06.03.2005 · Die Ergebnisse einer Befragung von 3700 Absolventen aus MBA-Programmen in Deutschland, der Schweiz und Österreich zeigen: Die Mehrzahl der Absolventen profitiert eindeutig von der Zusatzqualifikation.
Von Hans-Martin Barthold und Sascha SpounÜber kaum ein Thema berichten Karrieremagazine so oft und so ausgiebig wie über das des Master of Business Administration, kurz MBA. Aber nirgendwo sonst auch gehört so viel des Geschriebenen ins Reich der Mythen und Märchen wie hier.
Viele Rankings, darunter selbst solche renommierter Zeitungen, machen da keine Ausnahme. Zwei Dutzend Personalchefs nach ihren Favoriten unter den einschlägigen Hochschulen zu befragen, mag zwar deren Eitelkeit schmeicheln, zu einem Erkenntnismehrwert verhilft es nicht. Jetzt legt der F.A.Z.-Hochschulanzeiger in seiner Märzausgabe Ergebnisse einer Befragung von 3700 Absolventen aus 22 akkreditierten MBA-Programmen in Deutschland, der Schweiz und Österreich vor. Die Antworten der MBA aus den Prüfungsjahrgängen 2000 bis 2003 zeigen, welche Hochschulen und Programme gut für den Spurt auf der Gipfeletappe vorbereiten.
Karriereschub nach oben
Gelten unter Personalfachleuten die Programme hierzulande im Vergleich zu den Großen der Szene, wie Harvard, Wharton, INSEAD oder der London Business School, noch immer als Leichtgewichte, beweist dieses Ranking die gewachsene Wettbewerbsfähigkeit deutscher Programme. Zwar spielen nur wenige Angebote schon in der Königsklasse, viele aber können auf eine ansprechende, einige wenige sogar auf eine sehr gute Leistungsbilanz verweisen. Aufgrund ihrer Ausrichtung auf völlig unterschiedliche Marktsegmente ist strikt zwischen Executive- und Junior-Programmen zu unterscheiden. Zielgruppe der ersten Angebote sind führungserfahrene Fachkräfte, die anderen Programme richten sich an Akademiker am Karrierebeginn.
Auch wenn der Ursache-Wirkungs-Zusammenhang nicht immer erklärt werden kann, ist doch unbestreitbar: Die Mehrzahl der Absolventen profitiert maßgeblich von der Zusatzqualifikation MBA. Vier von fünf bilanzieren seinen Mehrwert als hoch und sehr hoch. Ebenso viele erzielen einen Einkommenszuwachs - unmittelbar nach Abschluß des MBA von durchschnittlich 45 Prozent, vier Jahre später beläuft sich der Zuwachs auf 80 Prozent. Fast alle berichten über einen zügigen Funktionsaufstieg und die Erweiterung ihrer Führungsverantwortung. Einen überdurchschnittlichen Karrierezuwachs, selbst auf den oberen Funktionsebenen, erzielen erwartungsgemäß die Absolventen der Executive-Programme. Allen voran die der Uni St. Gallen/MBE-Programm, der WHU Vallendar, der Universitäten Augsburg, Bern und Krems/EMBA-Programm sowie der Wirtschaftsuniversität Wien. Die Absolventen des IMD Lausanne tun sich hierbei schwerer als erwartet. Mit ansprechenden Ergebnissen, freilich nur auf den unteren Karriererängen, präsentieren sich die Junior-Programme.
Vom Rohdiamanten zum Juwel
Eine genaue Analyse der Programme zeigt vor allem zwei Dinge. Für Nichtökonomen ebenso wie für die älteren und führungserfahrenen Absolventen der Executive-Programme ist die karriereunterstützende Wirkung des MBA sicherer. Auch wenn ihre absoluten Zuwächse geringer ausfallen, oft ist es der entscheidende letzte Schritt auf den Karrieregipfel. Demgegenüber gelingen Nachwuchskräften mit einem Junior-MBA zwar in gleicher Zeit größere Sprünge, ungewiß aber bleibt, ob ihr Weg sie tatsächlich irgendwann bis in den Vorstand führt. Denn klar ist, der MBA kann einen noch ungeschliffenen Rohdiamanten zum Juwel, aber aus einem Jumbo-Jet auch in hundert Jahren keine Concorde machen.
Als Instrument eines Karriere-Turnaround für gescheiterte Akademiker taugt der MBA mithin nicht. Ohnehin lohnt das kostspielige MBA-Investment nach Meinung des Leiters Personalmarketing der Münchner HypoVereinsbank, Oliver Maassen, "nur, wenn es als zusätzlicher Kompetenzbaustein den roten Faden des Lebenslaufes aufnimmt und den angestrebten Karriereschritt sinnvoll unterstützt". Und nur, wenn anschließend dessen zeitnahe Umsetzung gelingt. Denn der MBA erweist sich nur kurz nach Abschluß als elastisches Karrieresprungbrett.
MBA als Zusatzqualifikation für alle Fächer hilfreich
Beim Karriereerfolg nach Funktion und Verantwortungsumfang erzielen alle Fachdisziplinen vergleichbar gute Zugewinne, auf einer siebenstufigen Skala im Durchschnitt um jeweils ein beziehungsweise eineinhalb Stufen. Sozial- und Geisteswissenschaftlern dient der MBA zuvorderst, und dies sehr gut, als Ausgangspunkt für einen Karrierewechsel, dem eine Karrierebeschleunigung folgen kann. Auffällig ist indessen, wie viele Ingenieure - sie stellen die Hälfte der MBA-Absolventen - von der dritten und zweiten Führungsebene aus aufsteigen, insbesondere die mit einem universitären Diplom. Verwundern kann das kaum, denn nahezu jeder zweite MBA ist in Industrie und IT tätig. Mit deutlichem Abstand erst folgen die Finanzwirtschaft und die Unternehmensberatungen (je 11 Prozent) als Arbeitgeber.
Unter Personalmanagern zwar umstritten, der Datenlage nach aber eindeutig, beschleunigt der MBA gleichwohl auch die Karriere von Wirtschaftswissenschaftlern. Warum? Didaktik und Curriculum des Management-Crashkurses MBA unterscheiden sich klar von einem BWL-Studium. Redundanzen sind also ausgeschlossen. Die konsequent anwendungsorientierten Lehrveranstaltungen des MBA konzentrieren sich auf die Verbesserung der Handlungsfähigkeit und die Vermittlung strategischer Kompetenzen. Schließlich möchte die Weiterbildung zum MBA den Weg ins General Management ebnen. "Für Funktionen mit bereichsübergreifender Aufgabenstellung schätzen wir den MBA als Zusatzqualifikation sehr", sagt Joachim Stormanns von der Kölner Ford AG.
MBA ist idealer bei Universitätsabsolventen
Wenig überraschend: Im Wettbewerb um die letzten Meter setzt der MBA bei Universitätsabsolventen ganz offensichtlich die größeren Reserven frei. Absolventen mit einer Fachhochschulvorbildung machen zwar im Mittelmanagement die bessere Figur, in der dünneren Luft der obersten Karrierestufen sind ihnen die Konkurrenten mit einem Universitätsdiplom aber überlegen. Die Begründung ist so einfach wie einleuchtend. Der MBA führt fort, wofür die Uni bereits das Fundament legte: die Entwicklung generalistischer Führungsfähigkeit. Dafür ist der Input der Hochschulen bedeutsam, allerdings weit weniger entscheidend als bisher angenommen. Weder die Zahl der Unterrichtsstunden noch die von den Schulen vorgegebenen Werte in TOEFL und GMAT, weder die Verpflichtung zur Master-Thesis noch die Selektionsquote geben die Plätze vor.
Einzig eine universitäre Infrastruktur birgt augenscheinlich gewisse Vorteile. Als viel wichtigere Kriterien schälen sich der von den Teilnehmern schon vor Ausbildungsbeginn erreichte Karrierefortschritt und deren individuelles Leistungspotential heraus. Carl Epple, promovierter Chemiker mit einem MBA der Universität Augsburg, sagt: "Von den Kommilitonen lernt man mindestens ebenso viel wie durch die offiziellen Lehrveranstaltungen." Die Rankingdaten bestätigen das. Hinsichtlich Funktions- und Verantwortungszugewinnen sowie nach Ausgangsniveau differenziert präsentieren sich die Programme mit den ältesten und berufserfahrensten Teilnehmern auch als die leistungsstärksten.
Brückenschlag zwischen unterschiedlichen Managementkulturen
Im direkten Vergleich dazu vermögen die Vollzeit-Executive-Programme mit ihren deutlich jüngeren Absolventen dem deshalb (noch) nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen. Rekrutieren sich die Teilnehmer der Teilzeit-Executive-Programme zu 45 Prozent aus den drei obersten Karrierestufen Abteilungsleiter, Bereichsleiter/Geschäftsführer und Vorstand, so kommen sie in den Executive-Programmen Vollzeit zu 70 bis 90 Prozent aus den unteren Funktionsebenen Sachbearbeiter, Vorstandsassistent und Projektleiter. Dennoch sind diese Teilnehmer weder weniger leistungsorientiert noch weniger leistungsstark. Im Gegenteil. Die stringente aktive Karriereplanung, die Übertragung umfangreicher Verantwortung sowie die großzügige gehaltliche Honorierung schon zu einem sehr frühen Karrierezeitpunkt weisen auf ihre hervorragende Wettbewerbsfähigkeit - und darauf, daß sie den Wechsel auf die Zukunft wohl schon bald einlösen werden. Und noch etwas zeichnet diese Programme aus: die internationale Zusammensetzung ihrer Teilnehmer, dabei ist das IMD in Lausanne allen anderen weit voraus.
Überdies gibt es Franchise-, Offshore- und Kooperationsprogramme. Sind die ersten vielfach sehr labile Konstruktionen, die wenig Planungssicherheit bieten, ist bei Offshoreprogrammen ausländischer Schulen nach der Adaption an europäische Managementstandards zu schauen. Kooperationsprogramme wie die der Universität Bern, der Wirtschaftsuniversität Wien, der GISMA, WHU, ESCP-EAP, Uni Augsburg, der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und der ESB Reutlingen dagegen gründen in stabilen Strukturen und versuchen den Brückenschlag zwischen unterschiedlichen Managementkulturen. Und das gelingt den meisten gut.