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Transparenz im Unternehmen : Der Wert der Wahrheit

  • -Aktualisiert am

Bild: Cyprian Koscielniak / F.A.Z.

Mit Geheimniskrämerei kommen Unternehmen nicht mehr weiter. Inzwischen ist Offenheit das Gebot der Stunde. Doch die müssen Führungskräfte und Mitarbeiter erst noch lernen.

          Es war das berühmte Quentchen Information zu viel: Als der Abteilungsleiter bei der letzten Sitzung seine Mitarbeitern mit gebrochener Stimme und Tränen in den Augen über die Trennung seiner Frau nach 20 Jahren Ehe informierte, schauten nur alle betreten zu Boden. Zehn Kilo habe er seitdem abgenommen, und als wäre das alles nicht schlimm genug, habe er vergangene Woche noch einen Totalschaden an seinem BMW verursacht.

          Die neue Offenheit überforderte die Kollegen sichtlich - dabei dringt sie inzwischen in alle Bereiche: Der Umgang mit Kunden, die Personalführung von Mitarbeitern, die Informationen für die breite Öffentlichkeit - Offenheit scheint das Gebot der Stunde. „Wir befinden uns im Zeitalter der Transparenz“, ist Volker Klenk, Managing Partner der Unternehmensberatung Klenk & Hoursch Corporate Communications, überzeugt. Er hat sich auf das Thema spezialisiert. Transparenz sei eine strategische Überlegung, sagt er.

          Allgemein wird sie auf die Unternehmenskommunikation nach außen bezogen. Sie ist für die Selbstdarstellung ein nicht unerheblicher Wettbewerbsvorteil - wenn man ihn denn erfüllen kann. Für Transparenz nach außen ist eine Offenheit nach innen nämlich unerlässlich. Klenk spricht hier von einer Kultur des offenen Wortes. „Wenn die nicht vorhanden ist, rate ich davon ab, sich nach außen transparent zu geben“, sagt der Berater.

          Viele Großunternehmen weisen Transparenz-Defizite auf

          Doch gerade eine konsequente Kultur des offenen Wortes scheint weniger verbreitet, als die Beteuerungen vieler Unternehmen vermuten lassen. „Transparenz in der Personalpolitik ist bei den meisten Unternehmen dünn“, sagt Peter Friederichs, Vorstandsvorsitzender des Human Capital Clubs. Der Verein erhebt gemeinsam mit Wissenschaftlern der Technischen und der Ludwig-Maximilians-Universität München seit 2007 den Human-Capital-Transparency-Monitor (HCTM). Er analysiert die Transparenz der 30 Dax-Unternehmen, insbesondere im Personalbereich.

          Viele der Großen in Deutschland weisen nach Angaben des HCTM Defizite auf. „Oft wird bei der Personalarbeit eher gekürzt als investiert. Darüber wollen die Unternehmen natürlich lieber nicht reden“, sagt Friederichs. Inwiefern ein Unternehmen Transparenz anwende, lasse deswegen Rückschlüsse auf die interne Situation zu. „Transparenz und gute Personalpolitik gehen Hand in Hand“, betont er.

          „Wenn klar wird, dass Sie tun, werden Sie glaubwürdig für Ihre Mitarbeiter“

          Eon schnitt im vergangenen Jahr beim HCTM besonders gut ab. Der Energiekonzern hat dort den ersten Platz belegt. Das Unternehmen setzt demnach in der Personalpolitik auf klar nachvollziehbare Regeln und Prozesse. Bei Managemententscheidungen bemühe sich das Unternehmen um eine starke interne Kommunikation. Dafür gab es die beste Note vom Human Capital Club.

          Frank Heberger, Executive Vice President Corporate Executives und Group Human Resources bei Eon, erklärt die Motivation seines Unternehmens für solch eine Kommunikationsstrategie: „Um die Betroffenen zu Beteiligten zu machen, braucht man Transparenz“, sagt er. Durch Offenheit gewinne ein Unternehmen Vertrauen. „Wenn klar wird, dass Sie tun, was Sie schreiben, werden Sie glaubwürdig für Ihre Mitarbeiter, Bewerber oder Investoren.“

          Nichtsdestotrotz müsse Transparenz auch Grenzen haben, meint der Personalchef. Bestimmte personenbezogene Daten seien nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Auch bei Geschäften könne es heikel sein, sie frühzeitig offenzulegen. „Wenn Sie etwas zu früh kommunizieren, können Menschen unnötig verunsichert werden“, sagt Heberger.

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