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Mehrfachbeschäftigte : Wer in Deutschland zwei Jobs hat

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Beschäftigte mit zwei Stellen sind besonders oft weiblich, mittelalt, nicht-deutscher Staatsangehörigkeit und im Gesundheitswesen beschäftigt. Bild: dpa

Die Schlagzeile rüttelte vergangene Woche auf: Drei Millionen Menschen in Deutschland haben mehrere Stellen. Wer sind sie, und warum reicht ihnen ein Job nicht?

          Weiblich, in Teilzeit beschäftigt und in Verwaltung und Büro oder im Gesundheits- und Sozialwesen tätig: So oder so ähnlich sieht einer neuen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg zufolge der typische Arbeitnehmer in Deutschland aus, der neben seinem Hauptberuf noch einen Zweitjob hat. Häufig haben die Betroffenen zudem eine nicht-deutsche Staatsangehörigkeit, die meisten sind mittleren Alters und verdienen in ihrem Hauptberuf im Schnitt weniger als Beschäftigte ohne Nebenjob. Berufe in den Bereichen Verkehr, Erziehungswesen und „allgemeine Dienstleistungen“ sind ebenfalls ziemlich häufig vertreten. Übrigens: Ein Drittel der Mehrfachbeschäftigten übt im Haupt- und Nebenjob denselben Beruf aus.

          Wer sich hinter den vielen Beschäftigten verbirgt, die nicht nur eine  Stelle haben, sondern zwei oder noch mehr, ist interessant. Denn es werden immer mehr. Erst am Freitag war durch eine Anfrage der Linken im Bundestag bei der Arbeitsagentur herausgekommen, dass sich die Zahl der Mehrfachbeschäftigten in Deutschland im vergangenen Jahrzehnt um rund eine Million erhöht hat: auf mittlerweile 3,2 Millionen Menschen. Das IAB blickt nun noch weiter zurück und berichtet, dass sich die Anzahl der Menschen mit zwei und mehr Stellen seit dem Jahr 2003 sogar mehr als verdoppelt hat.

          Tendenziell haben diejenigen Menschen einen Nebenjob, die in ihrer Haupttätigkeit vergleichsweise wenig verdienen. Aus den IAB-Daten geht hervor, dass die Mehrfachbeschäftigten im Schnitt 570 Euro weniger Einkommen in ihrem Hauptberuf erzielen als Menschen, die nur eine einzige Stelle innehaben. Zum Teil lässt sich dieser Unterschied dadurch erklären, dass die Mehrfachbeschäftigten vergleichsweise oft ihren Hauptberuf in Teilzeit ausüben. Aber das ist nicht der einzige Grund. Es handle sich überdurchschnittlich häufig um Berufe mit schlechterer Bezahlung, schreiben die Studienautoren Sabine Klinger und Enzo Weber.

          Dass die Zahl derjenigen, die sich zusätzlich zu ihrer sozialversicherungspflichtigen Stelle noch eine Zweittätigkeit suchen, zugenommen hat, sei auch „durch die sehr gute Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes“ begünstigt worden, heißt es weiter. Schuld sei zudem „die über viele Jahre hinweg schwache Lohnentwicklung sowie die starke Zunahme der Teilzeitbeschäftigung“, schreibt das Institut. Einen wesentlichen Impuls gesetzt hätten aber auch „gesetzliche Änderungen, die geringfügige Beschäftigungen für die Arbeitnehmer von Steuern und Sozialabgaben freistellen.“

          Diese Freistellung sehen die Studienautoren des IAB durchaus kritisch. Zwar schreiben sie, es sei eigentlich zu begrüßen, dass die Ausweitung der Erwerbstätigkeit durch Anreize belohnt wird. Mit Blick auf die finanzielle Selbständigkeit der Arbeitnehmer und mit Blick auf Fachkräfteengpässe sei dies „grundsätzlich richtig“. Allerdings profitierten auch viele Gutverdiener von der Regelung; zudem sorgen sich die Autoren um die „nachhaltige berufliche Entwicklung“ der Betroffenen sowie um deren Alterssicherung. Sie schlagen statt dessen vor, die Hauptbeschäftigungen zu stärken - etwa durch geringere Sozialabgaben für gering bezahlte Tätigkeiten.

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