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Was Arbeitnehmer wollen : Rein in die Komfortzone

Was deutschen Arbeitnehmern wichtig ist? Ein kurzer Weg ins Büro zum Beispiel. Weitere Wünsche in der Bildergalerie. Bild: dpa

Deutschen Arbeitnehmern ist nichts wichtiger als ein sicherer Arbeitsplatz. Gleichzeitig hangeln sich viele nur mäßig motiviert durch den Berufsalltag. Wie passt das zusammen?

          Dass die Deutschen nicht das risikofreudigste Volk sind, ist bekannt. Aber das Ausmaß ihres Sicherheitsbedürfnisses überrascht dann doch: Auf die Frage, was für sie das entscheidende Kriterium für eine berufliche Veränderung ist, nennt die große Mehrheit der Beschäftigten nicht das Gehalt und auch nicht die spannende Aufgabe. Was zählt, ist vor allem eines: ob der neue Arbeitsplatz sicher ist. Das hat eine Umfrage der Unternehmensberatung Towers Watson unter 32.000 Arbeitnehmern ergeben, darunter 1000 aus Deutschland. 

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Ein weiteres Ergebnis der Studie: Wer einmal die Stelle gewechselt hat, gibt sie so schnell nicht wieder her. Nur 17 Prozent der Mitarbeiter wollen ihren Arbeitgeber in den nächsten zwei Jahren verlassen, international ist das einer der niedrigsten Werte. In Großbritannien denkt jeder dritte Mitarbeiter an einen baldigen Wechsel, in der Schweiz sind es 27 Prozent, in Frankreich 26 Prozent, die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Allein die Italiener sind ebenso sesshaft wie die Deutschen. „Hierzulande steigt die Vergütung oftmals proportional zur Erfahrung und Betriebszugehörigkeit“, sagt Studienautorin Heike Ballhausen. „Dadurch sinkt mit den Jahren die Bereitschaft, das Unternehmen zu verlassen.“ 

          Nun könnte man argumentieren, dass die Zahlen für die Wirtschaft erfreulich sind, verursacht doch jede Kündigung und Neubesetzung Arbeit. Doch die Sache hat einen Haken: Die Umfrage hat nämlich auch ergeben, dass die Deutschen im Vergleich zu anderen Nationen am Arbeitsplatz eher mäßig motiviert sind. Nur 35 Prozent der Befragten ordnen die Berater der Kategorie „nachhaltig engagiert“ zu, der internationale Durchschnitt liegt fünf Prozentpunkte höher. Umgekehrt ist der Anteil derer, die Dienst nach Vorschrift machen oder gänzlich unmotiviert sind, in Deutschland deutlich höher als anderswo. 

          Wie also mehr Leidenschaft wecken?

          Geringe Motivation, geringe Wechselbereitschaft – die Berater von Towers Watson nennen diese Gemengelage eine „Herausforderung“ für die Unternehmen, was so viel heißt wie: Es gibt hier ein handfestes Problem, auch finanzieller Art. Die Unternehmen mit wenig motivierten Mitarbeitern steigerten ihren Gewinn binnen eines Jahres nur um 8,2 Prozent, die mit einer motivierten Belegschaft dagegen um 18,3 Prozent.

          Schon seit einiger Zeit mehren sich die Umfragen, die auf einen Wertewandel hindeuten. So wollen drei von zehn Studenten später bevorzugt beim Staat arbeiten; nur die wenigsten zieht es in die Privatwirtschaft, so das Fazit einer im Juli veröffentlichten Erhebung der Beratungsgesellschaft EY. Bislang gingen Arbeitsmarktforscher davon aus, dass das Verlangen nach mehr Freizeit und weniger Arbeit vor allem ein Phänomen der Generation Y ist, der nach 1980 Geborenen. Inzwischen aber deutet einiges darauf hin, dass sich auch bei den Älteren die Prioritäten verschieben.

          Dazu passt, dass in der Towers-Watson-Umfrage den Arbeitnehmern auch das bequeme Erreichen des Arbeitsplatzes wichtig war – ein Aspekt, den die Unternehmen bislang als eher unwichtig einstufen. Wie also mehr Leidenschaft wecken? Interessanterweise appellieren die Berater von Towers Watson in dieser Frage nicht zuerst an den Arbeitsethos der Mitarbeiter, sondern an die Führungskräfte und die Art und Weise, wie sie mit den Beschäftigten kommunizieren. An Kommunikation mangele es in den meisten Unternehmen zwar nicht. „Aber oft geht das über werbliche Formulierungen nicht hinaus“, bemängelt ein Sprecher. Mehr Ehrlichkeit statt Schön-Wetter-Reden – die Arbeitnehmer würden es danken.

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