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Home Office : Im Büro ist es doch schöner

Für berufstätige Eltern gibt es oft keine vernünftige Alternative zum heimischen Arbeitsplatz. Bild: Masterfile

Jeder zehnte Deutsche arbeitet von zu Hause. Und viel mehr würden es gerne tun. Ob sie wissen, was sie sich da wünschen?

          Home-Office, das klingt so modern. Dabei ist die Idee uralt. Schon vor Jahrhunderten stellten Fabrikanten ihren Mitarbeitern Baumwolle und Spinnräder in die Wohnungen und ließen sie dort schuften. So sparte sich der Unternehmer die Fabrik, und die Beschäftigten konnten sich in den Pausen um Haus und Hof kümmern. Im historischen Urteil hat sich eingebürgert, die Angelegenheit als systematische Ausbeutung der Arbeiter anzusehen.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Gerade umgekehrt verhält es sich heute mit dem Image der Heimarbeit, neudeutsch Home-Office. Sie gilt im Großen und Ganzen als seligmachend. Nur so lassen sich Beruf und Familie unter einen Hut bringen, nur so entkommen wir dem nervtötenden und umweltschädlichen Pendeln zum Arbeitsplatz, nur so können moderne Arbeitgeber den Ansprüchen ihrer hochbegabten Angestellten gerecht werden. Alles andere (sprich: ein herkömmlicher Büroarbeitsplatz) wäre im Zeitalter von Smartphone und Laptop eine Bremse für die Kreativität, außerdem ein Motivationskiller, kurzum die reinste Sklavenhalterei.

          Pioniere rudern zurück

          Jetzt aber steht plötzlich ein dickes Fragezeichen hinter diesen Gewissheiten. Innerhalb von zwei Wochen haben zwei Ereignisse viele zum Nachdenken über den Sinn und Unsinn des Home-Office (wer’s vornehmer mag, kann auch Telearbeit dazu sagen) gebracht. Die Nachteile förderte unfreiwillig ein britischer Professor zutage, der vom heimischen Arbeitszimmer aus der BBC ein Fernsehinterview gab und dabei seine ungeplant hereinstürzenden Kinder des Platzes zu verweisen versuchte, ohne eine Miene zu verziehen. Der Erfolg hielt sich in Grenzen, im Internet ergötzten sich Millionen daran.

          Und dann beorderte in der vergangenen Woche ausgerechnet der amerikanische Technologiekonzern IBM, ein Home-Office-Pionier der ersten Stunde, die bisher weidlich von zu Hause arbeitenden Angestellten seiner Marketingabteilung zurück ins Büro. Die Gurus der modernen Arbeitswelt reagierten darauf mit Bestürzung und Unverständnis: Jeder wisse doch, dass heutige Arbeitnehmer zu Hause viel produktiver seien als in einem verstaubten Firmengebäude.

          Räumliche Nähe zu Kollegen fördert Kreativität

          Doch so eindeutig ist der Stand der Erkenntnis nicht. Die von Wissenschaftlern der angesehenen Stanford-Universität durchgeführte Untersuchung, auf die sich die Befürworter der Heimarbeit regelmäßig beziehen, liefert zwar ein klares Ergebnis: Heimarbeiter sind seltener krank, machen kürzere Pausen und kommen deshalb auf eine um 13 Prozent höhere Produktivität. Aber dazu muss man natürlich auch wissen, welche Aufgaben sie zu erledigen hatten: Die über neun Monate begleiteten Probanden arbeiteten im Callcenter eines Reiseveranstalters. Aber nicht jede Tätigkeit eignet sich genauso gut für die Auslagerung.

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