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Wohl bekomm’s : Mittagspause – und zwar richtig

Mittagspause vor der Frankfurter Börse Bild: Eilmes, Wolfgang

Die einen pflegen sie als geliebtes Ritual. Die anderen lassen sie täglich ausfallen und verschlingen ein Brötchen über der Tastatur. Aber wer richtig Mittagspause macht, leistet mehr.

          Der Inhaber des kleinen, feinen Verlags im Münchener Osten schwört auf eine ausgiebige Mittagspause. Sein Unternehmen ist sein Lebenswerk, die Angestellten betrachtet er als erweiterte Familie. Arbeitstag für Arbeitstag lädt er sein Team großzügig zum Italiener ums Eck ein. Kneifen gilt nicht. Während die einen die großzügige Geste und die kurze Auszeit im Herzen von Haidhausen genießen, fühlen sich andere Kollegen vom generösen Chef fast zwangsbeglückt.

          Ursula  Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          So wie der IT-Experte Klaus, der lieber durcharbeiten würde, unruhig auf den Espresso und das Signal zum Aufbruch wartet, sich aber dem Gruppendruck fügt: „Die anderen lieben die ausgiebige Mittagspause, ich will da nicht quertreiben.“ Zur charmant ausgefüllten Patriarchenrolle des mitteljungen Chefs gehöre nun mal das Mittagsritual, seufzt er und registriert erstaunt die Anwaltsteams am Nebentisch, die offenbar ebenfalls gerne mit der halben Kanzlei einkehren.

          Das stärkt das Gemeinschaftsgefühl, steigert die Leistung, das Gehirn reorganisiert sich in Pausen: Diese Binsenweisheiten und all die klugen Studien dazu, dass ein unterzuckertes Gehirn seine Zellen nur schwer in Gang bringt, die können die meisten zitieren.

          Schlechte Vorbilder gibt es genug

          Auch die hartnäckigen Pausenvermeider, die sich damit begnügen, ein Brötchen über der Tastatur zu verschlingen oder zwischen zwei Telefonaten hastig einen Joghurt zu löffeln. Am liebsten wäre ihnen eine Pipeline vom Schreibtisch in die Kaffeeküche, denn Magenknurren wird mit reichlichem Koffeinkonsum niedergekämpft.

          Oder mit dem Gang zur sogenannten Glücksspirale, die im Foyer vieler Unternehmen steht: Der Schokoriegelautomat, vor dem sich bevorzugt nachmittags viele figurbewusste Frauen wiederfinden, die ihren Stress kurzfristig mit einem Karamellriegel beheben. Schlechte Vorbilder gibt es genug, kein Fernsehkommissariat kommt ohne Mahlzeit aus dem Pizzakarton aus, doch meist wird noch vor dem Biss in die fetttriefende Salami die erste Leiche gemeldet. Wohl bekomm’s.

          Die Mittagspause sollte einen Kontrast zur Arbeit bilden

          Kein Wunder, wenn sich Pausenverweigerer abends bleischwer von ihrem Bürostuhl erheben. Denn sie machen so ungefähr alles falsch, was man falsch machen kann, erklärt Anne Katrin Matyssek. Die Kölner Psychologin hat ein Buch über das Pausemachen geschrieben. Ihr Tipp: Auf Abwechslung setzen, sich mittags ein Kontrasterlebnis verschaffen, „darauf achten, was anderes zu sehen, zu tun, zu denken“.

          Bild: Cyprian Koscielniak

          Wer nur in Konferenzen steckt, viele Gespräche führt, der braucht vielleicht Ruhe und die Runde um den Block, Motto: Ich bin dann mal weg. Wer sich hingegen allein durch Akten und Tabellen arbeitet, den entspannt möglicherweise eine Kollegenrunde am Kantinentisch. „Es ist gut, sich vom Arbeitsplatz zu entfernen und nicht nur Nahrung einzuwerfen, sondern Essen zu genießen. Alles, was wir genießen, dient dazu, den Energie-Akku aufzuladen“, bekräftigt die Trainerin.

          Auf eine üppige Hauptmahlzeit sollte man besser verzichten

          Und sie geht mit gutem Beispiel voran. Wenn sie Seminare gibt, geht sie mit den Teilnehmern essen und akzeptiert quasi, dass sich ihr Einsatz fortsetzt. Denn natürlich nutzen die Seminarteilnehmer die Gelegenheit und stellen zwischen Suppe und Salat Fragen. „Da bin ich in meiner Rolle als Leiterin und stehe zur Verfügung“, sagt die Rheinländerin. Aber auf dem Rückweg zum Tagungsort klinkt sie sich regelmäßig aus. Dann hat sie eine Auszeit nur für sich.

          Auch wenn sie daheim im Dachgeschoss ihres Reihenhauses arbeitet, achtet die Freiberuflerin auf Pausen. Dazu begibt sie sich hinunter in die Küche, wärmt eine Suppe, isst ein überbackenes Sandwich, meidet aber eine üppige Hauptmahlzeit. „Nudeln mit Soße legen mich lahm“, lacht sie. Manchmal liest sie nebenbei, aber keine Fachliteratur.

          Kann man ein Essen mit dem Chef als Pause bezeichnen?

          Das betrachtet mancher Aufsteiger anders. So beklagt sich ein Frankfurter Chemiker, dass ihm Kantinenrunden mit Vorgesetzten zu anstrengend sind: „Es gibt Kollegen, die die Kantine exzessiv fürs Karrieremachen nutzen. Die würden die Frage ihres Chefs, ob sie mit zum Essen kommen, nie verneinen, ganz gleich, ob sie Hunger haben.“ Bedauerlich, findet Anne Katrin Matyssek. Sie beobachtet, dass sich immer weniger Menschen Zeit für eine richtige Pause nehmen. „Schade, denn Leute, die gemeinsam Pause machen, empfinden das als wohltuend.“

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