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Stressabbau : Wenn Manager meditieren

Bitte atmen Sie jetzt: Meditationsguru Jon Kabat-Zinn macht vor, wie’s richtig geht. Bild: World Economic Forum / Benedikt von Loebell

Meditations-Guru Jon Kabat-Zinn will unter Dauerstrom stehenden Führungskräften helfen, zur Ruhe zu kommen. Ausgerechnet in Davos. Ein Selbstversuch.

          Wo sind die Yogamatten? Ich hatte fest damit gerechnet, dass wir es uns gemütlich machen würden. Aber als ich den Seminarraum zur „Mindfulness Meditation“ auf dem Weltwirtschaftsforum betrete, stehen dort nur 60 weiße Stühle, drei Flipcharts und dazwischen, still und unscheinbar, der Achtsamkeitstrainer Jon Kabat-Zinn.

          Bettina Weiguny

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Stressabbau durch Meditieren ist dieses Jahr ein großes Thema unter der versammelten Wirtschaftselite in Davos. Dass diese Kunst der Wahrnehmung nicht mehr als esoterischer Schabernack abgetan wird, sondern weltweit Einzug in die Chefetagen hält, verdankt sie vor allem diesem Wissenschaftler von der amerikanischen Eliteuniversität Massachusetts Institute of Technology (MIT).

          Kabat-Zinn hat die Achtsamkeitsbewegung einst in Amerika begründet. Seit 36 Jahren leitet der promovierte Molekularbiologe Meditationskurse, er hat eine Klinik und ein Achtsamkeitszentrum aufgebaut. Dort wird Kranken und Ausgebrannten geholfen, chronische Schmerzen zu ertragen, Krebs zu bekämpfen, Stress und Burnout zu vermeiden. Auf der ganzen Welt lernen Millionen von Menschen nach der von ihm entwickelten Methode, der Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR).

          Plopp. Plopp. Plopp

          Nun will ich auch achtsam durchs Leben schreiten. Gelassenheit lernen. Deshalb bin ich in seinem Kurs. Genauso wie 80 andere Teilnehmer des Forums, die während der fünftägigen Konferenz einen klaren Kopf bewahren wollen, trotz des Trubels, der vielen Termine und der viel zu kurzen Nächte. Zunächst einmal halsen wir uns dadurch zusätzliche Termine auf. Denn wir treffen uns jeden Morgen, leider auch noch sehr früh.

          Später unter Tags laufen im Kongresszentrum etliche Veranstaltungen parallel, 2900 Besucher drängeln sich durch die fensterlosen Gänge und Hallen, haben die Qual der Wahl zwischen Diskussionen über China, Banken oder Erderwärmung, zwischen den Robotern der Zukunft oder Genomforschung. Früh morgens aber haben wir das Kongresszentrum für uns. Kabat-Zinn lobt uns zur Begrüßung, weil wir unseren Schweinehund überwunden haben. Wir sind nun „eine eingeschworene Gruppe“. Das klingt gut. Es entschädigt für den Wecker.

          Kabat-Zinn zieht seine Schuhe aus und setzt sich im Schneidersitz auf den Boden. Andere tun es ihm gleich, trotz Anzug oder engem Rock. Highheels und Winterstiefel wandern ordentlich neben die Laptop-Taschen. Wir schließen die Augen und suchen unseren Atem, versuchen ihn zu spüren. Sonst nichts. 20 Minuten lang. Irgendwo summt leise ein Handy, hier und da vernimmt man das dezente Ploppen, das ertönt, wenn eine Mail eingeht. Plopp. Plopp. Plopp. Wer soll sich da auf den Atem konzentrieren? Aber klar, alle hier sind vielbeschäftigte Manager, Unternehmer, Wissenschaftler oder Politiker. Wichtige Leute aus aller Herren Ländern, die normalerweise um jede Uhrzeit erreichbar sind. Nur jetzt nicht.

          „So halten wir unsere Beziehung in Gang“

          Jetzt zählen nur der Atem und der Augenblick. „Der Augenblick ist alles, was wir haben“, sagt Kabat-Zinn. „Die Vergangenheit ist vorbei, die Zukunft noch nicht da. Genießt das Hier und Jetzt.“ Während er spricht, spüren wir weiter unserem Atem nach. Sobald wir gedanklich abschweifen, sollen wir die Gedanken sanft einfangen und weiter atmen. Immer nur atmen. Achtsamkeit, so erläutert Kabat-Zinn leise, macht ruhig, gelassen und glücklich.

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