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Wir bauen den ICx : Der Projektleiter

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Martin Offer: „Eine ganz spezielle Herausforderung ist die lange Projektlaufzeit von 25 Jahren.“ Bild: Archiv

Der Hochgeschwindigkeitszug ICx gilt als das Paradeprojekt der deutschen Bahnindustrie. Vier Siemens-Ingenieure erzählen von den Herausforderungen des Projekts. Martin Offer ist der Projektleiter.

          Eine Frage wird mir immer wieder gestellt: Wie viele Leute arbeiten eigentlich insgesamt am ICx-Projekt? Das ist nicht so einfach zu beantworten. In meinem engen Projektkernteam sind es ungefähr 60: Controller, Kaufleute, Teilprojektleiter. Mit der nächsten Stufe, inklusive der Entwickler, kommen wir auf mindestens 500 Leute. Und nimmt man noch Fertiger und Unterlieferanten hinzu, dürfte die Zahl in die Zehntausende gehen.

          Ja, es ist schon sehr reizvoll, am größten Projekt mitzuarbeiten, mit dem Siemens jemals beauftragt worden ist. Grundsätzlich sind die Hochgeschwindigkeitszüge ein hochemotionales Produkt. Es ist nicht so wie in anderen Ingenieur-Berufszweigen, wo man den Kindern schwer erklären kann, was man eigentlich macht. Zwar denken die immer, ich baue den Zug selbst. Aber die Älteren verstehen schon, was ich mache.

          Als Gesamtprojektleiter bin ich für viele Controllingaufgaben zuständig. Es gibt regelmäßige Gesprächsrunden: eine Quartalsdurchsprache mit der Divisionsleitung, monatliche Durchsprachen mit der Business-Unit-Leitung, monatliche ganztägige Treffen mit dem Kundenprojektleiter der Deutschen Bahn. Und interne Controlling-Runden, wo ich mir die Terminsituation und den Stand des Projektes berichten lasse. Ich bin zuständig für Personalführungsthemen, für Einstellungen, die Arbeit ist also breit gefächert.

          Fast schon eine Lebensaufgabe

          Eine ganz spezielle Herausforderung des ICx-Projektes ist die lange Projektlaufzeit. Üblicherweise, zum Beispiel beim ICE3, wird ein bis zwei Jahre verhandelt, zwei bis drei Jahre konstruiert und gefertigt, ein Jahr zugelassen, dann kommen zwei Jahre Gewährleistung, und dann ist das Projekt vorbei. Unser ICx-Rahmenvertrag dagegen läuft über 25 Jahre, da ist man nach einem Jahr Fertigungszeit nicht fertig und durch.

          In so einem lang laufenden Projekt kommen ganz neue Probleme wie das Obsoleszenzmanagement auf einen zu: Wann ist ein Produkt veraltet und wird nicht mehr angeboten? Diese Frage stellt sich zum Beispiel bei Rechnerbaugruppen – gerade in der IT veralten Produkte rasch. Ganz anders im mechanischen Teil, da wird ein Träger in 30 Jahren noch genauso geschweißt wie heute.

          Von meiner Ausbildung her habe ich Elektrotechnik studiert. Bei Siemens habe ich mich am Anfang in den neunziger Jahren unter anderem um Robotersteuerungen gekümmert und die Steuerung von Straßenbahnen programmiert. Von 1995 an habe ich dann für das ICE-3-Projekt gearbeitet, erst als Teilprojektleiter, später als Gesamtprojektleiter.

          Ich habe also viel Erfahrung mit der Bahn und dem Kunden DB. Mit dem ICx sind wir aktuell in der Design- und Konstruktionsphase. Wir werden noch in diesem Jahr mit ersten Komponenten loslegen. Und ein Meilenstein war vor einigen Wochen die Fertigstellung des Mockup für die Bahn, ein Eins-zu-eins-Modell. Man merkt kaum, dass es sich nur um ein Holzmodell handelt.

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