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Was Kinder über Berufe denken : „Papa kocht in der Volkswirtschaft“

Bild: Andreas Brand

Erwachsene verbinden ihre Arbeit mit Prestige, Kindern ist das egal. Was sie sich unter Berufen vorstellen oder unter der Arbeit der eigenen Eltern: Wir haben Lustiges, Seltsames, Grausames gesammelt - in Text und Film.

          Es gibt erfreulichere Veranstaltungen als Elternabende im Kindergarten. Aber manchmal verlaufen diese steifen Treffen, bei denen fremde Menschen auf Zwergenstühlchen Platz nehmen, durchaus kurzweilig. Nämlich dann, wenn ambitionierte Erzieherinnen frisch von der Fortbildung mit pädagogischen Kennenlernspielchen aufwarten. Zum Beispiel, wenn es um die Berufe der Eltern geht. Dazu haben die Kinder einen Fragebogen beantwortet. Verwirrende Kernfrage: Was tun Mama und Papa, wenn sie nicht auf dich aufpassen? Auf Platz eins und zwei landeten Fernsehschauen und Staubsaugen. Beliebt ist auch Einkaufen gehen, klingt nach Shoppen, meint aber in der Realität Mineralwasserkistenschleppen. Die klügere Anschlussfrage lautet: Und was arbeiten deine Eltern? Unter erleichtertem Gekicher, schenkelklopfendem Gelächter oder verärgertem Wutgesicht - je nach Temperament der Eltern und Aussage der Sprösslinge - werden die Antworten im Stuhlkreis verlesen und fördern Erstaunliches zutage. Die folgenden Beispiele stammen aus einem Münchener Vorort, dem Rhein-Main-Gebiet sowie von kecken Kindern aus Karlsruhe und dem fränkischen Miltenberg:

          Ursula  Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          • „Mein Papa geht zum Arbeiten jeden Morgen in den Keller und guckt sich Filme an. Da ist es richtig dunkel. Und da bleibt er den ganzen Tag“, hat Lukas mit seinen vier Jahren zu Protokoll gegeben. Klingt schlüpfrig und unseriös. Zur Aufklärung: Der Mann hat eine kleine Firma und digitalisiert Dias und Super-8-Filme, wegen der hohen Münchener Mieten aus Platznot im Kellerbüro.

          Kinder erklären Berufe : „Die haben den Bauch aufgeschnitten“

          • Der drei Jahre alte Johann treibt das verwegene Tun auf die Spitze: „Meine Mama ist Physo. Die streichelt Männer.“ Ob seine Mutter, eine Physiotherapeutin, ihn auch künftig noch mit zur Arbeit nehmen wird, wenn der Kindergarten mal wieder wegen Windpocken geschlossen bleibt, ist daher fraglich.

          • Das ist noch harmlos im Vergleich zum Horrorkabinett der gar nicht so kurativ erscheinenden Berufe. Denn die Mama von Anna ist eine ganz Schlimme: „Die sperrt Kinder in den Glaskasten. Da ist es heiß drin, und es gibt kein Spielzeug.“ Tja, die Frau ist Kinderärztin auf einer Frühchenstation.

          • Eine andere Mutter in der Runde bekommt ebenfalls ihr Fett weg: „Die Mama macht den anderen Aua, bei mir hat sie das auch schon gemacht!“ Als Göttin in Weiß tritt die Hausärztin vor ihrem Kind offenbar nicht in Erscheinung. Jedenfalls wird sie ihre Sophia künftig nicht mehr selbst impfen.

          • In Zukunft wird sich übrigens auch niemand mehr fragen, wie es Dr. Müller schafft, seinen Sohn Alexander um acht Uhr ins Bett zu kriegen. „Mein Papa ist Gasmann. Er setzt Menschen eine Maske auf und schläfert sie ein.“ Für irgendwas muss die Facharztausbildung zum Anästhesisten ja auch privat gut sein.

          • Etwas gequält gelächelt hat zunächst auch der Vater, über den es im Kinderprotokoll großzügig heißt: „Mein Papa verschenkt Bonbons und manchmal eine Zahnbürste.“ Und das alles in seiner Apotheke, beeilt sich der standesbewusste Vater zu erklären.

          • Erfreulicher dann schon die Mutter, über die der Sohn nüchtern sagt: „Die repariert Katzen.“ Nicht nur Katzen, auch Hamster, Rennmäuse und Hunde. Mama ist Veterinärin in einer Kleintierpraxis. Da geht es spannend zu.

          Umfragen im Bekanntenkreis und Begegnungen auf Festen fördern ebenso erstaunliche Berufsprofile zutage. Zumindest in den Schilderungen des Nachwuchses. Wer oft auf Dienstreisen weilt, den wähnen die Kinder im Dauerurlaub. Kein Wunder, die Eltern fliegen ja los, wie in die großen Ferien. Antriebslos erscheinen vor allem jene, die irgendwas mit Medien machen. Besonders bequem macht es sich hier offensichtlich die schreibende Fraktion.

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