatt“ zunächst vorab berichtet hatte.

Infografik / Tabelle / Bildungsmobilität nach Alter und Geschlecht © F.A.Z. Vergrößern

Diese Befunde sind insofern überraschend, als erst kürzlich eine Studie Aufsehen erregte, die zeigte, wie stark die Karrierechancen in Deutschland noch immer vom Elternhaus abhängen. Die Daten zu den Bildungsaufsteigern suggerieren jedoch, dass dies nicht für alle Zeiten zementiert sei. Die Studienautoren des IW jedenfalls rechnen für die Zukunft mit Blick auf die Bildungsabschlüsse mit vielen Aufsteigern. Zwar mache die Bildungsexpansion der vergangenen Jahrzehnte solche Aufstiege schwieriger. Doch sei etwa der Anteil der Gymnasialbesucher unter den 17-Jährigen, deren Vater über keinen beruflichen Abschluss verfügt, zwischen 2000 und 2009 von 17 auf 22 Prozent gestiegen.

Infografik / Bildungsabschlüsse nach elterlichem Bildungshintergrund © F.A.Z. Vergrößern

Das Papier widmet sich auch den Ursachen für Bildungsmobilität. Hier zeigt sich, dass die Vorbildfunktion der Eltern für die Bildungschancen junger Menschen durchaus noch immer ein wesentlicher Faktor ist: Kinder, deren Eltern von Sozialleistungen leben, besuchen bei gleichen Einkommensverhältnissen wesentlich seltener ein Gymnasium als junge Menschen, deren Eltern Erwerbseinkommen beziehen. Die Berechnungen zeigen zudem, dass die Wahrscheinlichkeit, einen Hochschulabschluss zu erreichen, für Kinder, deren Vater einen Hochschulabschluss aufweist, unter sonst gleichen Bedingungen um 24,4 Prozentpunkte höher ist als für Kinder, deren Vater nur einen Lehr- oder Fachschulabschluss hat. Neben dem Bildungsniveau der Eltern korreliert auch eine Tätigkeit des Vaters als Fach- und Führungskraft signifikant positiv mit der Wahrscheinlichkeit eines Hochschulabschlusses.

In Deutschland geborene Kinder mit Migrationshintergrund haben der Studie zufolge unter sonst gleichen Bedingungen bessere Chancen auf einen Bildungsaufstieg als Menschen ohne Migrationshintergrund. Deutliche Nachteile zeigten sich hingegen für junge Menschen, die bei Alleinerziehenden und in großen Haushalten aufwachsen.

Infografik / Abbildung / Gymnasialbesuch nach Bildungshintergrund © F.A.Z. Vergrößern

Die Autoren folgern, dass diese Personengruppen in der Bildungspolitik besonderes Augenmerk erhalten sollten. Gerade für Kinder aus großen Haushalten könne neben einer gezielten Förderung auch die Bereitstellung geeigneter Lernräume in Ganztagsschulen oder anderen Einrichtungen eine wichtige Rolle spielen.

Weil die Vorbildfunktion der Eltern eine große Rolle spiele, müsse sich die Bildungspolitik auch die Frage stellen, wie positive Orientierungspunkte für junge Menschen geschaffen werden könnten, die aus Elternhäusern kommen, in denen die Voraussetzungen für den Bildungserfolg ungünstig sind.

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